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Neusäß

03.10.2019

Seit drei Jahrzehnten großes Theater aus Neusäß

Seit 30 Jahren bringt die Schauspielgruppe Neusäß erfolgreich Stücke auf die Bühne – hier aus Faust die Gretchenszene mit Ronja Dillinger und Hanna Sarz.
Bild: Foto: Marcus Merk

Die Schauspielgruppe Neusäß feiert runden Geburtstag. Christa Klement ist seit der ersten Stunde mit dabei und erzählt von Dingen, die die Zuschauer nicht sehen durften.

Einst begonnen hat alles vor 30 Jahren im Mehrzweckraum der evangelischen Emmaus-Kirche: Für jede Probe der Neusässer Laienspielgruppe mussten erst einmal Stühle beiseitegeschoben und Requisiten aus dem Keller geholt werden. „Ein Stoffband hat damals noch zur Begrenzung der Bühne gedient“, erinnert sich Christa Klement schmunzelnd. Seit 30 Jahren kann die leidenschaftliche Schauspielerin nun auf einer richtigen Bühne stehen – 1989 kam es zur Vereinsgründung der „Schauspielgruppe Neusäß“, und die Stadt stellte die Aula der Grundschule St. Ägidius zur Verfügung. Insgesamt stecken mehr als 40 Jahre Theatergeschichte hinter der Gruppe.

Der Saal ist schon ausgebucht

Heute ist Christa Klement Mitglied im Vorstand des Vereins und freut sich auf die Feierlichkeiten zum 30. Jubiläum, die am Wochenende stattfinden. Der Saal ist schon ausgebucht, wenn die Spieler Szenen und Texte präsentieren und die Jugendgruppe das Stück „Der weiße Rabe“ auf die Bühne bringt.

In der Aula mit den grünen Stuhlreihen und dem Bühnenvorhang tagte einst der Gemeinderat, bevor Neusäß zur Stadt ernannt wurde. Heute werden die Räumlichkeiten nicht nur von der Schauspielgruppe genutzt, sondern auch von Musik- und Grundschule. Dabei habe die Bühne in dem Schulgebäude ein einziges Handicap, wie Bühnenbildnerin Marianne Petermann verrät: „Es gibt nur einen Zugang über den Zuschauerraum.“ Um dennoch Schauspieler auftreten lassen zu können, die vorher noch nicht vom Publikum gesehen wurden, nutzt der Verein ein Ass im Ärmel: Ein Fenster hinter der Bühne führt ins Freie, die Spieler klettern dort herein und heraus – bei Regen eben mit Schirm.

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Jedes Frühjahr zwölf Aufführungen

Jedes Jahr inszeniert der Verein – bestehend aus etwa 20 ehrenamtlichen Schauspielern und Helfern unter dem Vorsitzenden Wolfgang H. Ritter – ein Stück, das im Frühjahr zwölf Mal gespielt wird. Im Eingangsbereich erinnern Bilder an die vielen Vorstellungen in den letzten drei Jahrzehnten.

Für Christa Klement und Marianne Petermann zählt „Hotel zu den zwei Welten“ von Éric-Emmanuel Schmitt zu den wohl eindrucksvoll-sten Inszenierungen, die der Verein je auf die Beine gestellt hat. 2010 baute Petermann dafür einen Aufzug auf die Bühne, der den Eindruck machte, tatsächlich zu fahren. „Die Türen gingen auf und zu und mit den blinkenden Lichtern wirkte das Ganze sehr realistisch“, verrät Klement. Während der Aufführungen bemerkte Petermann damals ein ganz besonderes Knistern im Zuschauerraum, auch aufgrund der besonderen Handlung.

Denn das Hotel zu den zwei Welten befindet sich zwischen Leben und Tod. Komapatienten kommen dorthin und warten, von den physischen Schmerzen ihres Körpers befreit, auf den Erfolg der Ärzte oder deren Scheitern.

Klement schätzt am Theater vor allem, „das Leben auf die Bühne zu bringen“. Häufig halte man dem Publikum den Spiegel vor, das sei wichtig für die Gesellschaft. Die Neusässerin liebt das Schauspiel und beschreibt die Kunst folgendermaßen: „Jeder Mensch trägt alle Farben des Regenbogens in sich. Wenn man in eine Rolle schlüpft, muss man eine bestimmte Farbe herauskitzeln, um authentisch zu wirken.“

Jedes Jahr, wenn Christa Klement für die letzte Vorstellung im Rampenlicht steht, wird sie wehmütig und erinnert sich an die Worte der ehemaligen und langjährigen Spielleiterin Sigrid Ihlenfeldt: „Was im einen Moment noch Gegenwart ist, wird im nächsten zur Vergangenheit. So wie in diesem Augenblick, für dieses eine Stück, werden wir nie wieder gemeinsam auftreten.“ Marianne Petermann hält sich derweil lieber im Hintergrund – häufig sitzt sie fürs Soufflieren vor der Bühne und kümmert sich um die Technik.

Schauspielerin Meike Droste begann in Neusäß

Stolz ist die Theatergruppe vor allem auch auf die Berufsschauspielerin Meike Droste, die auf der Bühne des Vereins als junges Mädchen ihre Anfänge machte. Heute ist die 49-Jährige am Deutschen Theater tätig und bekannt aus der Krimiserie „Mord mit Aussicht“.

Nächstes Jahr gibt‘s Dürrenmatt

Welches Stück die Schauspielgruppe im Frühling 2020 geben wird, ist bereits entschieden: „Romulus der Große“ soll es sein, eine Komödie von Friedrich Dürrenmatt. Gianna Formicone vom Sensemble Theater Augsburg wird dabei Regie führen. In dem Stück spielen Hühner eine wichtige Rolle – wie man das Geflügel am besten auf die Bühne bringe, müsse man sich jetzt noch überlegen, sagt Christa Klement und lacht.

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