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Neusäß

11.04.2016

Slalom auf dem Weldenbahnweg

Gerade am Sonntag ist viel los auf dem Weldenbahnradweg, so wie gestern hier bei Hammel. Fußgänger und Radler müssen aneinander vorbei.

Welche brenzligen Situationen Fußgänger und Radler sonntags auf der Trasse erleben

Es war ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, der für eine 61-jährige Frau schmerzhaft endete: Vor einer Woche war sie mit ihrem Mann am Sonntagnachmittag auf dem dicht bevölkerten Weldenbahnradweg bei Horgau unterwegs. Auf Höhe eines Waldcafés krachte die Frau mit einem Rennradfahrer zusammen. Der 56-Jährige versuchte laut Polizei zwar noch, abzubremsen. Sein Rad überschlug sich und er krachte gegen die Frau. Beide wurden verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

Der Weldenbahnradweg, der von Neusäß bis Welden führt, ist beliebt bei Spaziergängern, Joggern, Hundebesitzern, Inline-Skatern und Radfahrern. Früher war hier das Bähnle auf den rund 20 Kilometern durch Wald und Wiesen unterwegs. Auch am gestrigen Sonntag nutzten viele den Damm für einen Ausflug. Eine von ihnen ist Annika Schinzel, die mit Familie und Freunden bei Hammel/Ottmarshausen spazieren geht. Mit dabei sind zwei Kinderwagen und ein Hund. „Man muss schon sehr aufpassen“, sagt die junge Mutter. Viele Radler seien sehr schnell unterwegs. Einige würden sogar schimpfen, wenn sie als Spaziergänger mit Kinderwagen im Weg seien, erzählt Annika Schinzel. Sie findet so ein Verhalten „dreist“. Ein Sonntagsspaziergang mit Kind und Hund sei „manchmal schwierig“. Maik Eisert, der ebenfalls mit seinem Hund spaziergen geht, stellt auch fest, dass manche Radler zu schnell unterwegs sind. Man müsse als Fußgänger stets aufmerksam sein und alle sollten „halt schauen“.

Edith Schulik ist fast jeden Tag auf dem Weldenbahnweg zu Fuß unterwegs. „Meistens klappt es, doch einmal bin ich schon fast von einem Radler überfahren worden,“ erzählt sie. Sie sei gerade noch rechtzeitig zur Seite gesprungen, sonst hätte sie der von hinten kommende junge Mann erwischt. Dies sei aber der einzige Vorfall gewesen.

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Erfahrungen besonderer Art macht Mario Bez. Er fährt auf dem Damm gerne mit dem Einrad. „Meistens funktioniert hier alles prima“, erzählt er. Ihn stört nur, wenn Rennradler mit hohem Tempo auf dem Weg entlangbrausen. Für diese Sportler gebe es doch genug andere Alternativen für ihre Touren, findet Bez, der selbst gerne Rennrad fährt.

Trotz mancher Konflikte, ein Unfallschwerpunkt ist der Weldenbahnradweg nicht. Darin sind sich sowohl die Polizeiinspektionen aus Zusmarshausen als auch aus Gersthofen einig. Bernhard Heimann, der Chef der Zusmarshauser Polizei, sagt: „Der Unfall bei Horgau war der erste schadensträchtige Fall seit langer Zeit.“ Dass auf dem Radweg bei Sonnenschein ein regelrechtes Gedränge herrscht, ist aber auch der Polizei nicht entgangen. Klaus Weishaupt von der Gersthofer Polizei etwa sagt: „Wenn es ein höheres Aufkommen gibt, berhalten wir das auch im Auge.“ Generell gelte, so Heimann, dass für jeden, der sich auf dem Radweg aufhält: „Jeder muss sich so verhalten, dass er den anderen nicht schädigt.“ Rennradfahrer dürfen den Radweg ebenso nutzen wie Senioren mit einem Rollator oder Skateboardfahrer.

Auch die Stadt Neusäß hat sich aufgrund der intensiven Nutzung des Radwegs um die Sicherheit Gedanken gemacht. Auslöser war ein schlimmer Unfall an dem Übergang an der Mühlbachstraße. Dort überschlug sich ein Radfahrer an der sogenannten Umlaufsperre vor der Straße und zog sich einen Schädelbasisbruch zu. Die Sperre wurde abgebaut.

Eine intensive Debatte über den Sinn solcher Sicherungsgeländer entbrannte. Denn eigentlich sollten sie ja den Radfahrer ausbremsen, damit er im Idealfall absteigt und das Rad über die Straße schiebt. Nach einem Ortstermin mit Landratsamt, Polizei und Vertretern der Stadt blieb es beim Nein zu den Sperren, denn sie stellten laut Behörden ein Hindernis für Radfahrer und ganz besonders für Eltern mit Kinderanhänger dar.

Wie Bürgermeister Richard Greiner erklärte, habe die Stadt seither aber einen umfangreichen Maßnahmenkatalog umgesetzt, um die Sicherheit zu erhöhen. So wurden vor allem an den Querungsstellen Sträucher ausgeschnitten, um die Sicht zu verbessern, Halteverbote ausgewiesen und Schilder aufgestellt, Straßenmarkierungen verbessert. Auf der Mühlbachstraße sind inzwischen Piktogramme „30“ aufgebracht, die Schilder „Vorfahrt achten“ vergrößert worden. Der Antrag, den Weldenbahnradweg auf Kosten der Stadt zu verschwenken, wurde im Januar diesen Jahres mit den Stimmen der CSU abgelehnt.

„Es ist ja schön, dass dieser Weg so intensiv von allen genutzt wird“, sagt Bürgermeister Greiner. Er weiß aber auch, dass sich an einem schönen Wochenende dort viele Menschen tummeln. „Deshalb wurde die Trasse im zweiten Bauabschnitt ja bereits verbreitert – mehr Platz gibt dieser Damm aber einfach nicht her.“ (eisl/dav/kar) "Kommentar

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Die Diskussion ist geschlossen.

14.04.2016

Heißen tut der "Landrat-Dr.-Frey-Radweg"
allein im Bericht kommt achtmal die Bezeichnung "Radweg" vor.
Weshalb dann die Diskusision ?

Permalink
11.04.2016

»Auf Höhe eines Waldcafés krachte die Frau mit einem Rennradfahrer zusammen.«

Ich hoffe doch mal, der war da nicht zum Training unterwegs...

»Viele Radler seien sehr schnell unterwegs. Einige würden sogar schimpfen, wenn sie als Spaziergänger mit Kinderwagen im Weg seien, erzählt Annika Schinzel. Sie findet so ein Verhalten „dreist“.«

Hat sie recht. Das sind die klassischen Konflikte, die sich aus dem ganzen Radfahrer & Fußgänger zusammen auf einem Wege führen ergeben. Die Kernfrage ist ja immer noch, warum die Leute es immer so toll finden, so was geboten zu bekommen.

»Ihn stört nur, wenn Rennradler mit hohem Tempo auf dem Weg entlangbrausen. Für diese Sportler gebe es doch genug andere Alternativen für ihre Touren, findet Bez, der selbst gerne Rennrad fährt.«

Eben. Wer da wirklich auf Trainingsfahrt rum heizt, hat nicht mehr alle Latten am Zaun. Ich kann aber fast wetten, dass das dieselben sind, die sich in die Hosen scheißen, wenn sie ein Autofahrer mal im Abstand 1 m überholt. Deswegen braucht man ja schließlich auch Radwege. Wegen der Verkehrsrowdies. Sind ja immer die anderen...

»Trotz mancher Konflikte, ein Unfallschwerpunkt ist der Weldenbahnradweg nicht. Darin sind sich sowohl die Polizeiinspektionen aus Zusmarshausen als auch aus Gersthofen einig. Bernhard Heimann, der Chef der Zusmarshauser Polizei, sagt: „Der Unfall bei Horgau war der erste schadensträchtige Fall seit langer Zeit.“«

Zwei Infos dazu: Als Unfallschwerpunkt gelten eben Punkte, nicht kilometerlange Strecken. Und zum anderen: Was glaubt der wohl, was er für Spaß hätte, wenn jeder jeden noch so popeligen Unfall melden würde? Da dürfte die Dunkelziffer schon erheblich sein...

»Die Sperre wurde abgebaut.«

Weise Entscheidung. Die Dinger sind letztlich reine Gängelei, bringen aber unfalltechnisch praktisch nichts.

»Denn eigentlich sollten sie ja den Radfahrer ausbremsen, damit er im Idealfall absteigt und das Rad über die Straße schiebt.«

Ja nee, iss klar. Und Autofahrer steigen beim Straßen überqueren auch immer aus und schieben, oder was soll das? Eben, es geht um Gängelei. Ob ich jetzt absteige oder nicht, das tut in erster Linie mal überhaupt nichts zur Sache. Und so bescheuert, da blindlings drüber zu heizen sind dann so extrem wenige, dass es einfach nicht mehr gerechtfertigt ist, allen anderen die Weiterfahrer gänzlich unmöglich zu machen (Lastenrad, Rad mit (Kinder-)Anhänger, etc...) bzw. sie zu gängeln.

»So wurden vor allem an den Querungsstellen Sträucher ausgeschnitten, um die Sicht zu verbessern,«

Bin ja gespannt, wie lange die so schön kurz bleiben...

Wo wir gerade beim Thema Instandhaltung sind: Wer versucht sich da eigentlich mit Schummelmethoden aus der Verkehrssicherungspflicht zu stehlen? Wenn ich mir das Foto so ansehe, ist das angekündigte Vernachlässigung der Pflichten des Baulastträgers. Einfach »Wir räumen hier nicht!« zu deklarieren schützt nämlich nicht vor der Schadensersatzklage wegen Versäumnissen bei der Verkehrssicherung. Das Schild drüber deklariert das nämlich eindeutig nicht als Gehweg, für den evtl. Anlieger das zu übernehmen hätten.

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