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Gersthofen

27.10.2017

Ringen um die „Stolpersteine“

Im November 2012 verlegte der Künstler Gunter Demnig bereits Stolpersteine zum Gedenken an Naziopfer in Meitingen. Nach einem Mehrheitsbeschluss des Gersthofer Stadtrats ist es jetzt grundsätzlich möglich, dass auch dort die kleinen Messingquadrate verlegt werden.
Bild: Marcus Merk

Ein Teil des Gersthofer Stadtrats tut sich mit dem Gedenken in Form kleiner Messingquadrate des Künstlers Gunter Emnig schwer. Dennoch soll über würdige Bürger nachgedacht werden.

Sie sind eigentlich relativ unscheinbare kleine Messingquadrate, die vor Gebäuden in den Boden eingelassen werden. Dennoch sind die „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig vielerorts umstritten – zum Beispiel in Augsburg. Auch Teile des Gersthofer Stadtrats haben mit dieser Form des Gedenkens an Opfer des Naziregimes ihre Schwierigkeiten, wie die Sitzung am Mittwochabend deutlich zeigte. Das Prinzip ist einfach: Die Stolpersteine werden vor den Gebäuden verlegt, in denen ein Naziopfer zuletzt gelebt hat und machen auf dessen Schicksal aufmerksam. In Meitingen wurden bereits vor Jahren solche Erinnerungssymbole installiert.

Es gibt entschiedene Gegner

Angeregt hat diese Form der Gedenkkultur der Gersthofer Historiker Bernhard Lehmann. Er hatte bereits nachgeforscht und eine Liste von acht Gersthofern vorgeschlagen. Diese war, wie die Stolpersteine an sich, bereits Ende September Thema in nicht öffentlicher Sitzung des Sozial- und Ordnungsausschusses, wurde aber mit der Stimmenmehrheit der beiden Fraktionen CSU und W.I.R. von der Tagesordnung genommen.

„Ich finde es erfreulich, dass auf unser Betreiben das Thema jetzt in die öffentliche Sitzung gefunden hat“, sagte CSU-Fraktionsvorsitzender Max Poppe. Er appellierte daran, nichts übers Knie zu brechen: „Mir ist ein guter Start lieber als ein schneller Start.“ Vor allem ein würdiger Standort müsse es sein.

Entschieden gegen die Stolpersteine sprach sich wegen des „hohen Konfliktpotenzials“ Georg Brem (W.I.R.) aus. „Wir erleben hier, wie ein einzelner Bürger mit einem Antrag die Bevölkerung spalten kann.“ Ein hochsensibles Thema werde „ohne Not aufgemacht“. Er verwies darauf, dass der Augsburger Rabbiner Brandt sowie die ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses Charlotte Knobloch gegen diese Form des Gedenkens ausgesprochen haben. Er hielt eine Gedenktafel beim Mahnmal im Nogentpark für geeigneter.

Welche Namen und an welche Orte kommen wird weiter behandelt

Brem beantragte ein Ratsbegehren: „Die Bürger sollen entscheiden, ob sie das wollen.“ Dieser Antrag wurde mit 21:7 Stimmen abgelehnt. Lediglich die W.I.R.-Räte waren sich dafür. Fraktionsmitglied Hans-Jürgen Fendt betonte: „Wir lehnen nur diese Art des Andenkens ab, nicht das Andenken an sich.“

Als Beitrag gegen Rassismus und für Toleranz befürwortete Klaus Greiner (SPD) die Stolpersteine. „Das ist gerade in unserer derzeitigen politischen Situation in Deutschland wichtig.“

Albert Kaps (Pro Gersthofen) hielt die Bedenken für „Ausreden, weil man sich nicht traut zu sagen, man ist dagegen“. Es sei nicht nur der Vorschlag Bernhard Lehmanns. „Es sind sehr viele Bürger, die dahinter stehen“, so Kaps. Grundsätzliche Zustimmung für „eine Gedenktafel oder Ähnliches“ signalisierte Bernhard Happacher (FW). Es komme auf den Standort an.

Schließlich stimmte der Stadtrat 18:10 grundsätzlich zu, dass Stolpersteine kommen können. Nach welchen Kriterien die Namen der Opfer und die Orte ausgewählt werden, soll im Stadtrat weiter behandelt werden. Bernhard Lehmann erklärte nach der Entscheidung auf Anfrage: „Es war eine ernsthafte Diskussion, wenngleich nicht immer sehr kenntnisreich.“ Gut sei, dass es eine Mehrheit für ein Gedenken an die Naziopfer gebe.

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