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Kreis Augsburg

27.01.2017

Senioren am Steuer als Gefahr? Das sagt ein 77-jähriger Fahrlehrer

Fahrlehrer Karl Mandlik, 77 Jahre alt, ist seit 1960 im Besitz seines Führerscheins, zeigt uns das alte, mittlerweile entwertete Exemplar.
Bild: Marcus Merk

Immer wieder diskutieren Experten über Tests für ältere Menschen. Diesmal wagt die Versicherungsbranche einen Vorstoß. Was ein 77 Jahre alter Fahrlehrer dazu sagt.

Während andere Senioren es mit 77 Jahren etwas ruhiger angehen lassen, ist Karl Mendlik davon noch weit entfernt. An sechs Tagen in der Woche sitzt der Adelsrieder etwa sieben Stunden im Auto – als Fahrlehrer der Fahrschule Bruggner.

Fahrlehrer seit 54 Jahren

Seit stolzen 54 Jahren verhilft Mendlik Fahranfängern zum Führerschein. Geht es nach den deutschen Versicherungsgesellschaften, soll er wegen seines Alters bald selbst kontrolliert werden: Ab 75 Jahren soll bei Autofahrern mit einer Kontrollfahrt getestet werden, ob sie noch fahrtüchtig sind. Der Vorschlag der Versicherer wurde von Experten auf dem deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar diskutiert. Mendlik selbst hat sogar Verständnis dafür.

Der 77-Jährige sagt: „Viele Ältere fahren einmal im Monat zum Einkaufen und sind deswegen unsicher. Und einige fahren herum und merken gar nicht, dass sie schlecht sehen.“ Er selbst bemerke noch keine Alterserscheinungen, braucht nicht einmal eine Brille und hält sich mit drei Läufen pro Woche fit. Einen verpflichtenden Fahrtest hält er aber für schwierig: „Das wäre für viele ein ziemlich großer Druck.“ Zusätzliche Informationen für ältere Fahrer hält Mendlik für besser geeignet: „Manche tun sich mit den Verkehrsregeln schwer. Zum Beispiel mit dem grünen Rechtsabbiegerpfeil: Den gab es noch gar nicht, als die Leute ihren Führerschein gemacht haben.“

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Laut dem Versicherungsverband GDV geht von den älteren Autofahrern derzeit noch keine erhöhte Gefahr aus – der demografische Wandel werde das aber möglicherweise ändern. Denn nach Einschätzung des Verbandes wird sich in den nächsten 30 Jahren der Anteil der über 80-Jährigen an der Bevölkerung verdoppeln. Folglich werde auch die Zahl der von Senioren verursachten Unfälle stark ansteigen. Verpflichtende Untersuchungen für Senioren gibt es bislang nicht. Ausnahme: Wenn bei einer Verkehrskontrolle Auffälligkeiten festgestellt werden, wird etwa ein Sehtest oder eine orthopädische Untersuchung angeordnet. Auch bei chronischen Krankheiten wie Demenz kann der Schein entzogen werden.

Der ADAC hält vom Vorstoß der Versicherer nur wenig, wie Andreas Hölzel vom Automobilverband sagt: „Es gibt gebrechliche 50-Jährige und fitte 80-Jährige. Zudem machen erfahrene Autofahrer körperliche Defizite mit ihrer Erfahrung wett. In aller Regel sind sie besonnener und rücksichtsvoller unterwegs.“

Ältere Fahrer neigen nicht zum Rasen

Zum Rasen scheinen die älteren Fahrer tatsächlich nicht zu neigen: Laut den Zahlen des Polizeipräsidiums Schwaben-Nord ist überhöhte Geschwindigkeit in nur vier Prozent aller von Menschen ab 65 Jahren verursachten Fällen die Unfallursache gewesen. Ein Drittel aller Unfälle ereignete sich hingegen beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren – in aller Regel waren Blechschäden die Folge.

Allerdings wurden im Jahr 2015 in Nordschwaben insgesamt 14 Senioren bei Unfällen getötet. Im Vorjahr waren es noch neun Tote ab 65 Jahren. Allerdings machen immer wieder Senioren Schlagzeilen, die spektakuläre Unfälle verursachen.

So krachte im März vergangenen Jahres ein damals 79 Jahre alter Mann in das Schaufenster eines Neusässer Kosmetikstudios im Schmutterpark. Laut Polizei war ein Fahrfehler des Senioren die Ursache für den Unfall. Die 55-jährige Inhaberin stand an der Theke und hatte Glück, dass der Betonpfeiler die Wucht des Aufpralls aufnahm.

Erst Anfang der Woche verursachte eine 84-Jährige im Neusässer Tunnel einen schweren Unfall. Laut Polizei war sie von ihrem Hund abgelenkt worden, der bei ihr im Wagen saß. Sollten tatsächlich erhebliche Zweifel an der körperlichen Eignung eines älteren Fahrers bestehen, ist nach Einschätzung von Andreas Hölzel vom ADAC dessen Umfeld gefragt: „Viele ältere Menschen sind ohnehin regelmäßig beim Arzt – in so einem Fall muss der Arzt seinen Patienten reinen Wein einschenken. Oder das familiäre Umfeld muss auf den Fahrer einwirken.“ Davon ist Karl Mendlik noch weit entfernt. Dass er täglich noch mit dem Fahrschulauto unterwegs ist, ist für ihn ein Jungbrunnen: „Ich habe jeden Tag mit der Jugend zu tun. Erst wenn man nur rumsitzt, wird man dumm im Kopf.“

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28.01.2017

Eine interessante statistische Schlussfolgerung: "Laut dem Versicherungsverband GDV geht von den älteren Autofahrern derzeit noch keine erhöhte Gefahr aus – der demografische Wandel werde das aber möglicherweise ändern. Denn nach Einschätzung des Verbandes wird sich in den nächsten 30 Jahren der Anteil der über 80-Jährigen an der Bevölkerung verdoppeln. Folglich werde auch die Zahl der von Senioren verursachten Unfälle stark ansteigen..." Anders formuliert: Wenn der Anteil einer bestimmten Altersgruppe an einer Gesamtpopulation steigt, steigt auch der Anteill der verursachten Unfälle dieser Altersgruppe an der Gesamtzahl der Unfälle. Damit lässt sich keinerlei erhöhte Gefahr beweisen. Nur die erhöhte Zahl der älteren Menschen, wie der Satz übrigens schon sagt. Sonst müssten heute alle Menschen mittleren Alters zum Idiotentest.geschickt werden. Schlesslich verursachen die im Moment die meisten Unfälle.

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