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17.07.2010

Sieben Millionen Zigaretten geschmuggelt

Augsburg Aus Brüssel kommt gerade die Nachricht, dass 2009 rund 65 Millionen unversteuerte Zigaretten in den EU-Mitgliedsstaaten beschlagnahmt worden sind. Eine neue Rekordmarke für die Fahnder. Wie so ein Zigarettenschmuggel abläuft, hat jetzt ein Prozess vor dem Landgericht Augsburg aufgezeigt.

Am Donnerstag fielen die Urteile. Zwei 38 und 49 Jahre alte Rumänen müssen für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Die deutsche Ehefrau des älteren Angeklagten kam mit einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten sowie einer Geldbuße von 20 000 Euro davon.

Bande umfasst elf Mitglieder

Seit 2007 hatten Interessenten bei der 54-Jährigen, die in Augsburg Mitbesitzerin einer Gebäudereinigungsfirma ist, unverzollte Zigaretten bestellen können. Eine elf Mitglieder umfassende Bande, die nach Feststellung des Gerichts "gut durchorganisiert war", lieferte wöchentlich bis zu 300 Stangen Zigaretten der Marke "L&M" über den Grenzübergang Burghausen nach Bayern.

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Wie ein Fahnder des Münchner Hauptzollamtes im Prozess aussagte, wurden sie in Kleintransportern oder Lastzügen, getarnt hinter Gemüse oder Möbeln, über die Grenze zu einer Lagerhalle nach Ingolstadt oder nach Gersthofen gebracht. Meist noch am gleichen Tag holten Kunden die "heiße" Ware dort ab.

Die Zigaretten waren aus Litauen, bestimmt für Duty-Free-Läden in Rumänien, wo eine Stange "L&M" zum Preis von elf bis zwölf Euro zu haben ist.

In Augsburg zahlten Kunden, von denen einige namentlich den ermittelnden Behörden bekannt sind, Preise zwischen 23 und 25 Euro - was immer noch knapp die Hälfte des legalen Ladenpreises ist. Eine Stange enthält 200 Zigaretten.

Laut Staatsanwaltschaft schmuggelte die Bande bis Oktober 2009 auf 22 Fahrten sieben Millionen Zigaretten nach Augsburg. Dem Staat entgingen so Steuereinnahmen von rund einer Million Euro. Wofür die 9. Strafkammer die drei Angeklagten - Verteidiger Ralf Schönauer, Michael Weiss, Thorsten Hauck - jedoch nicht in dieser Höhe verurteilte.

Vom Geständnis profitiert

Die Angeklagten profitierten von ihrem Geständnis, das dem Gericht einen langen, komplizierten Prozess ersparte. Das Urteil beschränkt sich auf Schmuggelfahrten im Jahr 2009. Durch einen Zufall war das Bundeskriminalamt auf die Täter aufmerksam geworden.

Weil sie einem Kreditkartenbetrug auf der Spur waren, hörten die Ermittler Telefone ab. Und bekamen so Gespräche mit, in denen auffallend oft von "Tomaten" die Rede war. Der Rest war dann Routine.

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