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24.07.2010

Sie gehen in Untermeitingen die Wände hoch

Untermeitingen Sie klettern, sie rennen, sie springen über alle möglichen Hindernisse, machen Saltos, rollen sich ab - und dabei sehen ihre Bewegungen auch noch unheimlich leicht und entspannt aus. Dass der artistische Bewegungssport Parkour sehr anstrengend ist, sieht man den Mitgliedern von Team Genius beim Training in der Untermeitinger Imhofhalle nur an den roten, verschwitzten Gesichtern an.

Die Ausübung von "Parkour" mutet wie eine waghalsige Verfolgungsjagd an, das Training der Jugendlichen wirkt wie die Proben für einen Actionfilm. Auch die Musik, die aus dem mitgebrachten CD-Player dröhnt, verstärkt diesen Eindruck. "Die Mischung aus Bewegung und Kraftaufwand ist das, was Parkour für mich ausmacht", erklärt Teamführer Robby, während die übrigen Teammitglieder auf die irrwitzigsten Arten über den großen Kasten neben ihm springen.

Verschiedene Sprünge im Freien ausprobiert

"2008 hat alles angefangen", erzählen die Jugendlichen stolz. Damals begann alles mit einem Internet-Video und der Idee der vier Gründungsmitglieder Robby, Alex, Moe und Bastian, diese neue Trendsportart selbst auszuprobieren. Die Jugendlichen fingen an, sich regelmäßig zu treffen und im Freien verschiedene Sprünge und Tricks zu üben - das war ihnen nach einiger Zeit aber nicht mehr genug. Training in der Halle, um tatsächlich ein ernst zu nehmendes Parkour-Team zu werden, musste her. Seit einigen Monaten sind sie nun eine Untergruppe der Sparte Teakwondo & Allkampf des SV Untermeitingen. Als Team Genius nehmen bis zu 15 Personen regelmäßig am Training teil, Tendenz steigend. Streetworker Christoph Schiefer kennt die Jugendlichen aus der Schule und ist von ihrem Engagement begeistert. Sie haben ihr Projekt mit seiner Hilfe auf den Weg gebracht, organisieren sich jedoch weitestgehend selbst. Auch Jugendpflegerin Jennifer Baur, Leiterin des Jugendhauses Untermeitingen, sieht in dem Sport eine gesunde und sinnvolle Alternative zum "Rumhängen".

Sie gehen in Untermeitingen die Wände hoch

Den Aufbau in der Halle übernehmen die Jugendlichen gemeinsam. Zum Einsatz kommen alle Geräte, die sich als Hindernisse verwenden lassen: Reck, Sprossenwand, Bänke, Trampolin und Kästen werden zu Parkour-Stationen umfunktioniert und auch die Wände kommen zum Einsatz. Große und kleine Matten dienen als Absturzsicherung. Die Bewegungen, Sprünge und Tricks bringen sich die Jungs in Eigenregie bei. Tutorials im Internet sind dafür ihre Anlaufstelle. Ihr eineinhalbstündiges Training beginnen die Traceure, wie die Parkour-Sportler sich nennen, mit einer Aufwärmphase. Erst danach kommen die einzelnen Sprünge an den verschiedenen Stationen dran. Das sind dann beispielsweise der "Monkey Vault", bei dem sich der Sportler wie ein Affe mit beiden Händen abstoßen und über den Kasten springen, oder der "Underbar", der Schwung unterm Reck durch. Zum Schluss bauen sich die die Parkourler einen Hindernislauf auf, den sie möglichst schnell und effizient bewältigen. Die Wiederholung der Einzeltechniken soll die Jugendlichen auf den "Run" (zu Deutsch: Lauf) im Freien vorbereiten. Bei aller Coolness nehmen sie ihren Sport sehr ernst.

Fehltritte können tödlich sein

Parkour ist ein Extremsport, der viel Konzentration erfordert. Die Trainer Kevin (23) und Robby (15) legen daher viel Wert auf Sicherheit. "No risk, no fun - das gilt bei uns nicht", erklärt Robby. "Man braucht fünf bis sechs Jahre, bis man Parkour wirklich beherrscht." Vor allem im freien Gelände und der Stadt sind die Sprünge alles andere als ungefährlich. "Es wäre tödlich, rückwärts von einem Vordach zu fallen", so Teammitglied Fred. Seinen ersten Auftritt hat das Untermeitinger Team Genius auch schon hinter sich. Auf dem Jugend-Open- Air in Graben funktionierten sie das Auto von Streetworker Christoph Schiefer für ihre Parkour-Stunts um. In Zukunft hoffen die Jungs auf weitere Auftritte, neue Mitglieder, aber vor allem auf feste Hallenzeiten.

Ab September soll das dann auch klappen, so Isabella Uhl, Vorsitzende des SV Untermeitingen. Dann haben die Mitglieder von Team Genius genug Zeit, ihre Sprünge und Tricks zu perfektionieren - damit Salto, "Monkey Vault", "Palm Spin" und "Underbar" zukünftig auch im Freien unfallfrei gelingen.

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