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Gessertshausen/Landkreis

09.11.2017

Schlechte Nachrichten aus dem Untergrund

Kaputte Rohre sind eine häufige Quelle für Keime im Trinkwasser. Im Landkreis Augsburg schlagen Experten Alarm – kostspielige Sanierungen werden befürchtet.

Nach mehreren „Störfällen“ bei der Wasserversorgung im Landkreis gibt es jetzt flächendeckend Kontrollen. Was dabei ans Tageslicht kommt, könnte für viele sehr teuer werden.

Es war zum Haare raufen, für die Bewohner von 800 Haushalten in Gessertshausen: Fast ein Jahr lang mussten sie bis zum Sommer mit gechlortem Wasser leben, beziehungsweise dieses abkochen, weil immer wie Keime auftraten. Das verschmutzte Trinkwasser kam nicht von ungefähr: Schon zuvor hatte die Gemeinde die Stadtwerke Augsburg mit ins Boot geholt, um das marode Netz zu sanieren – offenbar zu spät.

Die Ausgaben dafür gehen in die Millionen und müssen früher oder später von den Kunden bezahlt werden. Bürgermeister Jürgen Mögele: „Die Zeiten,in denen der Kubikmeter Wasser für 70 Cent zu haben war, sind ganz einfach dabei.“ Er rate seinen Bürgern, etwas zurückzulegen, falls noch eine dicke Rechnung fällig werde. Gessertshausen, davon ist Mögele überzeugt, ist kein Einzelfall. Auch anderswo müsse in Organisation und Ausstattung der Wasserwerke investiert werden. Mögele: „Kaputte Leitungen gibt es auch in Gablingen oder Horgau. Hoffentlich lernen andere aus unserem Schaden.“

Die Aufsichtsbehörden jedenfalls sind alarmiert. Nach mehreren „Störfällen“ in unterschiedlichen Wassernetzen nimmt das Gesundheitsamt im kommenden Jahr nun alle Wasserversorger im Landkreis unter die Lupe. Ein dreiköpfiges Team hat schon die ersten drei Anlagen inspiziert und ist überall auf Mängel gestoßen. Andernorts wird es nicht viel besser aussehen, vermutet die Stellvertreterin des Landrats im Amt, Christine Hagen: „Wir gehen davon aus, dass es woanders auch so ist. Mindestens.“ Der Grund: Die Leitungsnetze kommen in die Jahre, auch in anderen Teilen Bayerns häufen sich die Havarien.

In Königsbrunn war es ein Pumpenausfall. Aus den Wasserhähnen quoll eine braune Flüssigkeit, durch die Straßen fuhr die Feuerwehr und rief die Menschen per Lautsprecher auf, das Wasser abzukochen. Bürgermeister Franz Feigl erinnert sich mit Grausen an diese Tage im Juni: „Die Wasserversorgung von 29000 Menschen hing an einem seidenen Faden.“

Drei bis vier Stunden wollen die Kontrolleure vom Landratsamt pro Wasserversorgung aufwenden. Sie sind überzeugt: Ein Netz, das auf modernem Stand ist, wird auch mit etwaigen Störfällen besser fertig. Überprüft wird – überwiegend anhand von Ungerlagen –, ob die anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden. Das aber reicht nicht. Darüber hinaus wird den Kommunen empfohlen, ihre Wasserversorgung mit Hilfe von Gutachtern unter die Lupe zu nehmen. Werden diese fündig, seien teuere Reparaturen unabweisbar, fürchtete ein Rathauschef aus dem Landkreis bei der jüngsten Dienstbesprechung der Bürgermeister.

Dort wurde deshalb auch die Frage nach staatlichen Beihilfen laut. Damit sieht es nach Ansicht von Gemeindetagschef Michael Higl aber schlecht aus. Der Freistaat verweise bislang darauf, dass die Wasserversorgung gebührenfinanziert sei, so der Meitinger Bürgermeister. Mit anderen Worten: Städte und Gemeinden sollen ihre Einwohner zur Kasse bitten. Wie schnell das passieren kann, weiß Higl aus eigener Erfahrung.

Für die Meitinger war es ein Schock, als im Oktober 2013 coliforme Keime im Trinkwasser entdeckt wurden. Erst Mitte November 2013 war das Wasser nach einer Phase der Chlorierung wieder sauber. Ob die Keime, wie vermutet, durch eine Baustelle in die Wasserleitung kamen, konnte nie einwandfrei nachgewiesen werden. Schon Monate zuvor hatte die Marktgemeinde eine Studie über das gemeindeeigene Wasserwerk in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse sollten eigentlich erst 2014 vorgestellt werden, doch wegen der aktuellen Ereignisse wurde die Präsentation vorverlegt.

Es zeigte sich, dass die Meitinger Anlage zwar „bestens gepflegt“ ist, aber sehr viele Mängel aufwies. Seitdem ist viel Geld in die Sanierung des Wasserwerks geflossen, insbesondere von Hoch- und Saugbehälter. Zu Ende ist die Sanierung noch nicht: Bis 2020 sollen insgesamt 3,5 Millionen Euro ausgegeben werden. Eine Folge für die Bürger: Heuer stiegen die Wassergebühren um 30 Prozent.

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