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Zusmarshausen

02.05.2019

Rothsee: Der Schlamm soll drumherum

Immer wieder gibt es am Rothsee in Zusmarshausen Probleme, weil der Zufluss bei kräftigem Regen Schlamm in den See transportiert. Dann ist das Wasser deutlich getrübt. Das will die Gemeinde jetzt mit einem Bypass lösen. 
Bild: Marcus Merk

Zusmarshausen plant jetzt einen Gewässer-Bypass, um das ewige Problem mit dem Dreck in den Griff zu bekommen. Und es gibt noch einen anderen Vorstoß.

Gemütliche Schattenplätze für Senioren, neue Badestege für Schwimmer und ein Wasserspielplatz für Kinder: Seit das Umfeld des Rothsees bei Zusmarshausen aufgewertet wurde, ist das Gewässer ein Schmuckstück, das sich in die Landschaft einfügt. Die Idylle trügt aber in einem Punkt: Teilweise ist das Wasser im Sommer so trüb, dass Schwimmer ihre eigenen Hände nicht mehr sehen. Der Grund: Mit jedem Starkregen wird Schlamm in den See gespült. Das will die Marktgemeinde jetzt verhindern. Der Plan: eine Schlamm-Umleitung.

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Mit einem Gerinne, das auch von Fischen genutzt werden kann, sollen die Sedimente in Zukunft um den See fließen. Gleichzeitig soll weiterhin sauberes Wasser bei schönem Wetter in den See kommen. Eine Schwierigkeit dabei: Das Gerinne muss einen Höhenunterschied von mehreren Metern zwischen dem Beginn im Osten und der Wiedereinführung in die Roth im Westen überwinden. Wie genau der Bypass funktioniert, wo er verläuft und was die Kosten sind, steht noch nicht fest.

Das Projekt stellt alle vor große Herausforderungen

Zusmarshausens Bürgermeister Bernhard Uhl erklärt: „Die Planungen entstehen in diesen Monaten und werden sobald als möglich im Marktgemeinderat vorgestellt und diskutiert.“ Klar ist bereits: Das Projekt stelle große Herausforderungen an alle Beteiligten. Die Planer sollen das Umgehungsgerinne naturnah und besucherfreundlich mit Aufenthaltsqualität gestalten. Laut Bürgermeister Uhl müsse das Großprojekt auch mit dem Planungsteam der jüngst vorgestellten Seebühne abgestimmt werden.

Rothsee: Der Schlamm soll drumherum

Das Gastronomieprojekt von Unternehmer Reinhard Kastner sieht ein größeres Gebäude mit einem Saal, Restaurant, Café sowie Fitness- und Tagungsräume am Rothsee vor. Im Freigelände sollen ein Biergarten, Radwege sowie eine große Freifläche zum Wasser hin entstehen.

Bau eines Absetzbeckens ist vom Tisch

Uhl erwartet die ersten Entwürfe für den Bypass in den nächsten Monaten. Mit einer Umgehungsgerinne – geprüft wird auch eine Kombination mit einer Flutmulde – ist der immer wieder diskutierte Bau eines Absetzbeckens vom Tisch. Das gilt auch für weitere Entschlammungsaktionen. Die gab es in der Vergangenheit. Sie waren vor allem eines: kostspielig.

Im Jahr 1998 holte ein Bagger etwa 30.000 Kubikmeter Schlamm vom Grund. 14 Jahre später stand die nächste Entschlammung an: Etwa 35.000 Kubikmeter pumpte ein Unternehmen ab. 2,7 Millionen Euro kostete das Ganze. Damit wurde das Übel allerdings nicht an der Wurzel gepackt. Denn das liegt an den zahlreichen Einläufen der Roth. Sie schwemmen Tonnen von Erdreich ein.

An dieser Stelle setzt seit einigen Jahren die Initiative „Boden:ständig“ des Amts für Ländliche Entwicklung in Krumbach an. Ziel ist es, gemeinsam die Bodeneinträge aus den landwirtschaftlichen Flächen in die Gewässer zu minimieren und sie zu renaturieren, um auf diese Weise die Kulturlandschaft auch für kommende Generationen zu erhalten.

Hecke soll die Bodenerosion zurückhalten

Wie das praktisch aussehen kann, zeigten jüngst Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Rothtal aus Horgau: Sie hatten auf über 130 Metern Länge in einem Acker der Gemeinde Horgau unterhalb eines Solarfelds bei Auerbach eine Hecke angelegt. Sie soll in Zukunft die Bodenerosion zurückhalten, vorhandene Biotope vernetzen und dem Schutz von Tier- und Pflanzenarten in der Feldflur dienen.

Die Gemeinde Horgau stellten die 220 Heckengehölze zur Verfügung und nimmt die Fläche in ihr Ökokonto auf. Der Bauhof bereitete den Boden vor, woraufhin 14 Helfer des Vereins anpackten. Anja Dördelmann, Kümmerin für die Roth bei „Boden:ständig“, ist überzeugt: „Alle sind gefragt, denn Lippenbekenntnisse bewirken nichts. Jede Aktion zählt – auch wenn sie noch so klein ist.“ 

Wie die Situation einzuschätzen ist, lesen Sie in unserem Kommentar: Rothsee - Schluss mit dem Schlamm

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