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Jubiläum

30.07.2018

Seit 50 Jahren: Zwei Dörfer und ein Verein

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2 Bilder
Gemeinsam mit Bürgermeister Bernhard Walter (vordere Reihe rechts) sowie den beiden Vorsitzenden Karl Tretter (hintere Reihe rechts) und Vize Erwin Glenk (mittlere Reihe links) stellten sich 22 Gründungsmitglieder des TSV Zusamzell-Hegnenbach beim Festabend zu einem Erinnerungsfoto.
Bild: Konrad Dietrich

Die Geschichte des TSV Zusamzell-Hegnenbach kennt ein paar kuriose Momente

Zu der links gerichteten Studenten- und Bürgerrechtsbewegung, die im Protestjahr 1968 in Deutschland vorherrschte, zählten Herbert Kallenbach und seine Freunde nicht. In seinem Heimatort Hegnenbach regierte Pius Anwander als Bürgermeister, im benachbarten Zusamzell war Ludwig Deffner der Chef im „Kommunalparlament“. An diese beide Namen kann sich der heute 67-jährige Rentner Kallenbach noch gut erinnern. Noch besser hat der Senior freilich ein Ereignis im Gedächtnis, das sich heuer zum 50. Mal jährt: die Gründung des TSV Zusamzell-Hegnenbach. Am vergangenen Wochenende feierte der Verein seinen runden Geburtstag.

Bei der Geburtsstunde am 26. April 1968 im Gasthof Liepert in Hegnenbach war Herbert Kallenbach mit dabei. An die 80 Personen aus den damals noch selbstständigen Gemeinden Zusamzell und Hegnenbach wählten Josef Kanefzky zum ersten Vorsitzenden des neuen Vereins. Für Kallenbach und andere Burschen aus den beiden Orten ging somit ein Wunsch in Erfüllung. Denn die Vereinsgründung war gleichbedeutend mit dem Aufbau eigener Fußballmannschaften.

Endlich konnten Spieler aus beiden Dörfern zu Hause spielen, mussten nicht mehr in benachbarten Orten wie Ellerbach, Altenmünster oder Zusamaltheim dem runden Leder nachjagen. Bereits im Sommer des Gründungsjahres wurden Spiele für die A-Jugend, in der Herbert Kallenbach als Libero mitwirkte, und einer Seniorenmannschaft organisiert und ausgetragen. Dass es für den damals 17-Jährigen mit seinem Team in den ersten Spielen derbe Niederlagen setzte (1:16 gegen Ellerbach, 0:15 gegen Altenmünster), daran erinnert sich Kallenbach noch heute ganz genau.

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Doch diese Ergebnisse schweißten die TSV-Mannschaft noch enger zusammen. Die Gründungs-Euphorie hielt weiter an. Als dann bereits im September der erste Sieg gelang, war die Freude besonders groß.

Fußballspielen in der damaligen Zeit war ein kleines Abenteuer. Das erste Jahr wurden die Spiele auf einer provisorisch hergerichteten Wiese auf einer Anhöhe zwischen beiden Orten ausgetragen. Noch bis zum Bau des Sportheims im Jahr 1979 mussten sich die Akteure in einem ausgebauten Saustall im Gasthaus Anwander in Zusamzell umziehen und duschen. Bei den Fahrten nach einem Spiel vom Sportplatz zurück zur Umkleidekabine litt vor allem das Auto: „Da wurde unglaublich viel Dreck mitgeschleppt“, weiß Kallenbach zu berichten.

Zurück zur Gründungsversammlung ins Jahr 1968: Sowohl in Hegnenbach als auch in Zusamzell war ein gewisses Kirchturmdenken bei den Menschen nicht zu überhören. Als die Frage aufkam, wo denn ein möglicher Sportplatz entstehen könnte, durfte das weder in dem einem noch in dem anderen Ort sein. Genau in der Mitte der zwei Kilometer auseinander liegenden Dörfer sollte der Standort liegen, damit sich niemand benachteiligt fühlen konnte. Und so wurde das Sportgelände in der Tat auf halber Strecke zwischen Hegnenbach und Zusamzell errichtet.

Sogar für die Wahl des Vorstandes wurden Regeln aufgestellt. Wenn der Vorsitzende beispielsweise aus Zusamzell kam, musste sein Stellvertreter ein Hegnenbacher oder umgekehrt sein. Dies funktionierte bis ins 2014 vorbildlich. Von den bis dahin insgesamt fünf Vorsitzenden in der Vereinsgeschichte kamen drei aus Zusamzell, zwei aus Hegnenbach. Auch Herbert Kallenbach war sechs Jahre TSV-Boss: von 1986 bis 1992. Zu dieser Zeit war er allerdings kein Hegnenbacher mehr, sondern ein „Zeller“, nachdem er 1983 in den Nachbarort gezogen war.

Vor vier Jahren endete allerdings das „Wechselspiel Zusamzell-Hegnenbach“ an der Vereinsspitze. Mit Karl Tretter aus dem benachbarten Hennhofen wählten die TSV-Mitglieder erstmals einen Mann von außerhalb zu ihrem Chef.

Bei den Feierlichkeiten am Wochenende, die mit einem Gottesdienst und dem Einzug der Ortsvereine am Freitag begannen, freute sich Tretter, dass insgesamt 22 Gründungsmitglieder der Einladung zum Jubiläum gefolgt waren. Dabei wurden bis tief in die Nacht Reminiszenzen ausgetauscht. Bürgermeister Bernhard Walter überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde Altenmünster. Er gab zu verstehen, dass er sich insbesondere über das schöne Sportheim, das 2007 erweitert und modernisiert wurde, sehr freue. Es sei zu einem wichtigen Treffpunkt im Dorfleben geworden. (her)

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