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Oberschönenfeld

07.09.2012

Schritt für Schritt zum Ziel

Annika Igogeit hat ein freiwilliges soziales Jahr in der Kultur absolviert.
Bild: Museum Oberschönenfeld

Vor einem Jahr beschloss Altenpflegerin Annika Igogeit, etwas zu ändern in ihrem Leben. Jetzt hat sie ein freiwilliges soziales Jahr im Museum in Oberschönenfeld absolviert.

Ziemlich genau zwölf Monate ist es jetzt her, dass sie ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt hat. Vor einem Jahr hing Annika Igogeit, 26 Jahre, roter Lockenkopf und Sommersprossen, ihren Job als Altenpflegerin an den Nagel, zog über 600 Kilometer in den Süden und begann ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) im Schwäbischen Volkskundemuseum in Oberschönenfeld.

In einer Zeit, in der Schüler und Studenten sich immer schneller und früher um ihre Lebensplanung kümmern müssen, hat Annika sich für einen Weg mit Kurven entschieden. Es ist ein mutiger Entschluss. Jeder Mensch, sagt sie, sollte das tun, woran er Spaß hat. „Alles andere ergibt sich von selbst.“

Die Ausbildung zur Altenpflegerin hat sie direkt nach der Schule gemacht, ein solider Beruf, der ihr gefallen hat. Aber schon immer waren da auch die Kulturprojekte für die sie sich interessierte, die Museen und Theater. Immer wieder engagierte sie sich ehrenamtlich im Kulturprogramm ihres Heimatortes, einer Kleinstadt nördlich von Bremen. „Durch meinen Lebenslauf zieht sich das durch“, sagt sie. Irgendwann fasste Annika dann den Entschluss, etwas zu ändern. „Ich wusste, ich will noch etwas anderes in meinem Leben machen“, erzählt sie, „also habe ich mich gefragt: Wie kann ich das umsetzen?“

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Die 26-Jährige durchforstete daraufhin das Internet, suchte nach Praktika im Kulturbereich und stieß schließlich auf das Angebot eines freiwilligen sozialen Jahres in der Kultur. Auf einer Internetplattform hinterließ sie ihre Daten und nach einiger Zelt meldete sich das Museum in Oberschönenfeld. Dort suchte man zum ersten Mal nach einem freiwilligen Mitarbeiter, eine der Hauptaufgaben des Freiwilligen sollte die Konzeption eines Leitfadens für eine Seniorenführung durch das Museum sein.

Annika stach aus der Masse der Bewerber vor allem durch ihre Erfahrung im Umgang mit älteren Menschen hervor. Sie wurde eingeladen, stellte sich vor und wurde angenommen. Schon beim Vorstellungsgespräch war sie begeistert von ihrem zukünftigen Arbeitsort auf dem Klostergelände: „Hier spürt man ganz viel Historie“, sagt sie.

Jetzt, nach zwölf Monaten, hält Annika eine gebundene Mappe Papier in der Hand: ihr Leitfaden für die Seniorenführung durch die Ausstellung „Wohnen auf dem Land“. In dem Konzept stecken viele Stunden Arbeit. Um herauszufinden, wofür sich speziell ältere Menschen interessieren und wie sie sich begeistern lassen, hat die 26-Jährige etwa selbst an vielen Führungen teilgenommen. Sie hat sich angeschaut und angehört, wie Senioren das Museum erleben, welche Erwartungen sie haben. Dabei sei ihr die Erfahrung aus ihrer Zeit als Altenpflegerin zugute gekommen, sagt sie. „Ich habe da überhaupt keine Berührungsängste“, erzählt Annika.

Mit einer Seniorengruppe der Volkshochschule Augsburger Land hat sie darüber hinaus einen Seniorennachmittag im Museum gestaltet und ihre Seniorenführung ausprobiert. Ihr Leitfaden soll nun ihren Kollegen helfen, sich bei Führungen speziell auf ältere Menschen einzustellen. „Auf diesem Gebiet ist noch ganz wenig erforscht“, erzählt Annika. Sie freue sich, dass sie mit ihrem Konzept zur Erschließung dieser Thematik beitragen kann, sagt sie.

Abgesehen von ihrem eigenen Projekt hat Annika in allen Bereichen des Museums mitarbeiten können, hat recherchiert, beim Aufbau der Ausstellungen geholfen und Projekte für Kinder koordiniert. Das FSJ sei unheimlich vielseitig, sagt sie. Man lerne in übergreifenden Seminaren andere Freiwillige kennen, „die sich alle für ganz verschiedene Dinge interessieren und engagieren“.

Alle arbeiten in ihrem FSJ im Kulturbereich, jedoch in ganz unterschiedlichen Einrichtungen. Von der Musikschule bis zum Theater ist alles dabei. „Jeder bringt in die Seminare ein anderes Talent ein“, sagt Annika. Außerdem muss jeder Freiwillige in seinem Jahr auch eine Hospitanz in einer anderen Einrichtung als der eigenen machen. Annika hat deshalb unter anderem einen Tag im Münchner Kulturzentrum „Pasinger Fabrik“ verbracht, wo sie mit Jugendlichen an einer Zeitschrift gearbeitet hat.

Mit dem Weg, den Annika eingeschlagen hat, ist sie vollauf zufrieden. Das Jahr sei für ihre Zukunftsplanung sehr hilfreich gewesen, sagt sie. „Das FSJ hat mich darin bestätigt, dass ich im Kulturbereich arbeiten will.“ Wie es jetzt weitergehen soll, weiß sie auch schon: Nach einem Jahr in Bayern geht es für Annika zurück in den hohen Norden, nach Lüneburg. Dort wird sie Kulturwissenschaften studieren. Und ihrem Ziel ein Stückchen näher rücken.

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