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Landkreis Ausgburg

03.04.2019

Schädlinge: Von fern eingereist und gefürchtet

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4 Bilder
Der Asiatische Marienkäfer ist an seiner W-förmigen Stirnplatte zu erkennen. 

Sie sind im Augsburger Land zu Hause, aber nicht unbedingt willkommen. Wie der Klimawandel und der internationale Handel neue Tierarten nach Schwaben bringen.

Biologen warnen immer wieder vor ihnen: Die Rede ist von Insekten, die aus anderen Regionen der Welt stammen, aber unter anderem durch ansteigende Temperaturen auch in Deutschland Fuß fassen. Die invasiven Arten könnten das hiesige Ökosystem durcheinanderbringen.

Das sind einige Beispiele für fremde Schädlinge:

Signalkrebs 

Pacifastacus leniusculus, so der lateinische Name, ist ein plakatives Beispiel für eine Gefährdung heimischer Arten. Der nordamerikanische Signalkrebs ist Sporenträger für die Krebspest, die ganze Gewässer verseucht. Oliver Born vom Fischereihof Salgen warnt davor, die Tiere auszusetzen. Sie müssten stattdessen fachgerecht getötet werden. Mittlerweile dienten einige Seen in Schwaben als „Refugien“, um heimische Populationen zu schützen. Ein flächendeckendes Monitoring, um die Ausbreitung zu verhindern, finde bereits statt.

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Asiatischer Laubholzbockkäfer 

Der Name verrät bereits die Herkunft: Der Laubholzbockkäfer hat eine lange Reise hinter sich. Meistens kommt er mit Holzpaletten nach Europa. Dort bohrt sich in Laubholz. Die Folge: Bäume sterben reihenweise ab, was einen großen wirtschaftlichen Schaden nach sich ziehen kann. In Schönebach an der Landkreisgrenze nahe der Gemeinde Dinkelscherben wurde im Oktober 2015 ein Käfer entdeckt. Die Experten der Landesanstalt für Landwirtschaft schlugen Alarm. Um eine großflächige Ausbreitung des gefährlichen Baumschädlings zu verhindern, wurde eine Quarantänezone eingerichtet. 2018 wurde ein weiteres Käferweibchen gefunden. In der Zone befinden sich auch Gebiete der Gemeinden Dinkelscherben und Fischach. Auch dort müssen Bäume, die für einen Befall in- frage kommen, kontrolliert werden. Gibt es Spuren des Käfers, müssen die Bäume gefällt und entsorgt werden.

Asiatischer Marienkäfer

Dass der Vielfarbige oder Harlekin-Marienkäfer die einheimischen Glückskäfer verdrängen würde, daran hatte vor Jahren noch niemand gedacht. Ursprünglich kommt die Art aus Asien und wurde Ende des 20. Jahrhunderts nach Europa zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingeführt. Jetzt wird er aber selbst zur Plage: Er könnte nämlich die einheimischen Marienkäferarten verdrängen. Außerdem wird er Hausbesitzern oft lästig: Nach dem Überwintern krabbeln plötzlich Dutzende Exemplare an den Scheiben. Dr. Eberhard Pfeuffer vom Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben erklärt, dass es keine Möglichkeit gebe, diese Art zurückzudrängen, ohne auch die heimischen zu töten. Er beobachtet seit Jahren, wie sich die Umwelt im Landkreis Augsburg verändert. Der Naturwissenschaftliche Verein hat im Internet einen „Artenpool“ angelegt. Mit Fotos und Kurzporträts soll gezeigt werden, was es zu bewahren gilt. Es finden sich in der Bildergalerie auch Unbekannte: etwa die Sichelschrecke, die Weißrandfledermaus oder die Feuerlibelle. Arten, die ständig wandern und sich nun hier in der Region niederlassen, um sich zu vermehren. Die meisten seien keine Bedrohung, aber für Pfeuffer ein deutliches Zeichen für den Klimawandel.

Buchsbaumzünsler 

Für die Gärtner ist er ein großes Ärgernis: Etwa seit 2015 frisst der ostasiatische Falter mit Vorliebe grüne Zweigrinde und Blätter. Bei starkem Fraß können nicht nur einzelne Triebe, sondern sogar die ganze Pflanze absterben. Gunter Paschke von der gleichnamigen Baumschule in Biberbach rät dazu, Meisenkästen im eigenen Garten zu installieren: Die Vögel fressen die Insekten. Bei ausreichend Fressfeinden in der Umgebung gebe es keinen Zünsler-Befall. Auch Dr. Eberhard Pfeuffer vom Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben rät, nicht gleich zu Spritzmitteln zu greifen. Die Natur regele vieles selbst. „Wir sind nicht allein auf der Welt“, sagt Schädlingsbekämpfer Joachim Hawlik. Wer fremde Insekten entdeckt, sollte erst einmal Ruhe bewahren. (mit mcz)

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