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Oberschönenfeld

16.07.2019

Sechs Künstler sehen den Zweiten Weltkrieg

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2 Bilder
Dieses Porträt eines alten Mannes ist in der Schwäbischen Galerie Oberschönenfeld   bis Mitte September zu sehen.
Bild: Marcus Merk

  Die Schwäbische Galerie im Museum Oberschönenfeld widmet sich sechs Künstlern der „Verlorenen Generation“ die vor Ort die Auswirkungen der Kämpfe festhielten.

Sie mussten in den Zweiten Weltkrieg ziehen und hielten ihre Eindrücke in Zeichnungen und Gemälden fest. Die neue Sonderausstellung der Schwäbischen Galerie im Museum Oberschönenfeld „Nur der Umhüllung nach Soldat – Schwäbische Künstler im Zweiten Weltkrieg“ beleuchtet an sechs Beispielen, wie der Drang zu Malen und zu zeichnen diese Männer begleitete.

Die meisten von ihnen hielten ohne Auftrag ihre Umgebung fest, so Mechthild Mülller-Hennig vom Team des Museums, unter deren Leitung die Ausstellung entstand: „So sieht der Ausstellungsbesucher Kriegsschauplätze, Schützengräben, im Sumpf untergegangene Panzer oder den Alltag im beengten Funkerbunker.“ Bilder von der „Heimatfront“, die unter anderem Frankreich, Russland oder auf dem Balkan entstanden, erinnern an eine Zeit vor und nach der Zerstörung. Menschen in ihrer Verzweiflung und Resignation zeigen Porträts von Gefangenen. Da von offizieller Seite eher die abenteuerliche positive Sicht der deutschen und die negative Sicht der „Feinde“ gezeigt werden sollte, schmuggelten einige der Künstler ihre Bilder heimlich vom Schlachtfeld zurück nach Hause, wo die Kunstwerke sicher waren. Eindrucksvoll wird in der Ausstellung ebenfalls demonstriert, wie das Bild des beherzt in den Krieg ziehenden „deutschen Soldaten“ anfang der 40er-Jahre ebenfalls einer Ernüchterung oder Resignation wich.

Die „Verschollene Generation“

„Die Generation dieser Künstler wird gerne als „Verschollene“ oder „Vergessene Generation“ bezeichnet“, sagte Stellvertretender Bezirkstagspräsident Alfons Weber bei der Ausstellungseröffnung. „Bedingt durch die Kriege, insbesondere durch den Zweiten Weltkrieg, an dem sie teilnehmen mussten, erfuhren diese Künstler in ihrem Schaffen einen tiefen Einschnitt.“ Bilder folgender Künstler sind zu sehen:

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August Hofer (1899-1981). Die ältesten Arbeiten in der Ausstellung stammen von ihm. Er nahm an beiden Weltkriegen teil. 1939 hielt er im Saarland zerstörte Gebäude und Kriegshandlungen in Bildern fest. Während des Frankreichfeldzugs schuf er neben Szenen der Zerstörung auch Darstellungen seines Bunkers beziehungsweise seines Mannschaftsraums mit Kommunikationsanlage. Ende 1940 wurde er an das Augsburger Stadttheater dienstverpflichtet und nach dessen Zerstörung 1944 erneut eingezogen.

Franz Fritz (1906-1979) ist in Augsburg durch seine Stadtansichten bekannt. Auch in der Kriegszeit widmete er sich dem Thema Architektur. Kirchen und Dörfer in Russland und der Ukraine sind die Sujets seiner frei entstandenen kleinen Zeichnungen. Nur eine der Zeichnungen zeigt Menschen: zwei sehr junge Partisanenhelfer, denen die Angst ins Gesicht geschrieben steht.

Luis Weidlich (1916-2010). Seine Aquarelle und Zeichnungen reichen von Kriegsschauplätzen bis hin zu Marktszenen. Weidlichs regem Briefwechsel mit seiner Verlobten kann man viele wertvolle Informationen entnehmen, die sich auf seine nebenbei ausgeübte Malerei beziehen. Man erfährt dabei, wie er an Papier kam, welche Themen ihn gerade beschäftigten, wie seine Zeichnungen und Aquarelle nach Augsburg gelangten oder wie er freigestellt wurde, um an einem bestimmten Ort zu malen.

Erwin Henning (1901-1993) absolvierte im Sommer 1942 in Potsdam eine Ausbildung zum Kriegsmaler, indem er russische Gefangene porträtierte. 50 dieser Porträts sind in Privatbesitz, eine kleine Auswahl davon ist in der Ausstellung zu sehen. Im Herbst 1943 musste Henning dann als Kriegsmaler der Propagandakompanie nach Lappland (Finnland) und Karelien (Russland). Dort schuf er neben eindrucksvollen Landschaften und Stadtansichten auch Bilder von verschneiten Bunkern und von resigniert wirkenden Soldaten.

Nur wenige Bilder Weidners sind bekannt

Hanns Weidner (1906-1981). Von ihm sind nur wenige Bilder aus der Kriegszeit bekannt. Wie viele Künstlerkollegen hat auch er seine Kameraden porträtiert. Von ihm selbst ist ein Bild, das ihn „Auf Wache“ zeigt, erhalten. Zunächst erscheint das Aquarell wie ein gewöhnliches Soldatenbild. Bei genauer Betrachtung jedoch entdeckt man einen Zeichenblock, den er wohl stets mit sich führte. Auch die Themen „Tod und Verwundung“ hat Weidner aufgegriffen.

Otto Schorer (1917-2006). Von diesem Künstler sind neben Zeichnungen und Aquarellen auch Fotografien erhalten, die seinen Kriegseinsatz dokumentieren. Zunächst in Frankreich kam er über Jugoslawien und Polen 1941 nach Russland. In Jassy (Rumänien) geriet er in Gefangenschaft und war dann vom Herbst 1945 bis Frühjahr 1949 im Lager 7108/12 in Stalingrad. Da er für die russische Lagerverwaltung malte und zeichnete, wurde ihm dort eine Sonderstellung zuteil. Dennoch wurde auch für ihn Hunger und Kälte zu ständigen Begleitern.

Geöffnet bis Sonntag, 15. September, jeweils Dienstag bis Sonntag und Feiertag von 10 bis 17 Uhr.

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