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Neusäß/Augsburg

14.05.2019

So kam die Polizei dem mutmaßlichen Vergewaltiger auf die Spur

Seit Monaten suchte die Polizei mit Plakaten und Phantombild nach dem Vergewaltiger von Neusäß. Jetzt steht ein 37-Jähriger unter Tatverdacht.
Bild: Marcus Merk

Ein 37-Jähriger aus Augsburg soll für den Überfall auf ein Mädchen nach einem Plärrer-Besuch verantwortlich sein. Ermittler haben mehr als acht Monate nach ihm gefahndet.

Die Fahndungsplakate hängen seit Monaten im Neusässer Stadtgebiet, viele sind schon zerrissen und unkenntlich. Doch für die Polizei war die Suche nach dem Vergewaltiger von Neusäß nie abgeschlossen – und nun meldete sie einen Erfolg. Als dringend tatverdächtig gilt ein Mann aus Augsburg. Der 37-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Er soll für ein Verbrechen verantwortlich sein, das im vergangenen Herbst viele Menschen im Augsburger Umland aufgewühlt hat.

Am 6. September gegen 0.30 Uhr hatte ein Unbekannter eine damals 16-Jährige, die nach einem Plärrer-Besuch nach Hause wollte, auf einem Fuß- und Radweg nahe dem Bahndamm überwältigt und vergewaltigt. Anschließend flüchtete der Täter in Richtung des Kaufland-Einkaufszentrums.

Das Opfer lief unter Schock nach Hause

Das Opfer lief unter Schock nach Hause, die Polizei wurde sofort alarmiert. Allerdings konnte sich die 16-Jährige an kaum etwas erinnern. Von dem Mann war zunächst nur bekannt, dass er vermutlich ein langes Oberteil trug. Eine Fahndung noch in der Nacht blieb erfolglos.

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Auch in den folgenden Tagen kamen die Ermittler nur mühsam voran. Über einen Zeugen fertigten Spezialisten des Landeskriminalamts schließlich ein Phantombild an. Es zeigt einen jungen Mann mit spitz zulaufender Nase, einer Basecap auf dem Kopf, schmalem Gesicht und Sommersprossen.

Polizei ging in Neusäß von Haus zu Haus

Mit diesem Bild gingen Polizeibeamte in Neusäß von Haus zu Haus. Die Polizei hatte eine bis zu fünfköpfige Ermittlungsgruppe gebildet. Unterdessen ging die Angst um: Würde der Vergewaltiger noch einmal zuschlagen? Für das damalige Volksfest in der Augsburger Nachbarstadt wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Mitte Oktober ging die Polizei dann mit dem Phantombild an die breite Öffentlichkeit, hängte Plakate aus, gab es an die Medien heraus. Die Ermittler gingen davon aus, dass die Rekonstruktion den Täter zeigte, doch näher kamen sie ihm nicht. Es wurde still um den Fall.

Mehr als 30 Hinweise auf Sex-Täter

Zu den Akten wurde der Überfall laut Polizei und Staatsanwaltschaft aber nie gelegt. Zwischen drei und fünf Polizisten beschäftigten sich mit der Aufklärung, sie gingen mehr als 30 Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Diese führten offenbar zu dem 37-Jährigen aus Augsburg.

Am Montagvormittag wurde der Mann festgenommen, am Nachmittag erließ eine Ermittlungsrichterin einen Haftbefehl gegen den 37-Jährigen. Die Polizei wertet derzeit nach eigenen Angaben Material aus, welches bei dem Verdächtigen sicher gestellt worden ist. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich dabei um Speichermedien und schriftliche Unterlagen.

Das ist über den Verdächtigen bekannt

Um den Erfolg ihrer Ermittlungen nicht zu gefährden, sind die Behörden mit Details zurückhaltend. So blieb bisher auch unklar, ob sich der Verdächtige zu den Vorwürfen geäußert hat. Ein Migrationshintergrund hat nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft „nicht mit der Tat zu tun.“ Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen Deutsch-Österreicher.

Wie fühlt sich das Opfer?

Für das Opfer bedeutet die Nachricht von der Festnahme sicherlich etwas Erleichterung, meint Gabriele Schmidthals-Pluta, Sie ist Vorsitzende des Vereins Sicheres Leben mit Bürgerinitiative Vanessa gegen Gewalt und für Opferschutz. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, Gewalt und Kriminalität in der Gesellschaft entgegenzuwirken. Mit der Festnahme des Mannes sei klar, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgehe und er jetzt für die Straftat einstehen müsse. „Das ist auch eine Genugtuung“, sagt Gabriele Schmidthals-Pluta. Die werde spätestens vor Gericht auch zu emotionalem Stress: Dann nämlich, wenn es zu einer erneuten Konfrontation komme. „Das bedeutet eine Re-Traumatisierung“, sagt Schmidthals-Pluta. Vergessen werde das Opfer nie können – das sei auch nicht sinnvoll. Wichtiger sei es, das Trauma mit Hilfe von Experten zu verarbeiten.

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