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Landkreis Augsburg

15.06.2019

Schwimmer aufgepasst: Flüsse sind gefährlich

Damit Badeunfälle nicht tragisch enden, ist die Wasserwacht gerüstet und vorbereitet für Rettungen. Gerät jemand in eine Notsituation, rücken die Rettungssanitäter aus. Besonders an Flüssen unterschätzen viele die gefährlichen Strömungen. 
Bild: Marcus Merk

Nach den tödlichen Unglücken hat die Wasserwacht ein besonderes Augenmerk auf Lech und Wertach und verstärkt die Kontrollen. Auf was Badende achten sollten.

Heiße Temperaturen und strahlender Sonnenschein locken in den Pfingstferien wieder viele zum Baden an die Flüsse im Landkreis. Besonders Lech, Wertach und Seen sind beliebt. Doch das Schwimmen kann dort lebensgefährlich werden, wie mehrere tödliche Badeunfälle in jüngster Zeit zeigen. Die Wasserwachten im Landkreis haben reagiert und überwachen nun vermehrt die Flüsse im Landkreis.

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Martin Gschwilm ist Vorsitzender der Kreiswasserwacht im Landkreis Augsburg und kontrolliert mit seinen Kollegen regelmäßig die Gewässer im Landkreis. Seit unter anderem Anfang Juni ein 16-Jähriger im Lech ertrunken ist sowie eine 56-jährige Schwimmerin im Aindlinger Badesee verunglückte, ist die Wasserwacht noch vorsichtiger geworden. Gschwilm sagt: „Wegen der aktuellen Lage führen wir mehr Streif- und Fahrradfahrten durch.“ Er rät deshalb grundsätzlich, nur in freigegebenen Seen schwimmen zu gehen. Bei Flüssen sei nicht abzusehen, wie viel Schmelzwasser aus den Alpen in die Gewässer im Landkreis fließen wird. Strömung und der Wasserpegel seien deshalb unberechenbar, warnt Gschwilm. Ein weiteres Problem bei nicht freigegebenen Badestellen ist der erschwerte Rettungsweg, der verbaut sein könne, kritisiert der Wasserwachtler. Im Ernstfall müsse die in Not geratene Person schnell erreichbar sein.

Der Lech ist schwer zu berechnen

Auch in Meitingen ist die Wasserwacht alarmiert. Denn einer der Gefahrenstellen ist zum Beispiel dort der Lech. Es sei schwer zu berechnen, wie reißend die Strömungen in Fließgewässern verlaufen. Roland Stetter, technischer Leiter der Wasserwacht Meitingen, erklärt, dass er und sein Team deshalb zwar nicht häufiger kontrollieren würden. Allerdings habe sich die Wasserwacht nach den tödlichen Badeunfällen mehr auf Flüsse konzentriert.

Schwimmer aufgepasst: Flüsse sind gefährlich

Ähnlich sieht es bei der Wasserwacht Steppach aus. Auch hier hat die Wasserwacht auf die tödlichen Unfälle reagiert, wie Ortsvorsitzender Tobias Neubaur sagt. „Wir führen seitdem mehr Rettungsübungen in fließenden Gewässern durch und haben das Einsatzmaterial aufgerüstet.“ Kontrollfahrten führt die Wasserwacht in Steppach jedoch nicht durch. Das liege aber daran, dass es im Schmuttertal und Umgebung keine großen Flüsse gebe, in denen gebadet werde.

Ein zusätzliches Risiko ist der Alkohol

Was das Baden bei heißen Temperaturen zusätzlich zu einem Risiko werden lassen kann, ist der Alkohol. „Grundsätzlich ist Grillen an Flüssen, sofern es erlaubt ist, nicht gefährlich“, sagt Neubaur. „Aber alkoholisiert überschätzen sich viele.“ Fällt Neubaur und seinen Kollegen auf, dass jemand betrunken schwimmen gehen will, spricht er denjenigen an und warnt vor den Gefahren. „Wir können niemanden festhalten, aber im Notfall bleiben wir etwas länger vor Ort.“

Am Rothsee in Zusmarshausen ist die Wasserwacht meist nur an den Wochenenden vor Ort. An solchen Seen sei Baden ungefährlich, sagt Vorsitzender Martin Gschwilm. Es reiche, die normalen Regeln einzuhalten: Eltern müssten ihre Kinder beim Baden beaufsichtigen, ältere Menschen sollten sich zunächst abkühlen und niemand sollte alleine weite Strecken schwimmen. So sehen es auch die wenigen Badegäste, die während der Pfingstferien am Rothsee waren. Es störte sie nicht, unbeaufsichtigt zu schwimmen, sie fühlten sich dennoch sicher. Ein älterer Herr sieht keine Gefahr für sich am Rothsee und verhält sich selbst vorsichtig. Er bleibt am liebsten in Ufernähe. Wichtig ist seiner Meinung, die eigenen Kräfte richtig einzuschätzen.

So sieht die Ausbildung bei der Wasserwacht aus

Wer dort arbeiten will, kann als Mitglied die Ausbildung zum Rettungsschwimmer und Wasserretter absolvieren. Der Unterschied liegt in der Art der Ausbildung: Rettungsschwimmer sind zumeist für die Wachdienste an Badestellen zuständig, während Wasserretter auf Einsätze ausrücken. Um Rettungsschwimmer werden zu können, muss derjenige eine kompakte Prüfung unter anderem im Zeitschwimmen, Tauchen und Schwimmen in Kleidung sowie das Schleppen eines Geretteten bestehen. Darüber hinaus erhält derjenige eine theoretische Ausbildung in Erster Hilfe.

Ein Wasserretter wird in erster Linie für Notfälle ausgebildet und lernt den Umgang mit Neoprenanzug, Rettungsboot und anderen technischen Aspekten bei der Wasserwacht. Zudem ist derjenige auch ausgebildeter Rettungssanitäter. Für Mitglieder ist die Ausbildung kostenlos. Ähnlich wie bei der Freiwilligen Feuerwehr, ist die Wasserwacht ehrenamtlich organisiert. Die Mitarbeiter rücken auf Abruf zu Notfällen aus. Nur die Aufsicht bei Badestellen ist – zumeist am Wochenende – in feste Schichten eingeteilt.

In unserem Podcast erzählt ein Retter der Wasserwacht von seinem harten Job – und wie er dramatische Einsätze verarbeitet.

Mehr zu unserem Podcast erfahren Sie hier.

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