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Neusäß

08.02.2021

Schüler der Neusässer FOS/BOS streiken für faire Bedingungen im Abi

Die Schülerinnen und Schüler der FOS/BOS in Neusäß demonstrieren für Chancengleichheit.
Foto: Marcus Merk

Bis zu 16 Klausuren in wenigen Wochen Schule, gleich danach die mündlichen Abi-Prüfungen: Das finden Schülerinnen und Schüler an der Neusässer FOS/BOS unfair. Jetzt scheint es einen Ausweg zu geben.

Sie sollten im Klassenzimmer sitzen, doch sie ziehen den Platz zum Lernen vor dem heimischen Computer vor: Etwa 70 Prozent all jener Schülerinnen und Schüler, die am Montag eigentlich zum Präsenzunterricht in die Fachober- und Berufsoberschule (FOS/BOS) Neusäß kommen sollten, sind zu Hause geblieben. Schülersprecher Christopher Andersen spricht von weit mehr als 200 Jugendlichen, die an dem Präsenz-Streik teilnehmen. Der Grund: Sie fühlen sich ungerecht behandelt vom Kultusministerium. Zum einen, so sagen sie, wollen sie die Rückkehr zum Distanzunterricht statt des gegenwärtigen Hybridunterrichts, bei dem jeweils nur die halbe Klasse in die Schule kommt. Doch es geht ihnen um mehr.

Was die Schülerinnen und Schüler der FOS/BOS am meisten umtreibt, ist die ihrer Meinung nach ungerechte Behandlung ihrer Schulart kurz vor dem Fachabitur, dem fachgebundenen oder dem allgemeinen Abitur im Gegensatz zum Gymnasium. Schülersprecher Andersen gibt ein Beispiel: Während in der Qualifikationsphase des Gymnasiums, das sind die letzten beiden Jahre vor dem Abitur, nun nur noch in den Prüfungsfächern verpflichtend Klausuren geschrieben werden müssen, wurde für die FOS/BOS bislang eine einzige Schulaufgabe gestrichen.

Schüler der FOS/BOS schreiben bis zu 16 Klausuren in wenigen Wochen

Nun stehen den Schülerinnen und Schülern noch, je nach Zweig und Abiprüfung, bis zu 16 Schulaufgaben und weitere schriftliche Leistungsnachweise in etwa sieben Wochen bevor. Danach geht es nahtlos in die Abiturprüfungen. Auch Schulleiter Rainer Bartl nennt dieses Programm durchaus "mühsam und anstrengend". Allerdings könnte durch Ersatzprüfungen Druck aus dem Prüfungsplan genommen werden. Wie das im zweiten Schuljahr gehandhabt werden soll, will der Schulleiter mit den Schülersprechern noch diskutieren.

Wegen des Schulstreiks an der FOS/BOS in Neusäß waren am Montag einige Klassenzimmer leer.
Foto: Marcus Merk (Archivfoto)

Denn eine mögliche Ungleichbehandlung würden sich die Schülerinnen und Schüler auch nicht gefallen lassen, so Andersen. Sie sorgen sich um ihren Abischnitt. „Es wirkt, als hätte das Kultusministerium uns entweder bei der Planung des Corona(fach)abiturs fast vollständig vergessen oder es kann nicht nachvollziehen, in welcher Lage sich die Schülerinnen und Schüler an der FOS/BOS befinden“, bekräftigt Andersens Mitschüler Leon Ueberall in einer Pressemitteilung.

Eventuell wird das genannte Gespräch zwischen Schülersprechern und Schülern nun aber doch für Aufklärung sorgen. Wie das Kultusministerium mitteilt, sei den Fach- und Berufsoberschulen bereits im vergangenen Juli mitgeteilt worden, dass die von Schulleiter Rainer Bartl angesprochenen Ersatzprüfungen eine ganze Reihe von anderen mündlichen oder schriftlichen Prüfungen mit nur einem Test ersetzen können. Stimmt die Lehrerkonferenz zu, könnte die Lösung auch für das zweite Schulhalbjahr gelten, so der Pressesprecher des Ministeriums, Günther Schuster. Auch an der FOS/BOS würden im zweiten Halbjahr der zwölften Klasse nur in den Prüfungsfächern Schulaufgaben geschrieben, da habe man nicht mehr kürzen können. "Aufgrund der genannten Maßnahmen kann nicht von einer Benachteiligung der Schülerinnen und Schüler an FOS/BOS gesprochen werden. Die Regelung für die Leistungsnachweise im zweiten Halbjahr ist annähernd identisch mit der Regelung am Gymnasium", so der Pressesprecher.

Einige Klassenzimmer der Neusässer FOS/BOS waren ganz leer

In einigen Klassen seien am Montag überhaupt keine Schülerinnen und Schüler gewesen, so Schülersprecher Andersen, obwohl sie eigentlich in der Präsenzphase des Hybirdunterrichts sein sollten - sprich, im Klassenzimmer zusammen mit ihrer Lehrkraft. Und das betreffe die zweite Forderung der FOS/BOS-Schüler. "Wir sind gegen den Hybridunterricht", sagt er. Der Distanzunterricht klappe an der FOS/BOS in Neusäß sehr gut und sei für alle Mitglieder einer Klasse gerecht.

Die Schülerinnen und Schüler der FOS/BOS in Neusäß wenden sich direkt an Kultusminister Michael Piazolo.
Foto: Marcus Merk

An der Schule in Neusäß wird jene Hälfte der Klasse, die an den jeweiligen Tagen zu Hause bleiben soll, über Videostreaming in das Geschehen im Klassenraum zugeschaltet. Technisch klappe das gut, so Schulleiter Rainer Bartl, in Neusäß habe man dazu die nötigen Voraussetzungen. Doch rein sachlich sei es schwer, sich bei dieser Form des Unterrichts an jene Schülerinnen und Schüler zu wenden, die gerade zu Hause sind. Gute Erfahrungen habe die Schule in den vergangenen Wochen mit dem reinen Distanzunterricht sammeln können.

Elternbeirat unterstützt die Anliegen der Schüler in Neusäß

Unterstützt werden die Schülerinnen und Schüler der FOS/BOS Neusäß auch vom Elternbeirat. Vorsitzende Alexandra Mayer weiß, dass der Hybridunterricht sehr anstrengend für alle Teilnehmenden ist. Und sie gibt zu bedenken: Der jetzt gesteckte, enge Zeitrahmen der Klausuren könnte wieder völlig durcheinander geraten, wenn eine weitere Schulschließung durch einen Lockdown dazwischenkomme oder durch Quarantäne-Maßnahmen für einzelne Klassen. Alexandra Mayer: "Es muss doch jetzt in dieser Situation nicht alles über die Noten passieren. Die Schülerinnen und Schüler haben auch viel anderes gelernt, etwa sich selbst zu organisieren. Schon allein dadurch haben sie auch im Distanzunterricht eine gewisse Reife erreicht."

Die technische Ausstattung an der FOS/BOS in Neusäß ermöglicht den Distanz- und den Hybridunterricht. Letzterer ist aber bei den Schülerinnen und Schülern nicht sehr beliebt.
Foto: Marcus Merk (Archivfoto)

Auch an der FOS/BOS in Augsburg wurde in der vergangenen Woche teilweise von den Abschlussklassen der Präsenzunterricht bestreikt. Dort geht es den Schülerinnen und Schülern auch um hygienische Bedenken, die in Neusäß hingegen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Bei einer Kundgebung wollen sich die Neusässer Schülerinnen und Schüler aber mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern in Augsburg solidarisch zeigen und auf ihre eigenen Anliegen hinweisen. Sie soll am Mittwochvormittag, 10. Februar, vor der Schule in Augsburg stattfinden.

Dazu kommentiert unsere Autorin Jana Tallevi: Das Abitur der FOS/BOS verdient mehr

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