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10.10.2009

Senior verteidigt sich mit Elektroschocker

Schwabmünchen | uri | Einst gingen sie gemeinsam spazieren. Heute geht man sich möglichst weit aus dem Weg. In die Haare gerieten sich zwei Nachbarn. Zunächst nur mit Worten, bis einer von ihnen aus seinem Stoffbeutelchen ein Elektroschock-Gerät hervorholte. Es machte zwar nur "blubb-blubb-blubb", weil das Gerät "nicht scharf" war. Dennoch erschreckte sich der Zeuge fast zu Tode, weil er dachte, eine Pistole werde auf ihn gerichtet.

Zwei völlig aufgeregte ältere Herren im Schwabmünchner Gerichtssaal bezichtigten sich gegenseitig, mit der Auseinandersetzung begonnen zu haben. Gegen eine Geldauflage (750 Euro) wurde schließlich das Verfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung eingestellt. Von einem minderschweren Fall ging Richterin Susanne Hillebrand aus. High-Noon in einem Bobinger Mehrfamilienhaus. Punkt 12 Uhr mittags trafen die Parteien im Treppenhaus aufeinander. Auslöser der späteren Streitigkeiten war, dass der Angeklagte (vertreten von Rechtsanwalt Friedrich Steeb, Bobingen) angeblich seine Winterreifen im Keller gewaschen hatte, was zu einer Überschwemmung desselben geführt haben soll. Von oben runter kam der 70 Jahre alte Angeklagte, die Treppe nach oben wollte der 75-jährige Zeuge. Doch angeblich wurde ihm der Weg versperrt.

"Warum wäscht du stundenlang im Keller deine Reifen?", wollte der Ältere der beiden Männer wissen. Und schon hätte der 70-Jährige das "Ding" aus der Tasche gezogen. "Es fing an zu knallen und Funken flogen", behauptete der Zeuge. Weil er sich derart erschrocken hätte, habe er dem Nachbarn erst einmal mit der Faust "eine reingedonnert". Das sei einfach Notwehr gewesen. Von einem letztlich fruchtlosen Versuch, den 75-Jährigen am Oberkörper zu verletzen, sprach Staatsanwältin Regina Reitenauer.

Andere Erinnerungen verband hingegen der Angeklagte mit der Auseinandersetzung. Erst habe ihn der Nachbar mit der Faust auf die Brust geschlagen, worauf er gegen das Geländer gedrückt worden sei. Nur um sich zu wehren, habe er daraufhin den Elektroschocker aus seinem Täschchen geholt. Was er denn überhaupt damit vor hatte, versuchte die Richterin in Erfahrung zu bringen. Nun, in seinem Auto sollte das Gerät zu seinem Schutz liegen. So etwas sei ja erlaubt. Dann, so der Angeklagte weiter, hätte er noch drei Schläge auf Nase und Schläfe abgekriegt. Rötungen, Schwellungen und Prellungen waren dem Mann ärztlich attestiert worden. 30 Jahre hätte jedenfalls Ruhe im Haus geherrscht. "Und jetzt so etwas …"

Nichts dagegen hatte der Angeklagte, dass sein Elektroschock-Gerät nebst Sicherungsstift eingezogen bleibt. Nur bei der vom Gericht ausgesprochenen Geldauflage zierte er sich ein wenig. "Für mich kommt eigentlich nur eine Spende in Frage", meinte der gebürtige Italiener. "Ja, das ist eine - für den Staat", gab sein Verteidiger bereitwillig Auskunft.

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