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Holzhausen/Heretsried

10.01.2018

Scharfer Protest gegen die Ausbaupläne

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Beim Treffen der Ausbau-Gegner wurden die aktuellen Pläne für das Teilstück gezeigt. Sie sehen eine neue Trasse der Staatsstraße zwischen Holzhausen und Peterhof vor. Der Kostenpunkt: 5,3 Millionen Euro für 3,2 Kilometer.
Bild: Marcus Merk

5,3 Millionen Euro für eine neu geführte Staatsstraße zwischen Holzhausen und Peterhof: Das halten Anwohner und Naturschützer für unsinnig. Was sie fordern.

„Keine Zerstörung des Holzachtals“ und „Hände weg vom Landschaftsschutzgebiet“ steht auf den großen Bannern, die die Gegner des geplanten Ausbaus der Staatsstraße zwischen Holzhausen und Heretsried am Peterhof aufgestellt haben. Sie machten gestern ihrem Unmut Luft und fanden deutliche Worte gegen das Projekt. Es sei unsinnig und könnte sogar ein Fall fürs Schwarzbuch der Steuerzahler werden (siehe Kasten). Nach der aktuellen Planung soll die Staatsstraße 2036 zwischen der Ausflugsgaststätte und Holzhausen auf einer Länge von 3,2 Kilometern für rund 5,3 Millionen Euro „bestandsorientiert“ ausgebaut werden. Statt des Ausbaus mit einer neuen Trassenführung fordern die Gegner eine Sanierung der bestehenden Strecke.

Anwohner befürchten erhöhtes Unfallrisiko

Albert Eding von der Ortsgruppe Gablingen/Lützelburg des Bundes Naturschutz erklärte, dass das Tal geschützt werden müsse. Schließlich gehöre es zu den reizvollsten Orten im Naturpark. Eding hält einen Eingriff, bei dem über 100000 Kubikmeter Erdreich bewegt werden, für nicht gerechtfertigt. Tatsächlich soll die Trasse neu geführt werden, unter anderem mit metertiefen Abgrabungen. Vorgesehen sind außerdem eine breitere Fahrbahn sowie Abflachungen im Kurvenbereich für bessere Sichtverhältnisse. Im Umfeld der Einmündung der sogenannten Peterhofstraße soll eine Geh- und Radwegebrücke entstehen. „Die Gesamtzahl der Probleme lässt sich nur mit einem Ausbau lösen“, sagte gestern Stefan Heiß vom Staatlichen Bauamt Augsburg auf Anfrage.

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Statt mehr Verkehrssicherheit befürchtet Anwohner und Gemeinderat Christoph Luderschmid in Zukunft ein erhöhtes Unfallrisiko – verursacht durch die ausgebaute Strecke, die zu einer höheren Geschwindigkeit verleite und gleichzeitig mehr Verkehr anziehe. Durch das veränderte Landschaftsbild gehe außerdem Lebenqualität und damit auch ein Stück Heimat verloren. Jürgen Schantin, stellvertretender Vorsitzender der Gersthofer W.I.R.-Fraktion im Stadtrat, bezeichnete die Pläne als „Frevel“ und „Flächenfraß“. Er ging auch auf den Radweg entlang der bestehenden Straße ein: Wenn er wie jetzt geplant teilweise weggerissen würde, um dann später einige Meter entfernt wieder gebaut zu werden, dann sei das ein Fall für das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler.

Auch Flächenfraß ist bei der Debatte ein Thema

Schantin erinnerte sich an die Gespräche zum Radwegebau vor einigen Jahren. Damals habe es geheißen, dass die Trasse unverändert bleibe. Hart ins Gericht ging er mit einem Kommentar aus der Gemeinde Heretsried: Gemeinderat Winfried Jacob hatte gesagt, dass es bei dem Projekt um die Sicherheit von Tausenden gehe. Es sei lachhaft, die Interessen eines Einzelnen, nämlich der Peterhof-Gastwirtschaft, höher zu bewerten. Für so eine Aussage habe er kein Verständnis, sagte Schantin. Auch Landtagsabgeordnete Christine Kamm (Grüne) stellte sich auf die Seite der Wirtsleute Inge und Manfred Eden: Eine Bauzeit von zehn Monaten, die gestern bei dem Treffen im Raum stand, könne existenzbedrohend sein. Ihr Kollege Herbert Woerlein (SPD) sicherte den Ausbau-Gegnern seine Unterstützung zu und bot sogar an, eine Petition zu starten. Er kristisiert genauso wie Markus Brehm von den Freien Wählern den Flächenfraß: Bayern sei Spitzenreiter in Deutschland, der Landkreis wiederum an zweiter Stelle im Freistaat. Den Ausbau der Staatsstraße hält er bei täglich 3400 Fahrzeugen für unsinnig. Ähnlich formulierte es der Gablinger Gemeinderat Josef Wetzstein: „Wem bringt das Ganze etwas?“ Es gebe andere Staatsstraßen, die auch ausgebaut werden müssten.

Eine Verbesserung erhoffen sich aber die Bewohner aus den Holzwinkelgemeinden, die in Richtung Autobahn und Gersthofen müssen. Winfried Jacob erinnerte daran, dass Heretsried seit zehn Jahren eine bessere Strecke wünscht – „wir sind aber immer vertröstet worden.“ Auch aus dem Wunsch einer Ertüchtigung der Strecke sei nichts geworden. Er befürchtete, dass Klagen jetzt für einen kompletten Stillstand sorgen könnten, und „dann bleibt alles so, wie es ist“. Er appellierte an die Gegner, einen „Weg der Vernunft“ zu finden. Und: „Wir sind auch nicht scharf auf den Mega-Ausbau.“

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