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Dinkelscherben

21.06.2019

Seine Mission: Sauberes Wasser für Mosambik

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3 Bilder
Nicht nur auf dem Gelände der Klinik war Wolfgang Pentz aktiv. Hier entnimmt er gerade Wasserproben an einer Schule. Erstes frisches Wasser für werdende Mütter im Landkrankenhaus in Nhamatanda, Mosambik.
Bild: Wolfgang Pentz

Wolfgang Pentz aus Dinkelscherben ist vier Wochen lang für das Rote Kreuz in Mosambik. Dort errichtet er zusammen mit anderen Helfern eine Cholera-Klinik. 

Besonders am Herzen liegt Wolfgang Pentz ein Foto, das am Muttertag in der Klinik in Mosambik entstanden ist. Beim Gespräch sucht er das Bild auf Facebook. Die Bildunterschrift lautet „Celebrating mothersday“. Auf dem Foto steht Pentz mit einigen schwangeren Patientinnen hinter einem gedeckten Tisch. Das eigentliche Muttertagsgeschenk sei aber ein renoviertes Haus gewesen, erklärt Pentz. Die Instandsetzung der Station für werdende Mütter gehörte eigentlich nicht zu seinen offiziellen Aufgaben in Mosambik, aber der 57-jährige Dinkelscherber betont: „Wir müssen die schützen, die besonders bedürftig sind.“

Von Ende April bis Ende Mai war Wolfgang Pentz aus Dinkelscherben für das Rote Kreuz in Mosambik aktiv. Er war Teil eines Projekts des kanadischen Verbands in Zusammenarbeit mit dem Roten Halbmond, das in der Stadt Nhamatanda eine Cholera-Klinik aufbauen sollte. Hilfe, die in dem ostafrikanischen Land dringend gebraucht wird, denn im März fegte der Zyklon Ida über Mosambik hinweg. 

Ein Sturm forderte etwa 1000 Todesopfer

Besonders heftig traf es die Hafenstadt Beira, aber auch in Nhamatanda richtete der Sturm schwere Schäden an. Die Katastrophe gehörte laut den Unterlagen des Roten Kreuzes zu den drei heftigsten Zyklonen seit Beginn der Aufzeichnungen. Sie forderte etwa 1000 Todesopfer, viele mehr werden noch vermisst. Pentz: „Das ist so ein armes Land, und dann wird noch einmal alles zerstört.“

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Pentz hat Blechschlosser und Maschinenbauer gelernt. Ehrenamtlich arbeitet er aber schon seit 40 Jahren für das Rote Kreuz und hat sich in den vergangenen Jahren durch viele Trainings zum WASH-Spezialisten ausbilden lassen. Die Abkürzung steht für Water, Sanitation and Hygiene. In dieser Funktion hat er sich für den Einsatz beworben.

Wenn er versagt, stirbt die Mission

Pentz war also vor allem für sauberes Wasser, Desinfektion und Hygiene zuständig. Ein Grundpfeiler jeder Mission in einem Krisengebiet. „Wenn ich versage, stirbt die Mission“, betont der Experte. Zu seinen Aufgaben gehörte die Aufbereitung des Brauch- und Trinkwassers mit Chlor, zuerst für die mobile Cholera-Klinik, die später zu einer Malaria-Klinik umgebaut wurde, dann für das Krankenhaus.

Pentz und seine Kollegen aus vielen Ländern überholten das Leitungssystem des Krankenhauses. Er erzählt von kaputten Rohren und fehlenden Plänen – viele Teile des Netzes mussten sie ausgraben, bevor sie die Schäden überhaupt bewerten konnten. Das Wasser des Tiefbrunnens war ungenießbar, der Wasserturm des Krankenhauses, von dem Sturm beschädigt, drohte zusammenzubrechen. Außerdem musste der Haupttank unbedingt erneuert werden. Da Pentz in Deutschland in der Arbeitssicherheit tätig ist, baute er neben dem Müllverbrennungsplatz des Krankenhauses eine Notdusche zur Behandlung von Verbrennungen.

Zwei Toiletten, eine Dusche und saubere Betten

Allerdings ging es nicht nur um Wasser. Der Sturm hatte das Dach des Krankenhauses abgedeckt. Pentz selbst machte es sich zur Aufgabe, die Station für schwangere Frauen herzurichten. In dem Haus auf dem Gelände der Klinik gibt es jetzt zwei Toiletten, eine Dusche und saubere Betten, das Muttertagsgeschenk.

Eine Sache ist Wolfgang Pentz im Gedächtnis geblieben: Das Weinen der Kinder in der Ambulanz habe ihn ständig begleitet. „Das war nicht einfach“, betont er. Immer wieder schlägt er aber auch positive Töne an: „Ich habe in einem großartigen Team gearbeitet, und es hat mir wirklich Spaß gemacht“, erklärt der Dinkelscherber. Er habe „nie Sicherheitsprobleme oder den Ansatz einer Gefahr“ mitbekommen.

Theorieunterricht beim Frühstück

Um auch etwas zu hinterlassen, sei er mit den Krankenhausmitarbeitern aus Nhamatanda jeden Morgen beim Frühstück die Theorie seines Fachgebiets durchgegangen. Pentz: „Ich wollte nicht den großen Meister spielen, das ist für ihr Leben, nicht für meines.“ Seine Devise lautet: „Man muss mit dem Menschen in Würde umgehen und ihre Lebensumstände berücksichtigen.“ In Mosambik nach deutschen Maßstäben bauen zu wollen gehe zum Beispiel an der Realität vorbei.

Nicht nur dieser Einsatz verbindet Pentz mit Afrika. In den 80ern hat er den Kontinent mehrere Male bereist, und vor drei Jahren war er für das Rote Kreuz drei Monate in Liberia, um gegen Ebola zu kämpfen. Für seine Einsätze wird er von seinem Arbeitgeber MAN Energy Solutions bezahlt freigestellt. Pentz erklärt deshalb auch: „Ohne sozial eingestellte Arbeitgeber gäbe es keine Katastrophenhilfe.“

Allerdings braucht es für die Arbeit nicht nur die Unterstützung des Arbeitgebers, auch die Familie müsse „voll dahinterstehen“, so der Dinkelscherber. Bei seiner Frau und seinen vier erwachsenen Kindern sei dies der Fall. „Wenn man den Job macht und neun Jahre lang unterschiedliche Trainings absolviert, muss man es durchziehen“, erklärt er. Deshalb ist er wahrscheinlich einer der wenigen Mittfünfziger, die sich kürzlich Schlafsack, Moskitonetz und Feldbett neu angeschafft haben. Auch in der Zukunft will Pentz in der Katastrophenhilfe aktiv bleiben. Er schmiedet schon Pläne für die Rente.

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