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Dialekte

12.05.2014

Schiefe Achsen, Hammel und Dünnbier

gredt.eps
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In unserer Serie über sprachliche Besonderheiten geht es heute ziemlich „scheps“ zu

Wenn einer „scheps“ oder „schäbs“ geht, dann meint man damit einen unsicheren, ja bisweilen auch torkelnden Gang mit Schlagseite, aber auch krankhaftes Hinken. Und wenn sich einer „schäbs“ lacht, dann lacht er sich schief, wie man schriftdeutsch zu sagen pflegt. „Scheps“ in all seinen Variationen heißt im schwäbischen wie im bairischen Dialekt schief. Und mit diesem schriftdeutschen Wort soll es auch sprachlich verwandt sein.

Ob das auch für das Hauptwort „Scheps“ gilt, mag dahingestellt bleiben. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, also in den 40er und Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, sagte man in Bayern rechts und links des Lechs, aber auch in Österreich zu dünnem, also alkoholreduziertem Bier, das preislich den schmalen Geldbörsen der Bürger entgegenkam, „Scheps“, auch „Schöps“. Auch der Durst der Erntearbeiter wurde vom Landwirt gerne mit diesem Dünnbier gestillt. Heute geben die Brauer diesem Bier das Prädikat „light“, allerdings ohne preisliche Abschläge zu machen ...

Es gibt aber noch ein Bier mit diesem Namen und zwar im Schlesischen: „Schöps“ ist in Breslau allerdings nicht ein dünnes Bier. Und so wird behauptet, der Name käme vom Wort „schief“, weil die Leute, die das eine oder andere Glas zuviel getrunken hatten, sich nur noch „schief“ fortbewegen konnten. Eine zweite Erklärung ist die Verbindung mit „Schöps“ oder „Scheps“, der auch bei uns bekannten Bezeichnung für einen Hammel. Die Breslauer sollen demnach ihr spezielles Bier deswegen „Scheps“ genannt haben, weil es so nahrhaft wie ein Hammelbraten ist – na ja, wer´s glaubt. Nach dem Duden kommt das Wort „Sche/öps“ für Hammel aus dem slawischen Sprachraum. Keinerlei Zusammenhang besteht übrigens zwischen „scheps“ für schief und dem bairischen „schepsen“, was sowohl schnell laufen, als auch einen Baum entrinden heißt. Verwandt ist dieser Begriff mit „schaben“ und auch „schieben“, wie es bei Zehetner („Bairisches Deutsch“) heißt.

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Bleiben wir bei schief. Ein Leser hat uns dieser Tage einen weiteren Begriff genannt: „wanex“; dazu gibt es als weitere Versionen „wahnächs“ und „wahnächset“ sowie „wahnet“ und „wahnig“ – allesamt Wörter, die rechts des Lechs nicht bekannt sind. Nach Sprachexperte Prof. König ist der Begriff zusammengesetzt aus althochdeutsch „wan“ für fehlend und mangelhaft sowie dem heute noch bekannten Wort „Achse“. Das Wort bezog sich also ursprünglich auf eine verschobene und somit schiefe Achse am Fuhrwerk.

Der althochdeutsche Begriff „wan“ ist bis heute in den hochdeutschen Worten „Wahnsinn“ und „Wahnwitz“ erhalten geblieben. Erstaunlicherweise soll das Wort „Wahn“ nicht damit zusammenhängen; hier ist der Ursprung ein althochdeutsches „wan“ mit langem a, was Hoffnung und Erwartung bedeutete.

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