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Zusmarshausen

27.05.2015

Sicher sammeln

Wie bei einem Müllfahrzeug gibt es am Anhänger eine Trittstufe: So soll Unfällen vorgebeugt werden. Fleißige Sammler sind Karl Egner und Silvia Maisch´, am Steuer des Zugfahrzeugs sitzt Richard Drößler.
Bild: Maximilian Czysz

Eine Erfindung soll das Sammeln von Altpapier mit landwirtschaftlichen Gespannen sicherer machen. Die Leichtathleten des TSV Zusmarshausen haben eine spezielle Trittstufe an der Rückseite des Anhängers konstruiert.

Wie ein Kätzchen schnurrt der Motor des Unimogs, als Richard Drößler aufs Gaspedal tritt. Vorher hat er sich mit dem Blick in den Rückspiegel vergewissert, dass seine beiden Altpapiersammler an Bord sind: Silvia Maisch und Karl Egner stehen auf einer Stahlstufe, die an der hinteren Bordwand des zweiachsigen Anhängers montiert ist. Mit der neuen Vorrichtung soll die Unfallgefahr für die Helfer der Leichtathletik-Abteilung des TSV Zusmarshausen reduziert werden.

Nach dem schweren Unfall von Rehling im Landkreis Aichach-Friedberg im April, als wegen eines leichtsinnigen Fahrmanövers ein Anhänger umkippte und zehn Jugendliche zum Teil schwer verletzt wurden, haben die TSV-Leitathleten eine interne Richtlinie verfasst. Sie soll die Sicherheit verbessern und das Bewusstsein für das Thema schärfen. Unter anderem geht es um die neue Stehvorrichtung, die Maschinenbautechniker Karl Egner konstruiert hat.

Sie ist einfach und trotzdem zweckmäßig. Sie soll sukzessive an den fünf Anhängern montiert werden, die bei jeder Sammlung für die Abteilung unterwegs sind. „Im schlimmsten Fall fällt der Sammler nur nach hinten“, erklärt Richard Drößler. Nicht auszudenken, wenn die Freiwilligen auf der Ackerschiene zwischen Zugmaschine und Anhänger stehen oder auf der Deichsel Platz nehmen und dann herunterfallen. „Das ist lebensgefährlich und strengstens verboten“, erklärt Drößler. Die neuen Richtlinien der Leichtathleten gehen noch weiter: An verkehrsreichen Straßen packen die Freiwilligen nur noch auf der Gehwegseite an. Wer sammelt, muss mindestens 16 Jahre alt sein. Und während der längeren Fahrt zum Container darf sich in Zukunft niemand mehr auf dem Hänger befinden. Und auf kurzen Strecken? Da heißt es Platz nehmen, denn niemand darf während der Fahrt auf der Ladefläche stehen. Das klappt gut, als Richard Drößler mit dem Unimog Baujahr 1978 zum nächsten Haus fährt. Thomas Maisch, der auf dem Anhänger das Papier stapelt, setzt sich auf den Hosenboden. Die beiden Sammler stehen derweil sicher auf der Schiene an der hinteren Bordwand. An einer gepolsterten Stahlschiene halten sich die beiden in ihren Warnwesten fest. Als der Unimog mit seinen 52 PS anhält, steigen Silvia Maisch und Karl Egner bequem von der Vorrichtung, um im nächsten Augenblick das gebündelte Altpapier auf den Hänger mit seinen erhöhten Bordwänden zu wuchten. Beladen wird allerdings nur von hinten. Richard Drößler am Steuer des Unimogs ist entspannt: „Ich habe alles im Blick“, sagt er. Wenn er im Rückspiegel die Köpfe seiner beiden erwachsenen Sammler erkennt, dann weiß er: Sie stehen sicher auf der neuen Vorrichtung. Und los. Jetzt kann es weitergehen. In wenigen Stunden ist das Altpapier in Zusmarshausen und den Ortsteilen gesammelt – rund zehn Tonnen kommen jedes Mal zusammen. Eine Masse, die den Leichtathleten hilft: Vom Erlös werden Geräte angeschafft, teilweise Trikots und Trainingsanzüge bezuschusst, Übungsleiter entschädigt, Startgebühren bezahlt und Rücklagen für die nächste Sanierung der Laufbahn gebildet. Kurzum: Die TSV-Abteilung ist wie viele andere Vereine auf den Erlös angewiesen. „Wir brauchen die Einnahmen“, sagt Abteilungsleiter Reinhard Kindig. Ihm ist klar, dass die Abteilung mit den Sammlungen bisher ein gewisses Risiko getragen hat und es weiterhin tragen muss – aber bitte so sicher wie möglich, damit es auch in den nächsten 30 Jahren zu keinem Unfall kommt.

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