1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Showa Denko: Aus für Produktion in Meitingen - 140 Jobs fallen weg

Landkreis Augsburg

04.02.2020

Showa Denko: Aus für Produktion in Meitingen - 140 Jobs fallen weg

Der japanische Konzern Showa Denko wird die Produktion von Grafitelektroden-Teilen für die Stahlindustrie in Meitingen einstellen.
Bild: Marcus Merk

Plus Showa Denko schließt die Grafitelektrodensparte in Meitingen. Dabei hatten die Geschäftsführer eine Beschäftigungsgarantie bis 2022 ausgesprochen.

Schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Meitingen im nördlichen Landkreis Augsburg: Wie der japanische Konzern Showa Denko am späten Dienstagnachmittag mitteilte, wird er die Produktion von Grafitelektroden-Teilen für die Stahlindustrie in Meitingen einstellen. Dabei sollen rund 140 Stellen wegfallen. An die 50 Arbeitsplätze außerhalb der Produktion sollen erhalten bleiben.

Diese Botschaft überbrachten Vertreter von Firmenleitung und Betriebsrat der Belegschaft am Dienstagnachmittag. Erst kurz davor waren erste Details durchgesickert. Markus Stettberger, Betriebsratsvorsitzender der SGL Carbon in Meitingen, war bei der Versammlung dabei: „Für die Menschen war das ein Schock.“

Showa Denko verlagert Produktion nach Japan: Werk in Meitingen war nicht ausgelastet

Grund für die Entscheidung war wohl die Auftragslage. In seiner Erklärung spricht Showa Denko von erheblichen Überkapazitäten auf dem weltweiten Markt für Graphitelektroden. Das Werk in Meitingen habe eine Auslastung von weniger als 30 Prozent, eine Besserung sei nicht in Sicht. Offenbar soll die Produktion komplett nach Japan verlagert werden.

Erst im Oktober 2016 hatte Showa Denko die damals verlustreiche Sparte von der Wiesbadener SGL übernommen, diese erlöste damals rund 200 Millionen Euro. Während sich die SGL auf Leichtbaumaterialien für die Auto- und Flugzeugproduktion und Grafitspezialitäten wie Lithium-Ionen-Akkus konzentrieren wollten, wollten die Japaner den weltweit führenden Hersteller für Grafitelektroden formen. „Wir hatten damals alles ein gutes Gefühl, erinnert sich Stettberger.

Dass das Meitinger Unternehmen Showa Denko seine Produktion aufgibt, ist ein schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Meitingen.
Bild: Marcus Merk

Zunächst ging die Rechnung für alle Beteiligten auf. Die Konjunktur in der Stahlbranche zog an, weltweit war die Nachfrage nach Grafitelektroden hoch und im Oktober 2018 sprachen die neuen Eigentümer in einem Interview mit unserer Redaktion eine Standortsicherungs- und Beschäftigungsgarantie bis ins Jahr 2022 hinein aus. Was dieser Vertrag jetzt noch wert ist? Diese Frage blieb am Dienstag offen.

Showa-Denko-Geschäftsführer: "Wir sehen keine Alternative."

Die Entscheidung zur Einstellung der Produktion sei der Unternehmensführung schwer gefallen, sagt der Geschäftsführer von Showa Denko Carbon Germany, Alexander Loscher. „Wir sehen jedoch keine Alternative.“ Jetzt wolle man gemeinsam jede Chance nutzen, „möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.“

Insgesamt waren Ende 2019 am Standort Meitinigen in den drei Firmen SGL, Brembo und Showa Denko 1900 Menschen beschäftigt – so viele wie noch nie.

Showa Denko schließt Produktion in Meitingen: IG Metall ist "stocksauer"

Steffen Pampollas, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Augsburg und dort zuständig für Showa Denko, sagte unserer Redaktion: „Das hat uns alle vollkommen unerwartet getroffen, die Mitarbeiter waren sehr schockiert.“ Mit Blick auf die bis 2022 ausgehandelte Standortsicherung wirft er der Unternehmensleitung vor: „Showa bricht den Vertrag. Wir sind stocksauer.“

Insgesamt waren Ende 2019 am Standort Meitinigen in den drei Firmen SGL, Brembo und Showa Denko 1900 Menschen beschäftigt – so viele wie noch nie.
Bild: Marcus Merk

Die IG Metall hätte schon erwartet, so Pampollas weiter, dass Showa Denko die Mittel ausschöpfe, die es in solchen Situation gebe. Schon im September habe die Gewerkschaft das Unternehmen aufgefordert Kurzarbeit zu beantragen. Der Betriebsrat habe ferner eine Vereinbarung zur Kurzarbeit getroffen, aber diese sei nicht umgesetzt geworden. Wie es nun weitergehe, sei unklar. „Es ist noch nichts verhandelt.“ Man werde nun mit Betriebsrat und Belegschaft beraten, was zu tun sei. Die Geschäftsführung habe in den Raum gestellt, dass die Stellen bereits bis Ende des Jahres abgebaut würden. Für Mittwoch ist eine Betriebsversammlung angesetzt.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren