1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Sehnsucht nach einem echten Vorbild

Wulff

18.02.2012

Sehnsucht nach einem echten Vorbild

Copy of 171701047.tif
7 Bilder
Für Buddhist Genpo Döring kam der Rücktritt Wulffs zu spät.

Viele Menschen im Landkreis begrüßen den Rücktritt. Als Nachfolger wünschen sich einige Joachim Gauck

Der Rücktritt Christian Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten am Freitag beschäftigt auch die Menschen im Augsburger Land. „Längst überfällig“, nennt Genpo Döring diesen Schritt. Döring ist Vizepräsident des Weltverbandes der Buddhisten und Leiter des Zen-Tempels in Dinkelscherben. „Wulff fehlte die moralische und ethische Voraussicht.“ Wulff könne kein Vorbild mehr sein, wenn er den Anforderungen seines Amtes selbst nicht gerecht werde.

Ähnlich sieht es auch Iris Spitzer aus Gersthofen. Für sie hat sich „zu viel aufsummiert“. Was Wulff getan habe, sei nicht richtig gewesen, sagt die 45-Jährige vor dem Gersthofer City-Center. „Leute, die viel weniger verdienen als er, zahlen ihren Urlaub schließlich auch selbst.“

Das Amt des Bundespräsidenten habe durch Christian Wulff dauerhaft Schaden genommen, findet Josef Beck, den wir in Neusäß trafen. Auch das Ansehen des Präsidenten international habe dadurch gelitten. Als Konsequenz aus der Wulff-Affäre wünscht sich der 70-jährige, dass der Präsident irgendwann wieder von den Bürgern und nicht von der Bundesversammlung gewählt würde.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Denise Reiter und Philipp Zettl, beide Schülersprecher an der Neusässer Realschule, halten den Rücktritt Wulffs für richtig. Sie sind der Meinung, er hätte von Anfang an zu seinen Fehlern stehen müssen. Die 15-Jährige und der 17-Jährige haben aber auch Verständnis für den ehemaligen Bundespräsidenten. „Er ist ja auch nur ein Mensch“, sagt Neuntklässlerin Reiter. „Und wenn man ganz ehrlich sein soll, dann hat jeder schon mal was gemacht, was nicht ganz in Ordnung war.“

Einer ähnlichen Ansicht ist Karl Freihalter, Pfarrer des Dekanats Dinkelscherben. Er hält den Rücktritt zwar nicht für falsch, ist aber der Meinung, man dürfe nicht Moralvorstellungen an einen Menschen anlegen, die man selbst nicht erfüllen könne. Er sieht die Berichterstattung über die Wulff-Affäre kritisch, denn „auch Leute, die sich schuldig machen, besitzen trotzdem noch die Menschenwürde“.

Mit Humor nahm Jürgen Treffler, Präsident des TSV Gersthofen, die Nachricht vom Rücktritt. „Ich stehe nicht als Nachfolger zur Verfügung“, sagte er. Im Januar hatte er unserer Zeitung gesagt, dass man in der Diskussion über seinen „Präsidentenkollegen“ Wulff einen Punkt machen müsse. Der Punkt sei nun da, „und das ist gut so“. Nun würde hoffentlich erst mal Ruhe einkehren. Allerdings betonte Treffler auch, dass für ihn die Medien eine Mitschuld am Verlauf der Affäre tragen.

Dass Christian Wulff für das Amt des Bundespräsidenten schlichtweg zu jung war, denkt Daniel Mayer aus Neusäß. „Der steht mitten im Leben und hat eben alles mitgenommen, was man mitnehmen kann.“ Aber Mayer ist auch der Ansicht, dass keiner heilig sei und die meisten Menschen nach ihrem Vorteil schauen würden. Der Besitzer einer Neusässer Telekommunikationsfirma könnte sich als Nachfolger im Amt Joachim Gauck vorstellen. Denn Gauck käme aus einer Generation, die noch andere Moralvorstellungen hätte. Außerdem habe er Lebenserfahrung „und keinen Familienstress“. Auch Josef Beck und Genpo Döring wünschen sich den ehemaligen Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde als neuen Bundespräsidenten. Für Beck muss der Präsident auf jeden Fall „eine gereifte Persönlichkeit“ sein. Iris Spitzer aus Gersthofen ist sich noch nicht sicher, wer die Nachfolge Wulffs antreten könnte. Eines weiß sie aber jetzt schon: „Der neue Bundespräsident sollte auf jeden Fall glaubwürdig und ein Vorbild sein.“

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Fischach_B%c3%bccherei.tif

Bücherei mit Siegel ausgezeichnet

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen