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Meitingen

29.01.2020

So schwer finden Menschen mit Behinderung Arbeit

Benedikt Lohwasser gemeinsam mit seinen Eltern (links), seinem Arbeitgeber Christoph Klimesch (rechts) und dem Landtagsabgeordneten Dr. Fabian Mehring gemeinsam an seinem Arbeitsplatz. 
Bild: Michaela Meier

Benedikt Lohwasser sitzt im Rollstuhl. Die Chancen auf eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt stehen schlecht. Wie es in Meitingen jetzt doch geklappt hat.

Benedikt Lohwasser ist mit seiner neuen Anstellung hochzufrieden. Im Moment arbeitet er viel am Wirtschaftssystem des Betriebs „etaLight“ in Meitingen, auch mit der Lichtplanung hat er oft zu tun. Doch was nach einer ganz normalen Festanstellung klingt, ist für Lohwasser ein mühsam erkämpfter Erfolg, für den er sich gemeinsam mit seinen Eltern und mit dem Meitinger Landtagsabgeordneten Dr. Fabian Mehring von den Freien Wählern über Monate hinweg mit verschiedensten Behörden auseinandersetzen musste. Denn: Der 21-Jährige sitzt im Rollstuhl.

„Du musst das Glück haben, auf Menschen zu treffen, die sich auf dich einstellen wollen und die viel Geduld mitbringen“, sagt Lohwasser. Dieses Glück hatte er im Sommer vergangenen Jahres, als er auf den Inhaber des Meitinger Beleuchtungsfachhandels „etaLight“, Christoph Klemesch, traf. Dieser gab ihm eine Chance und wurde zwischenzeitlich zu seinem Lehrmeister.

Es gab eine Reihe bürokratischer Hürden zu nehmen

Klemesch selbst hat aber auch viel dazugelernt. Mit dem Thema Behinderung am Arbeitsplatz habe er sich vorher nur wenig beschäftigt. „Bei der Probearbeit habe ich mich dann aber sehr schnell dazu entschlossen, Benedikt anzustellen“, sagt der Meitinger Unternehmer. Er ist sehr glücklich mit der Arbeit seines neuen Angestellten: Dieser habe anfangs noch keine praktische Erfahrung gehabt, sei aber sehr schnell immer besser geworden. Bevor Benedikt Lohwasser jedoch anfangen konnte, zu arbeiten, gab es eine Reihe bürokratischer Hürden zu nehmen. Monatelang rangen seine Eltern mit Behörden, um Fahrdienst, persönliche Assistenz und finanzielle Förderungen zu organisieren.

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Damit sind sie nicht alleine: „Menschen mit Behinderung wird es sehr schwer gemacht, an eine Beschäftigung zu kommen“, sagt Lohwasser. Die Bürokratie sei hierbei das größte Problem. Dabei seien Menschen mit Behinderung oft hoch qualifiziert, wie Elsa Koller-Knedlik, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Augsburg, erzählt. „Der Anteil der Fachkräfte unter den arbeitslosen Menschen mit Behinderung beträgt 58 Prozent.“ Bei Menschen ohne Behinderung seien es im Vergleich dazu nur 38,4 Prozent. Allerdings seien die Zahlen der berufstätigen Menschen mit Behinderung in den vergangenen Jahren bereits gestiegen: Von etwa 6.200 Beschäftigten im Jahr 2011 ist die Zahl bis 2016 in der Region auf etwas mehr als 7.400 Menschen gewachsen.

Echte Inklusion auf dem Arbeitsmarkt kann gelingen

Für Familie Lohwasser war der Weg bis zu Benedikt Lohwassers Festanstellung trotzdem steinig. Nach langen Bemühungen entschloss sie sich schließlich, den Landesparlamentarier der Freien Wähler Fabian Mehring ins Boot zu holen. Dieser machte sich bei der Chefin der Agentur für Arbeit und der Regierung von Schwaben für Benedikt Lohwasser stark. So gelang es, die Ausbildung des 21-Jährigen zu ermöglichen. „Zwischenzeitlich hat sich sogar die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur persönlich eingeschaltet und die letzten Steine aus dem Weg geräumt“, freut sich Mehring. Er nennt Lohwassers geglückte Arbeitssuche ein „Leuchtturm-Projekt“: Es zeige, dass echte Inklusion auf dem Arbeitsmarkt gelingen kann.

Deshalb wollen die Lohwassers, Arbeitgeber Klimesch und Fabian Mehring es auch nicht beim persönlichen Erfolg für Benedikt belassen. Als Mehring Benedikt Lohwasser in dessen neuer Arbeitsstelle besuchte, vereinbarte er mit dem jungen Angestellten und seinem Arbeitgeber, die Spitzenvertreter aller Institutionen, die an Lohwassers Arbeitssuche beteiligt waren, nach Meitingen einzuladen. „Wir wollen uns für die Hilfe bedanken und zeigen, was aus Benedikts Weg geworden ist“, sagt Mehring. Es solle aber auch deutlich gemacht werden, welche Bürokratie dafür zu meistern war und wie das vereinfacht werden könne, denn: „Nicht jeder hat so engagierte und versierte Eltern wie Benedikt. Trotzdem darf erfolgreiche Inklusion nicht am Amtsschimmel scheitern“, so der Politiker. (mit pm)

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