Newsticker

Lokale Ausnahmen von der Maskenpflicht für Grundschüler müssen in Bayern genehmigt werden
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Sinken jetzt die Milchpreise?

EU-Regulierung

21.02.2015

Sinken jetzt die Milchpreise?

Das Ende der Quote stößt bei Milchbauern auf ein geteiltes Echo. Panikmache oder begründete Sorgen?

Am 1. April fällt eine Bastion der EU-Regulierung in der Landwirtschaft: die Milchquote. Was sich dahinter verbirgt? Vorgaben, wie viele Liter Milch in einem EU-Land produziert werden dürfen. Dieses Limit traf auch die Milchbauern im Landkreis Augsburg. Ein Hauch von Planwirtschaft, der seit 1984 vor allem die Milchpreise stabil halten sollte. Das bricht nun weg.

Wally Meitinger ist Vorsitzende des Bundes deutscher Milchviehhalter (BDM). Die Dinkelscherberin trauert der Quote hinterher. Allerdings einer Quote, die es so niemals gab: „Sie wurde ja nicht gelebt.“ Immer wieder hätten die Landwirte Schlupflöcher ausgenutzt. Das habe die Quote quasi von innen ausgehöhlt. In Deutschland etwa wurden die Mengen regelmäßig aufgestockt, was hier letztendlich doch zu einer Milchschwemme geführt habe. Auch, weil andere europäische Länder zu wenig produzierten. Zwar sei die Quote nicht perfekt gewesen –doch vor einem Wegfall hat sie Angst: „Der Milchpreis wird sinken, das Milchaufkommen steigen.“ Landwirte, die jetzt schon ums Überleben kämpfen, würden die Marktöffnung deutlich spüren. „Es werden viele Höfe sterben“, sagt sie.

Und erntet damit scharfe Kritik vom Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Gerhard Ringler: „So eine Panikmache ist unverantwortlich.“ Der Weltmarkt diktiere schon lange die Preise. „Die Quote war nicht die versprochene Rettung“, sagt der Langerringer. Im Gegensatz zu Meitinger befürwortet er die Quoten-Abschaffung. „Endlich sind die Kosten des Quotenzukaufs weg.“ Bislang hatte jeder milchproduzierende Betrieb eine Obergrenze einzuhalten. Wer mehr Milch verkaufte, musste Strafen zahlen oder Quote zukaufen – von anderen Betrieben, die sich aus der Milchproduktion zurückgezogen hatten. „In den letzten 30 Jahren sind etwa 75 Prozent aller Betriebe geschlossen worden“, sagt Ringler. Ein deutschlandweiter Trend in der Landwirtschaft mit vielschichtigen Ursachen.

Auch Milchbauer Anton Zott aus Ustersbach hatte dagegen zu kämpfen. „Anfang der 1980er hatte ich noch 30 Kühe, jetzt sind es 170.“ Wie viel Geld er seitdem für seine Quotenzukäufe gezahlt hat, will er nicht sagen. Doch dass es nicht wenig war, ist offensichtlich. 8000 Liter produziert eine Zott-Kuh im Schnitt jährlich, die Quotenpreise lagen teils deutlich über einem Euro pro Liter. „Hätte ich’s nicht gemacht, wäre ich heute kein Landwirt mehr“, sagt Zott. Auch er erwartet nun wechselhaftere Preise. Doch das sei nichts Neues. „2008 waren die Preise bei knapp 20 Cent pro Liter.“ Trotz Quote. Seitdem steigt der Preis wieder, auf derzeit über 30 Cent. Für Zott ist daher besonders entscheidend, die richtige Molkerei an seiner Seite zu haben. „Es gibt immer Molkereien, die über dem Durchschnittspreis zahlen.“ Es komme nun noch stärker darauf an als vorher, die „richtige“ Molkerei als Partner zu haben.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren