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Biberbach-Affaltern

19.01.2018

Seit 22995 Tagen in Biberbach im Einsatz: Und er läuft und läuft und läuft

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Der Bosch-Kühlschrank von Adolf Eser ist aus dem Jahr 1955.
Bild: Marcus Merk

Der Kühlschrank von Hildergard und Adolf Eser aus Biberbach stammt aus dem Jahr 1955. Er gehört damit zu den ältesten im Landkreis. Gestern wurden die Energie-Dinosaurier vorgestellt. Der Stromverbrauch pro Jahr ist gewaltig.

Eigene Fächer für Butter, Käse und Gemüse, eine Ablage für acht Eier und eine kleine Eisbox: Als Hildergard und Adolf Eser aus Affaltern den Bosch-Kühlschrank im Jahr 1955 das erste Mal befüllten, waren sie mächtig stolz. „Das war Luxus“, erinnert sich Hildegard Eser. „Wir hatten den Kühlschrank noch vor dem ersten Fernseher.“ Seit damals funktioniert das Gerät mit der auffälligen Schnappgriff. Jetzt geht es allerdings in Rente – das war eine Bedingung, um an der Aktion des Landkreises teilnehmen zu können. Gesucht wurden die ältesten Kühlschränke, um deren hohen Stromverbrauch kritisch zu hinterfragen.

Die Kühlschrank-Dinosaurier haben einen Verbrauch von 700 bis 800 Kilowattstunden, was umgerechnet bis zu 200 Euro Energiekosten im Jahr bedeutet. Zum Vergleich: Moderne Geräte mit Gefrierfach verbrauchen 90 Kilowattstunden. „Ein Tausch rechnet sich“, sagt Stromspar-Experte Norbert Endres, der nach der Aktion die Gewinner und die Teilnehmer auf Wunsch beraten wird. „Die neuen Geräte sind so sparsam, dass sie die Energie für die Entsorgung des alten Geräts und die Produktion des neuen nach zwei Jahren Nutzung wieder eingespart haben“, sagt Margit Spöttle. Die Klimaschutzbeauftragte des Landkreises weiß: „Wer auf neue, effiziente Technik setzt, kann gegenüber einem 15 Jahre alten Gerät leicht mehr als die Hälfte der Stromkosten sparen.“

Das erste Kühlgerät in der Nachkriegszeit

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Das Sparen soll sich im Landkreis doppelt lohnen: Die Gewinner der Aktion – die ältesten Geräte stammen von Andreas Jähnert aus Wertingen, Siegfried Lauter (Untermeitingen) und Anita Schneider (Horgau) und sind 68 Jahre alt – erhalten jetzt Zuschüsse für den Kauf neuer, effizienter Geräte. Gleichzeitig müssen die alten Modelle entsorgt werden. Auch der Bosch von Hildegard und Adolf Eser hat ausgesorgt, auch wenn mit ihm viele Erinnerungen verbunden sind: Er war das erste Kühlgerät im Haus in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit. Damals kamen die Heimatvertriebenen in den Ort. Adolf Eser erinnert sich: „Sie mussten sofort arbeiten.“ Der Lohn sei oft nur eine Milchsuppe gewesen. Etwas außerhalb des Orts entstand Holzbaracke, in der mehrere Familie eine neue Bleibe fanden.

Schnapper durften seit 1965 nicht mehr eingebaut werden

Bewusstsein für Stromsparen gab’s damals freilich nicht. Geschweige denn einen Kühlschrank. Bei den Esers kam er erst 1955 ins Haus. In den vergangenen Jahren erfüllte er die Funktion eines klassischen Zweit-Kühlschranks und wurde hin und wieder benutzt, um etwa Kuchen zu kühlen. Und er läuft und läuft und läuft: „Die Langlebigkeit der früheren Technik ist bemerkenswert“, sagt Margit Spöttle, die detektivische Fähigkeiten entwickeln musste, um das Alter der 190 Kühlschränke zu ermitteln. Denn meistens waren keine Kaufbelege mehr vorhanden. Grundsätzlich gibt es aber zwei Merkmale, nach denen das Alter eingeschätzt werden kann: Wenn das Gerät FCKW enthält, dann hat es mindestens schon 23 Jahre seinen Dienst getan – diese Geräte wurden bis 1995 produziert. Hat das Gerät einen Schließmechanismus, dann ist es mindestens 53 Jahre alt. Die Schnapper durften nach Unglücksfällen seit 1965 nicht mehr eingebaut werden – Kühlschränke mussten seither auch immer von innen geöffnet werden können.

Das Durchschnittsalter der Kühlschränke lag übrigens bei 40 Jahren. Teilnahmevoraussetzung war, dass die vorgeschlagenen Geräte noch funktionstüchtig sind und es sich um Serienmodelle handelt, die mindestens zehn Jahre alt sind.

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