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Porträt

12.05.2020

Rückblick auf 1000 Sitzungen

Johann Kemter

Johann Kemter war 30 Jahre lang Gemeinderat. Was sich in diesen Jahren verändert hat und was er jetzt vorhat

Zum Abschied hat er genau nachgerechnet: 30 Jahre lang war Johann Kemter Mitglied im Diedorfer Gemeinderat. Zwar habe er in dieser langen Zeit nur mit zwei hauptamtlichen Bürgermeistern zusammengearbeitet, neben Peter Högg zuvor 24 Jahre lang mit Otto Völk. Dafür hatte er jedoch 60 Gemeinderäte als Kolleginnen und Kollegen im Gremium, wo er in allein 1000 offiziellen Sitzungen insgesamt rund dreieinhalb Jahre verbracht habe – wenn man Vor- und Nachbereitungszeit der Sitzungen dazuzählt. Diese Zahlen nannte er auf der ersten Sitzung des neuen Diedorfer Gemeinderats, dem er nun nicht mehr angehört. Im Gespräch nach dem Abend macht er klar: „30 Jahre sind genug.“

Mit den Menschen ins Gespräch kommen, offen für ihre Themen zu sein – das macht für Johann Kemter die Arbeit eines Gemeinderats aus. So habe er es stets gehalten, wenn er entweder Flyer verteilt oder sich für den Bauausschuss an den Bauplätzen umgesehen habe. Und dabei ist es für ihn eigentlich zweitrangig, im Auftrag welcher Partei oder Gruppe man diese Aufgabe wahrnimmt. Er selbst war zunächst Gemeinderat der CSU, im Jahr 2014 trat er dann erstmals für die Gruppierung „Wir für Diedorf“ an. „Ich war eigentlich immer dafür, dass aus einer allgemeinen Liste jene 20 oder 24 Gemeinderat werden sollen, die die meisten Stimmen bekommen“, sagt er.

Dem Bauausschuss hat Johann Kemter über viele Sitzungsperioden hinweg angehört. Seine Meinung: Wenn ein Bauherr so viel in das meist einmalige Projekt seines Eigenheims investiert, dann sollte die Politik nicht zu viele kleinliche Vorschriften machen. „So etwas hat mich immer genervt“, sagt er. Als er vor sechs Jahren die Möglichkeit hatte, ein Stellvertreter des Bürgermeisters zu werden, lehnte er ab: „Reden zu halten und öffentlich aufzutreten, das ist nicht so meins.“ Dafür ist es ihm wichtig, eine eigene Meinung zu vertreten. „Als ich 1990 in den Gemeinderat kam, da meinten die alten Hasen noch, sie könnten uns jungen sagen, wie wir abstimmen sollen. Aber das hat sich dann schnell gelegt.“ Im Augsburger Wöchnerinnenheim geboren, ist Johann Kemter dennoch genau das, was man einen alteingesessenen Diedorfer nennen kann. In seinem Elternhaus an der Hauptstraße wohnt er mit seiner Frau Paula bis heute – und hier hat er auch einen Teil seines Arbeitslebens verbracht: Als Leiter der Post, die damals noch eine Filiale im Erdgeschoss des Hauses hatte.

Jetzt, mit 69 Jahren, will er gemeinsam den Ruhestand mit seiner Frau verbringen. Seit fast 50 Jahren würde es „gut klappen“, die Herausforderungen des täglichen Lebens gemeinsam zu meistern. Und auch die Freuden: Zeit mit den Enkeln zu verbringen, das sei ihm heute wichtig.

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