Dialekte

03.11.2014

Schlotzige Schmankerln

In unserer Serie über sprachliche Besonderheiten geht’s wieder ums Genießen

Mit zwei Mundart-Wörtern beschäftigen wir uns heute. Das eine ist rein schwäbisch (einschließlich württembergisch), das andere istaltbayerischundösterreichisch. Verstanden werden beide Begriffe sowohl rechts wie links des Lechs – und sie werden auch heute verwendet. Es geht mal wieder ums gute Essen, um Spezialitäten und deren richtige Zubereitung.

Nicht erst seit einem TV-präsenten bayerischen Koch sind „Schmankerln“ aus der Küche in aller Munde – im übertragenen wie im eigentlichen Sinn. Die Herkunft dieses bayerisch-österreichischen Begriffs für Gaumen- (wie heute auch Ohr-) Freuden ist dem Duden zufolge unklar. Demgegenüber nennen Schmeller und Zehetner eine mögliche ursprüngliche Bedeutung der Leckerbissen: Gemeint ist danach wohl eigentlich die bei der Herstellung von Süßspeisen in der Reine entstandene Kruste, die nicht nur bei kindlichen Topfguckern beliebt war. In Altbayern heißt dieser Belag auch heute noch „Rammerl“.

Um einen rein schwäbischen Leckerbissen, also ein wahres Schmankerl, handelt es sich beim unnachahmlich „g’schmackigen“, heute sagt man da auf beiden Seiten des Lechs leider eher „leckeren“, Kartoffelsalat. Dessen Geheimnis, so wurde es dem Autor dieser Serie von kompetenter Seite vermittelt, besteht in der „Schlotzigkeit“ des Dressings, das die Erdäpfel umgibt. Gemeint ist dabei diese ganz typische Konsistenz der Salatsoße, die man völlig unzureichend, weil missverständlich auf Hochdeutsch als schlüpfrig bezeichnen könnte.

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„Schlotzig“ und „schlötzig“ hat im schwäbischen Dialekt aber nicht nur die Bedeutung von schmierig und schleimig, es kann auch zutraulich bis – wieder negativ – schmeichlerisch heißen.

Das Adjektiv gehört zum Verb „schlotz(g)en“, das auch „schlutz-(g)en“ ausgesprochen werden kann. Wer „schlotzt“, lutscht, leckt und saugt, nimmt etwas genüsslich zu sich. Im württembergischen Raum wird auch der Wein „geschlotzt“ („Viertelesschlotzer“). Da sind sich die westlichen Nachbarn wohl mit den Wienern einig, die den Wein „beißen“, „den roten a grad a so als wie den weißen…“

Für Professor König, den Experten des Schwäbischen, ist „schlotzen“ lautmalend, ähnlich wie lutschen und wohl auch schmatzen. Was aber nicht heißt, dass wir unseren Kartoffelsalat laut schmatzend zu uns nehmen…es sei denn, man will den Münchener Weißwurstzuzlern Konkurrenz machen.

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