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Dinkelscherben

08.06.2017

Schrumpft Dinkelscherben wirklich?

Im Baugebiet Baumgärtle-Ost, am Anna-Stobitzer-Ring, entstehen in Dinkelscherben derzeit zahlreiche neue Wohnhäuser.
Bild: Benedikt Siegert

Die Landkreis-Prognose sagt: Die Gemeinde wird deutlich kleiner. Einige Gemeinderäte kritisieren das heftig.

Wer fleißige Handwerker sehen will, der muss zum Anna-Stobitzer-Ring gehen. In dem neuen Baugebiet von Dinkelscherben verwirklichen sich derzeit viele Familien den Traum vom eigenen Zuhause. Doch die Bevölkerungsprognose des Landkreises sagt: Die Gemeinde wird in den nächsten 20 Jahren deutlich schrumpfen. Die gut 100 Seiten lange Studie, die das Landratsamt im März veröffentlicht hat, verärgert einige Markträte, allen voran Bürgermeister Edgar Kalb. Er schimpfte in der Sitzung am Dienstagabend: „Das ist gemeindeschädigend.“ Und Paul Schreiber (ebenfalls UW 14) pflichtete ihm bei: „Solche Zahlen werden Menschen hindern nach Dinkelscherben zu ziehen, wenn sie lesen: Dinkelscherben stirbt aus.“

Die Studie sagt dem Landkreis bis 2035 ein deutliches Wachstum voraus. Unter den 46 Gemeinden sind nur fünf, die schrumpfen sollen: Neusäß, Fischach, Königsbrunn, Langerringen und eben Dinkelscherben. Wobei die Statistiker für Dinkelscherben den mit Abstand größten Rückgang prognostizieren: um 10,5 Prozent. Über diese Nachricht hatten sich die Markträte schon in der vergangenen Sitzung geärgert (wir berichteten). Deshalb kam nun der Verantwortliche des Landratsamts, Günter Katheder-Göllner, um die Studie näher zu erläutern. Er erklärte: „Wir gucken nicht in die Glaskugel.“ Stattdessen blickten die Forscher zurück, sammelten Daten und Fakten zum Beispiel zu Geburten, Sterblichkeit, Zu- und Wegzügen und berechneten damit die weitere Entwicklung. Für Dinkelscherben ergibt sich daraus die negative Prognose. Die Gemeinde sei schon in den vergangenen Jahren nicht so stark gewachsen wie andere Orte. Weil mehr Menschen sterben als geboren werden – das ist dort seit 1998 so –, kommt es zu der sinkenden Einwohnerzahl, denn Zuzügler könnten diese Differenz in Zukunft nicht ausgleichen.

Während in Dinkelscherben in den Siebziger- und Achtzigerjahren noch durchschnittlich 70 Kinder pro Jahr geboren wurden, waren es in den vergangenen Jahren nur noch etwa 50, sagte Katheder-Göllner. Dabei liege die Geburtenziffer mit 1,69 Kindern pro Frau sogar über dem Landes- und Landkreisdurchschnitt. Trotzdem werde der Ort immer älter.

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Katheder-Göllner musste sich von den Gemeinderäten kritische Fragen zu Zahlen, Tabellen und Quellen anhören, sie stellten die Wissenschaftlichkeit und Aussagekraft der Studie infrage. Ein Streit entstand vor allem um die Einwohnerzahl von 2015, die in dem Werk auftaucht. Sie ist mit 6390 deutlich niedriger als die Zahl von 6573, die der Bürgermeister hat. Der Vertreter des Landratsamts sagte, die Zahl habe man vom Einwohnermeldeamt der Gemeinde bekommen. Kalb behauptete, das sei nicht der Fall: „Nein! Hier hat keiner nachgefragt.“ Er war der festen Überzeugung, dass diese falsche Zahl zu der „fatalen Aussage“ führt, dass der Ort schrumpft. Das verneinte Katheder-Göllner: „Wenn man 200 Einwohner mehr annimmt, dann setzt die Kurve zwar höher an, aber der Trend geht gleich nach unten.“ Der Bürgermeister kritisierte auch, dass das Altenheim nicht richtig berücksichtigt werde: Die Menschen dort seien größtenteils nicht aus Dinkelscherben, brächten für den Ort aber mehr Todesfälle und verzerrten so die Berechnung. Katheder-Göllner betonte dagegen, das sei beachtet worden.

Für Kalb blieb die Frage: Warum steht Dinkelscherben im Vergleich so schlecht da? „Das konnten Sie mir heute nicht erklären.“ Denn dass weniger Kinder pro Frau geboren und die Mütter immer älter werden, sei ja überall so. In der Sitzung überwog die Kritik. Albert Zott (CSU) sah es dagegen positiver: „Mir ist um unser Dinkelscherben nicht bang. Ich bin mir sicher, wir werden alle Prognosen sprengen.“ In den Orten im Speckgürtel Augsburgs werde es ja schon eng, dann würden die Leute weiter raus ziehen. Annette Luckner (SPD) sagte: Die Prognose müsse ein Anstoß sein, um über bestimmte Themen nachzudenken. Zum Beispiel: Was kann die Gemeinde für die älteren Bürger tun? Wie kann sie Wohnraum für junge Leute schaffen?

Für Bürgermeister Kalb war es für Konsequenzen aus der Studie noch zu früh. Er forderte mehrmals, dass die Berechnung korrigiert wird. Für seinen Satz „Schauen wir erstmal, wie diese Zauberei zustande gekommen ist“ bekam er von Katheder-Göllner eine scharfe Antwort: Die Bevölkerungsprognose sei ein „seriöses Werk“, das von einer „renommierten Firma“ erstellt worden sei.

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