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Landkreis Augsburg

22.12.2020

So kommt der Corona-Impfstoff in den Landkreis Augsburg

Weltweit begehrt: Ein Mann bringt Kartons mit dem Corona-Impfstoff von Pfizer/Biontech in die Pais Arena in Jerusalem. In den Landkreis Augsburg sollen die ersten Dosen am Sonntag, 27. Dezember, kommen.
Bild: Nir Alon/ZUMA Wire, dpa (Symbolfoto)

Plus Mit der ersten Lieferung am 27. Dezember soll die Impfaktion sofort starten. Doch zwei entscheidende Fragen sind noch offen.

Der Übergabeort ist geheim, die Polizei informiert. Vermutlich in den Morgenstunden des 27. Dezember bekommt der Landkreis Augsburg den ersten Corona-Impfstoff. Noch an diesem Sonntag soll das Vakzin dann von mobilen Teams, die in Lieferwagen durchs Augsburger Land fahren, gespritzt werden. Bis zu 300 Impfungen am Tag sind möglich. Offen ist aber, wie viel Impfstoff am Sonntag überhaupt vorhanden sein wird.

Das weiß auch Michael Püschel nicht. Der Stellvertreter des Landrats im Amt koordiniert am Landratsamt die Impfaktion. Für die Verabreichung der Spritze sind dann Beschäftigte der Firma Ecolog zuständig, die im Auftrag des Landkreises auch das Corona-Testzentrum in Hirblingen und das Impfzentrum in Gablingen betreibt. Derzeit, so Püschel gegenüber unserer Redaktion, "habe ich noch ganz viele Fragen".

Polizei soll Impfstofftransporte schützen

So sei noch nicht einmal bekannt, wo der Impfstoff übernommen wird, sagt Püschel. Nach außen dringen soll die Information zudem auch nicht. Das Vakzin ist weltweit heiß begehrt, die Transporte sollen von der Polizei geschützt werden.

Aller Voraussicht nach kommt der auf minus 70 Grad heruntergekühlte Impfstoff in Chargen von jeweils 975 Dosen an. Ob Bayerns drittgrößter Landkreis mit der ersten Lieferung am Sonntag überhaupt eine ganze Charge zugeteilt bekommt, ist schon unsicher. Möglicherweise muss geteilt werden, ehe der Impfstoff in Kühlboxen weitertransportiert wird. Bei zwei bis acht Grad hält sich das Vakzin etwa vier Tage lang und kann somit auch kurz zwischengelagert werden. Am Sonntag allerdings soll es von den Impfteams sofort zu Pflegeeinrichtungen im Landkreis Augsburg gebracht werden.

Corona-Impfung: Wer traut sich?

Die Vorbereitungen dort laufen bereits seit Längerem. So musste abgeklärt werden, wer überhaupt geimpft werden will. Besonders aufwendig ist das bei Menschen, die nicht mehr für sich selber sprechen können. Beantworten durften diese Frage nur Betreuer. Wie hoch die Impfbereitschaft am Ende sein werde, könne er nicht abschätzen, sagt Püschel.

In den Seniorenheimen der Diakonie Augsburg zum Beispiel seien sehr viele Bewohner bereit, sich impfen zu lassen, sagt der theologische Vorstand Fritz Graßmann gegenüber unserer Redaktion. Er nennt dafür ein Beispiel: Von den 85 Bewohnern im Schlössle in Stadtbergen liegt bereits für 65 Männer und Frauen eine Einwilligung zum Impfen vor.

Da der Großteil der Senioren in den Heimen einen Betreuer hat, muss dieser seine Zustimmung zur Impfung schriftlich geben. Graßmann: „Die Zeit ist knapp, da sind wir gerade mit Hochdruck dran.“ Der Pfarrer betont, dass kein Mitarbeiter zum Impfen gezwungen werde. Im Schlössle hätten sich bereits 35 Mitarbeiter für den „Piks“ angemeldet. Graßmann: „Wir sind alle so froh, dass es bald losgeht.“ Sowohl in den Diakonie-Heimen in Neusäß als auch in Gersthofen habe es schlimme Corona-Ausbrüche gegeben. Graßmann: „Wir wären froh, wenn durch das Impfen wenigstens das Schlössle verschont bleiben würde."

Ganz grob hochgerechnet gibt es im Landkreis Augsburg etwa 5500 Menschen, die als erste Anspruch auf eine Impfung haben: über 80-Jährige, Mitarbeiter von Alten- und Pflegeeinrichtungen, Pflegekräfte in ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie Beschäftigte in Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten. „Das Impfzentrum in Gablingen wird zunächst unseren mobilen Impf-Einheiten als Basis dienen“, erklärt Landrat Martin Sailer. Dementsprechend werde aktuell alles vor Ort so vorbereitet.

Eine Ampulle des Pfizer-BioNTech COVID-19-Impfstoffs. Ab Sonntag soll er auch im Landkreis Augsburg gespritzt werden.
Bild: Jeff J Mitchell/Pool Getty/dpa

Für alle Berechtigten dürfte das nach einer vorsichtigen Berechnung bis Jahresende nicht reichen. Bis dahin hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn 1,3 Millionen Impfdosen versprochen. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl von rund einer Viertelmillion wären das etwa 4000 Dosen für die Menschen im Landkreis Augsburg. Bis Ende Januar sollen es dann vier Millionen Dosen sein - genug für eine erste Impfung von knapp fünf Prozent der Bevölkerung. Auf den Landkreis umgerechnet wäre man damit bei rund 5000 Menschen, die zumindest eine erste Spritze bekommen haben könnten. Geschützt sind sie damit aber noch nicht. Dazu braucht es einen zweiten Termin 21 bis 28 Tage nach der ersten Impfung.

Bis zu 1000 Menschen täglich sollen gegen Corona geimpft werden

Bis dahin soll die Impfaktion im Augsburger Land auf vollen Touren rollen - sofern es regelmäßig Impfstoff-Nachschub gibt. Im Impfzentrum Gablingen sollen in einigen Wochen bis zu 400 Menschen täglich gegen Corona immunisiert werden, dazu kommen ein Bus, der als mobile Impfstation durch die Gemeinden rollt, und die mobilen Teams, welche die Patienten aufsuchen. Auch an ein zweites Impfzentrum im südlichen Landkreis ist gedacht. Das Ziel sind 1000 Impfungen am Tag.

Wer aufgrund der seitens des Bundes vorgenommenen Einstufung zu einer priorisiert zu impfenden Bevölkerungsgruppe zählt, wird von den Behörden informiert. Das Landratsamt Augsburg bittet deshalb darum, vorerst von E-Mails oder Anrufen bezüglich Terminvereinbarungen abzusehen. Weitere Informationen unter www.landkreis-augsburg.de/corona-impfung.

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