Dialekte

30.06.2014

Schleich und Botschn

Unsere Serie über sprachliche Besonderheiten dreht sich heute um Schuhe und mehr

Soll man sie nun bedauern, ihnen Schusseligkeit und Unaufmerksamkeit in der Kabine beim Ankleiden unterstellen oder einfach nur darüber schmunzeln. Die Rede ist von hochdotierten Fußballspielern, die auf dem internationalen Parkett einer Weltmeisterschaft mit ungleichen Schuhen antreten, jedenfalls mit verschieden farbigen – da möchte man zu gern Mäuschen sein und schauen, ob wohl im Spind noch ein zweites solches Paar liegt…

Es wäre sicherlich nicht überraschend, würde dieser Modegag auch bei unseren Alltagsschuhen übernommen. In unseren Mundarten heißen Fußballschuhe „Schleich“ oder auch „Schläuch“ und sie waren anno dazumal nur schwarz. Erst später setzte sich der modische Trend zur Farbe durch. Für den Dialektbegriff steht das Wort Schlauch Pate, denn früher waren die Stollen, also die Noppen auf der Sohle aus Gummistücken, die aus einem Schlauch geschnitten wurden.

Aber auch beim Bergsteigen verwendet man heute noch das Wort „Schleich“ für das spezielle Schuhwerk. Und da gab (gibt?) es auch speziell in Tirol den Begriff „Kletterbotschn“, womit für die Route am Fels besonders geeignete leichte Wildlederschuhe mit griffiger Sohle gemeint waren.

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Heute noch kennt der Österreicher übrigens den Begriff „Botschn-Kino“ für den TV-Genuss daheim in Pantoffeln. Auch in unseren Mundarten sind mit „Botschen“, auch „Batschen“ und „Bätschen“ und links des Lechs „Patschen“ meist Hausschuhe gemeint, also bequeme „Schlapfen“.

Die Herkunft des Begriffs bleibt unklar

Im Schwäbischen nennt man aber auch einfältige, dumme, meist weibliche Personen „Boatschn“. Und im Allgäu heißen zudem schwächliche männliche Personen, also Schlappschwänze so, wie Mundart-Experte Professor König ausführt. Unklar bleibt die Herkunft des Begriffs. König hält einen Zusammenhang mit dem französischen Begriff „botte“ für Stiefel für möglich. Einen gewissen Charme hat auch eine andere Herkunftsvermutung, nämlich der mögliche Zusammenhang mit den lautmalenden Begriffen „klatschen“ und „p(l)atschen“. Auch heute noch sagen wir „er hat ihm eine gepatscht“ und meinen „geschmiert“, Ohrfeige gegeben. Und die Fliegenklatsche heißt auch „Patsche“.

Nach Kluges Etymologischem Wörterbuch bedeutet „p(l)atschen“ lautmalend mit der Hand ins Wasser schlagen. Und dabei wird man dann „patschnass“.

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