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Agawang

02.12.2019

Schwäbisch schwätza beim Hoigarta in Agawang

Leonhard Donderer, Elisabeth Ammann und Georg Hauser ((von links) übersetzten im Stück "Dischgriera für Reigschmeckte" die Schriftsprache in schwäbischen Dialekt.
Bild: Annemarie Wiedemann

Der Heimatgeschichtliche Verein begibt sich in Agawang auf die Spuren der Sprache von anno dazumal. Auch bereits vergessene Wörter tauchen dabei wieder auf.

Wie Eltern und Großeltern einst redeten, fand jetzt beim Hoigarta des Heimatgeschichtlichen Vereins Agawang das Interesse aller Generationen. Dabei gab es viel zu lachen und die vorbereiteten und spontanen Beiträge aus den Reihen der rund 70 teilnehmenden Personen sorgten für reichlich Vergnügen.

Vorsitzender Gerhard Fritsch forderte mehr Selbstbewusstsein, damit der Dialekt in Mittelschwaben nicht verdrängt werde. Dialekt sei die verbindende Identität mit Heimatgefühl und den Erinnerungen an früher. So gebe es mittlerweile zehn Bände zur Erforschung der mittelschwäbischen Sprache, die von Professor König verfasst wurden. Unter den 1000 Erhebungsdörfern, in denen Studenten der Uni Augsburg den Wurzeln nachspürten, war auch Agawang. Die Töchter von Philomena Abold erinnerten sich daran, wie ihre Mutter anhand langer Bögen befragt und aufgefordert wurde, nicht nachzudenken, sondern spontan zu antworten. Es ging dabei um örtliche Begriffe und deren Klang, der sich oft von Ort zu Ort unterscheidet, um unterschiedliche Sprachgrenzen zu erkennen.

Dialekt kennt viele Nuancen und Worte zur Unterscheidung

Beispielsweise heißt das Abschälen der Rinde von Bäumen in Agawang „Schäfzga“ und in Häder „Rebbla“. Und was sind „Hagamoisa“ und „Rossmugga“?, wurde in die Runde gefragt. Es zeigte sich bei den zahlreichen Beiträgen, dass der Dialekt viele Nuancen und Worte zur Unterscheidung kennt, aber auch bereits vergessene Wörter, „vom Fead“ oder „Brotzeit gleubt“ tauchten auf. Sie bedeuteten einst „vom letzten Jahr“ und „etwas von der Brotzeit übrig lassen“, konnte Ulrich Fritsch erklären.

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Die Szene „Dischgriera für Reigschmeckte“ verfasst von Georg Hauser, unterbrachen wahre Lachsalven. Sie zeigte, wie der Dialekt die Sprache mit Farbe und Gefühl belebt. Elisabeth Ammann berichtete die Begebenheit in Schriftdeutsch, die sich dann Leonhard Donderer und Georg Hauser in Mundart erzählten.

Französische Wurzeln im Dialekt

Hermann Schmid, ehemaliger Lehrer aus Dinkelscherben und gebürtiger Agawanger, berichtete von seiner einstigen Aufgabe, Schüler zu beurteilen, die an Sonderschulen gehen sollten. Einer Lehrerin, die der Meinung war, ein Kind könne nicht sprechen, weil sie den Dialekt nicht verstand, sagte er nach dem Test: „Es kennt mehr Laute, als sie denken.“ Schmid erinnerte auch an französische Wurzeln im Dialekt, wie zum Beispiele „Schiaser“ für den Hausgiebel oder „wuidle“ für sich beeilen. Von Beobachtungen im Heimatort erzählten seine Gedichte über den Hoigarta früher, den November mit Allerheiligen und Leonhardifest.

Hermann Zott wiederum wollte wissen, wie man in die Nachbarorte gelangt. Er gab den Ort vor und die Versammlung antwortete, knapp aber präzise vom Standort Agawang aus: Nach Buch und Kutzenhausen geht’s „num“, nach Häder und Dinkelscherben „hintre“, nach Unternefsried, Horgau, Rommelsried, Gessertshausen und Diedorf „na“, nach Biburg, Neusäß und in d’ Stadt „nei“ und nach Maingründel und Fischach „nauf“.

Vorsitzender Gerhard Fritsch fasste das Treffen augenzwinkernd so zusammen: „Wir können Hochdeutsch und Schwäbisch.“ Und Veranstalter und Besucher waren sich einig, es sollte eine Fortsetzung zum Thema „Schwäbisch schwätza“ beim Heimatgeschichtlichen Verein Agawang geben. (awi)

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