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Prozess in Augsburg

11.08.2015

Sie kamen von oben: Modernste Technik überführt Einbrecherbande

Diese Einbrecherbande agierte ungewöhnlich: Sie stiegen durch das Dach ein.
Bild: Archivfoto Alexander Kaya

Eine Viererbande öffnete Dächer von Supermarkt- und Bäckereifilialen, seilte sich ab und erbeutete insgesamt 30.000 Euro. Dank modernster Technik kam ihnen die Kripo auf die Spur.

Normalerweise machen es sich Einbrecher eher einfach. Sie schlagen ein Fenster ein oder drücken eine Tür auf. Das funktioniert oft – und Beute ist rasch gemacht. Aber es funktioniert nicht immer. Vor allem nicht bei Firmengebäuden. Eine vierköpfige Diebesbande hatte deshalb auch einen anderen „modus operandi“, also eine „Art des Handelns“ im Programm: Die Täter kamen von oben. Durch das Dach.

Ein Coup - 8000 Euro Beute

Über die Weihnachtsfeiertage 2013 landete die Gruppe ihren beutemäßig wohl größten Coup: Nachts stiegen sie über eine Mülltonne auf das Dach eines Supermarktes in der Stätzlinger Straße in Augsburg-Lechhausen, deckten ein paar Dachplatten ab und ließen sich dann durch die Lücke mit einem Seil in das Büro hinab. Dort flexten sie den Tresor auf, wobei ihnen die Tageseinnahmen von über 7000 Euro in die Hände fielen. Außerdem bedienten sie sich in den Regalen, nahmen Zigaretten, Handys und Uhren im Wert von noch einmal 1000 Euro mit.

Ebenfalls durch Abdecken von Dachziegeln stiegen sie im April 2014 in zwei Filialen einer Großbäckerei im Augsburger Stadtgebiet und in der Neusässer Lohwaldstraße ein – und knackten abermals die Tresore. Die Beute: zusammen über 4000 Euro.

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Bei mehreren weiteren Einbrüchen in Firmengebäude gingen sie dagegen „konventionell“ vor: Sie schlugen Fensterscheiben ein und leerten Tresore und Geldkassetten mit einer Beute von rund 2000 Euro. Einmal sollen sie auch sechs Laptops im Wert von 11 000 Euro gestohlen haben. Beutewert und Sachschaden beziffert die Augsburger Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage bei acht Fällen auf insgesamt rund 30 000 Euro.

Modernste Technik führte zur Festnahme der Bande

Die Beamten des Kommissariats 2 der Augsburger Kripo waren der Einbrecherbande mit Hilfe moderner Kriminaltechnik auf die Spur gekommen. Bei dem Einbruch im Supermarkt hatten die Ermittler an einem Schrank eine winzige Blutspur gefunden. Eine DNA-Analyse ergab einen Treffer in den Datenbanken der Polizei. Es war das Blut eines 28-jährigen Rumänen. Die Auswertung von Handydaten – die Mobiltelefone der Täter hatten sich in Funkzellen nahe der Tatorte eingewählt – führte schließlich zu drei weiteren Verdächtigen.

Der Rumäne war auch nach einem Raubüberfall im Rotlichtmilieu in Nürnberg in das Visier der dortigen Kripo geraten. Seine Telefongespräche wurden überwacht. Dabei hörten die Ermittler auch Gespräche ab, die sich um Einbrüche in Augsburg drehten.

Zwei der vier Bandenmitglieder konnte die Kripo schließlich festnehmen, zwei weitere Rumänen waren flüchtig. Sie wurden inzwischen im Rahmen der Schleierfahndung auf der Autobahn bei Rosenheim gefasst und sitzen in Haft. Dem 28-Jährigen und einem 19-jährigen Deutschen wurde nun der Prozess gemacht.

Jugendlicher kommt mit Bewährungsstrafe davon

Vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Angela Reuber räumte der Heranwachsende (Verteidiger: Marco Müller) die Beteiligung an zwei der Einbrüche ein – darunter auch ein Diebstahl in der Umkleidekabine des TSV Friedberg, bei dem er zwei Handys und 20 Mark Bargeld gestohlen hatte. Der Rumäne (Verteidiger: Harald Bleicher) legte ebenfalls ein Geständnis ab, wobei er lediglich den Diebstahl der Laptops bestritt.

Sowohl die Gerichtsvorsitzende Angela Reuber als auch Staatsanwalt Marco Ottaviano machten dem Rumänen klar, dass er durch weitere Angaben zu seinen Mittätern einen Strafnachlass bekommen könne. Doch der Angeklagte schüttelte nur den Kopf. Das Gericht folgte am Ende weitgehend den Strafanträgen des Staatsanwalts und verurteilte den Heranwachsenden zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und 80 Sozialstunden, der Rumäne muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Der 19-Jährige nahm das Urteil an, sein Kumpel nicht.

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