1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. So ließen es Oma und Opa an Fasching krachen

Landkreis

23.02.2019

So ließen es Oma und Opa an Fasching krachen

Copy%20of%20Andreas_Seitz4mm.tif
11 Bilder
Mit einem gebastelten Elefanten im Gepäck luden die Mitglieder des 1932 gegründeten Männergesangsvereins Neusäß-Westheim 1938 zur Tier- und Völkerschau ein. 

Zahlreiche Leser haben unserer Redaktion alte Fotos geschickt. So erlebten sie die „fünfte Jahreszeit“ vor Jahrzehnten.

Bälle, Umzüge, Gardetreffen – schon früher haben Menschen im Augsburger Land Fasching gefeiert. Wie sie sich damals verkleideten und welche Wagen vor Jahrzehnten durch die Straßen zogen, zeigen die vielen Bilder, die Leser unserer Redaktion nach einem Aufruf geschickt haben. Viele von ihnen erinnern sich auch noch an die Geschichten hinter den Aufnahmen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Die 94-jährige Künstlerin Ranne Köhl aus Neusäß hat in ihrem Fotoalbum geblättert und Bilder vom Fasching 1929 entdeckt. Ihre Schwester war damals 18 Jahre alt und hatte Freundinnen nach Hause eingeladen. Als Clown verkleidet durfte Köhl mit den Großen feiern. Sie selbst war damals vier Jahre alt. Erinnern kann sie sich nicht mehr daran. Aber: „Ich strahle auf dem Foto, bestimmt hat es Spaß gemacht“, sagt sie. Ihr Vater Karl Richter hielt das Faschingstreiben der jungen Damen in der Familienwohnung in der Annastraße in Augsburg damals mit der Kamera fest. Früher sei es selbstverständlich gewesen, Fasching zu feiern. „Die ganze Stadt war auf den Beinen“, sagt Köhl. Ab 1933 sei nicht mehr so viel gefeiert worden. „Aber nach dem Krieg hatten wir Nachholbedarf.“ 

Als Meerjungfrau und Neptun verkleidet

Als junge Kunststudentin zog sie mit ihrem damaligen Freund als Meerjungfrau und Neptun verkleidet von einem Faschingball zum nächsten. Für das Kostüm wurde der hauseigene Netzvorhang zerschnitten und lila gefärbt. „Auf dem Eisenbahnerball ist den Männern fast das Essen im Hals stecken geblieben, weil ich bauchfrei unterwegs war“, erinnert sich die Neusässerin. Später feierte sie mit Bekannten aus der Augsburger Ecke-Künstlervereinigung. „Das war auch immer ein Halligalli“, sagt Köhl.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Hoch her ging es auch auf dem Faschingsball im Saalbau in Hammel – damals auch als „Zwack“ bekannt. Dort feierten 1954 Vater und Opa von Gisela Geiß als Hunnen verkleidet Fasching. Sie selbst kennt das bunte Treiben nur noch aus Erzählungen. „Die Bälle im Zwack müssen legendär gewesen sein, jedes Jahr gab es ein anderes Motto“, sagt Geiß. Im Saalbau wurde getanzt und angebandelt. Da durfte ihr damals junger Vater natürlich nicht fehlen. Heute ist er 80 Jahre alt und immer noch tanzbegeistert. „Beim diesjährigen Seniorenfasching hatte er bestimmt auch einen Hut als Verkleidung auf“, sagt Geiß.

Man ist mit weniger zufrieden gewesen

Auch Manfred Hirle aus Altenmünster mischte schon als 20-Jähriger die Faschingsgesellschaft in Zusmarshausen auf. 1959 war er Mitglied im Elferrat. Umringt von jungen Damen feierte er mit Hut und Mantel verkleidet. Das Erinnerungsfoto schoss Heinz Störig – damals der einzige Fotograf in Zusmarshausen, erinnert sich Hirle. Es seien andere Zeiten gewesen, man sei mit weniger zufrieden gewesen. Spaß habe es an Fasching trotzdem gemacht. „Es ist lauter geworden im Vergleich zu früher“, sagt Hirle. Aber er freue sich immer noch über das Remmidemmi an Fasching in Zusmarshausen.

Die fünfte Jahreszeit wurde auch in Westheim schon vor über 80 Jahren gefeiert. Die Kobelgaststätte war als Faschingshochburg bekannt. Dort feierte der 1932 gegründete Männergesangvereins immer unter einem anderen Motto. Andreas Seitz, seit über 30 Jahren Vorstand vom Männergesangsverein Neusäß–Westheim, hat die zahlreichen Erinnerungsfotos und Eintrittskarten gesammelt.

Er selbst kann sich an die frühen Feiern nicht mehr erinnern. „Aber die älteren Sänger haben viel davon erzählt“, sagt Seitz. So kostete der Eintritt zur Faschingsfeier 1935 noch 50 Pfennig. 1938 bastelten die Männer einen Elefanten und luden unter dem Motto „Zirkus MGW“ zur Tier- und Völkerschau ein. 1952 verkleideten sie sich dann als Venezianer und schipperten mit einem Boot durch den Kobelsaal. Mit im Boot saß damals auch Seitz’ Vater.

Einen wahren Schatz an Erinnerungsbildern besitzt Erhard Salinger aus Altenmünster. Der 77-Jährige bekam Anfang der 1950er Jahre seine erste eigene Kamera. Zusammen mit seinem Bruder, der auch gerne fotografierte, hielt er das Faschingstreiben im Dorf fest. „Wenn etwas Interessantes passierte, wurde es als Thema für einen Wagen aufgegriffen“, sagt Salinger. Die drei Orte Eppishofen, Altenmünster und Hennhofen bildeten die Faschingsgesellschaft Eppmünhelia. Die Umzüge seien einfacher, die Wägen in ein paar Tagen gebaut gewesen. Heutzutage sei die Musik lauter. „Damals saß die Blasmusik auf dem Wagen und die Musik war im Vorbeifahren schon wieder verflogen“, erinnert sich Salinger.

Er selbst saß nur einmal mit auf dem Wagen – als 16-jähriger Gartenzwerg. Viel hätten sie damals nicht gehabt. Aus einem Molkereiwagen, Plakaten und Zweigen zauberten sie ihren „Märchenwagen“ und zogen damit 1957 durch Altenmünster. Danach ließen sich die Mädchen, die mit auf dem Wagen waren, von ihm fotografieren. Salinger erinnert sich: „Der Apparat hatte damals noch keinen Blitz, sondern eine Zündschnur.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren