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Diedorf

27.01.2021

So führt man seinen Hund richtig durchs Schmuttertal

Mit dem Hund im Schmuttertal spazieren gehen, das ist auch während Corona möglich. Doch es gibt Regeln, um die Natur zu schützen.
Foto: Marcus Merk

Plus Mit dem Hund durchs Schmuttertal spazieren, das geht auch in Corona-Zeiten noch. Um die Natur zu achten, müssen Hundebesitzer etwas beachten. Wie soll man es ihnen aber sagen?

Ein Spaziergang durchs Schmuttertal, ob verschneit oder gerade aufgetaut - das geht auch in Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Corona noch problemlos. Doch was den Menschen freut und das Gefühl gerade oft vermisster Freiheit zurückgibt, kann für die geschützte Natur dort zu einem Problem werden. Vor allem, wenn der Mensch seinen besten Freund, den Hund, dabeihat. Der Markt Diedorf will nun den Hundehaltern die Regeln erklären. Aber wie macht man das am besten?

Noch liegen die feuchten Wiesen unter einer weißen Winterdecke entlang der Schmutter in Diedorf. Aber wenn in wenigen Monaten dort das Leben zurückkehrt, kommen mit ihm auch eine Reihe von Tierarten, die es sonst nur noch selten in der freien Natur im gesamten Umland zu finden sind. Darunter ist nicht allein der berühmte Wiesenknopf-Ameisenbläuling, ein Schmetterling, der auch das Emblem des Schmuttertal-Gymnasiums ist. Es geht auch um Vögel, darunter Wiesenbrüter wie das Schwarz- oder das Braunkehlchen. Nicht umsonst gibt es im Schmuttertal zwischen Fischach und Täfertingen ein Biodiversitätsprojekt. Außerdem ist das Gelände europaweit als Flora-Fauna-Habitat (FFH) geschützt. Doch Tiere und Natur können Schaden nehmen, wenn zu viele Menschen durch ihren Lebensraum spazieren.

Immer mehr Menschen kommen ins Schmuttertal

Und das würden vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie praktisch jeden Monat mehr, hat vor Kurzem die Fachfrau für Umweltthemen des Marktes Diedorf, Anna Röder, im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Entwicklung gesagt. So kann das häufige nahe Vorbeilaufen am Nest eines Wiesenbrüters dazu führen, dass die Brut nicht gelingt, weil etwa die Eier durch häufiges Auffliegen auskühlen. Oder der Vogel verlässt sein Nest ganz. Tatsächlich sei das geschützte Braunkehlchen seit 2016 nicht mehr im Schmuttertal bei Diedorf gesichtet worden, berichtet Biologin Annika Sezi, die Rangerin für das Schmuttertal.

Die Biologin Annika Sezi ist seit ein paar Jahren Rangerin oder Gebietsbetreuerin im Schmuttertal.
Foto: Sezi (Archivfoto)

Besonders heikel wird es, wenn Hunde ausgeführt und dabei wichtige Regeln nicht beachtet werden. So dürften Hunde von März bis Oktober, während der Vegetationszeit, beispielsweise nur auf den Wegen durchs Schmuttertal geführt werden, so Anna Röder. Dabei geht es nicht allein um die mögliche Störung von Tieren bei der Brut. Es geht auch darum, Hundehaufen auf den Wiesen zu vermeiden. Denn die können das Gras, das wiederum als Futter für Nutztiere wie Schafe und Ziegen genutzt wird, stark verunreinigen und die Tiere durch Parasiten sogar in Lebensgefahr bringen. "Aber viele Hundehalter wissen gar nicht, dass es sich dort um landwirtschaftliche Flächen handelt", sagt sie aus Erfahrung.

Sind Flyer oder Schilder der bessere Weg?

Doch wie können die Regeln dem Hundehalter am besten nahegebracht werden? Anna Röder setzt auf einen Flyer, der etwa am Beginn der Schutzzone in Behältern ausliegen könnte. Unterstützt wird sie dabei von Rangerin Annika Sezi. Das wäre dann aber kaum mehr als besseres Altpapier, sagte Gemeinderat Frank Wasser (Bürgerunion) im Ausschuss. Er findet, Hinweisschilder mit den wichtigsten Regeln wären der bessere Weg. Annika Sezi: "Solche Schilder gibt es bereits ein paar. Doch da kommt ein Gewöhnungseffekt hinzu, sie werden schnell übersehen." So sieht das auch Anna Röder.

Viele Blumen im Schmuttertal sehen unauffällig aus. Für die Natur sind die Arten aber wichtig und dienen Tieren als einzigartige Nahrungsgrundlage.
Foto: ALE Schwaben (Archivbild)

Ohnehin werde es schwer, gewisse Dinge durchzusetzen, wie das Verbot für Hunde, im Sommer über die Wiesen zu laufen, glaubt Frank Wasser. Tatsächlich gab es in Neusäß, wo Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes Hundehalter auf die geltenden Regeln hingewiesen hatten, Vorfälle von Beleidigungen. Seitdem hätten die Mitarbeiter darauf bestanden, nur noch zu zweit im Schmuttertal unterwegs zu sein, wenn sie Hundehalter ansprechen sollen.

In Neusäß gab es Fälle von Pöbelei bei Hundehaltern

Zweiter Bürgermeister Thomas Rittel (CSU) ist sowieso gegen Alleingänge. Denn wenn die Regeln nun schon fürs FFH-Gebiet Schmuttertal gelten würden, dann könnte doch überall auf dieselbe Art und Weise für das richtige Verhalten geworben werden. Anna Röder weiß, dass das die Stadt Neusäß schon mit einem Flyer tut - allerdings in der typischen Druckaufmachung der Stadt.

Deshalb werde es wohl schwer, einen gemeinsamen Weg der vier Kommunen Fischach, Gessertshausen, Diedorf und Neusäß zu finden, glaubt Bürgermeister Peter Högg. "Da müssen wir schon vorlegen", sagte er im Ausschuss. Er könne sich sogar eine Sowohl-als-auch-Lösung vorstellen, also Schilder und Flyer. Im Moment liegt das Projekt jedoch erst einmal auf Eis, es wurde mehrheitlich zurückgestellt.

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