Newsticker
Ab Ende Mai sollen sich alle Erwachsenen impfen lassen können
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. So vermeiden Mieter Streit und Stress mit Nachbarn und Vermieter

Landkreis Augsburg

21.01.2021

So vermeiden Mieter Streit und Stress mit Nachbarn und Vermieter

Wann und wie wird geputzt? Die Hausregeln erklärt eine leicht verständliche Broschüre aus Neusäß.
Foto: Christin Klose, dpa-tmn (Symbolbild)

Plus Für viele Menschen im Kreis Augsburg ist es schwer, eine günstige Wohnung zu finden - aber auch zu behalten, weil sich manche mit den Hausregeln nicht auskennen.

Müll falsch getrennt, lautstarker Besuch zu nachtschlafender Zeit, Küchenabfälle verstopfen die Toilette: "Andere Länder, andere Sitten" - dieser tolerante Leitspruch kommt Vermietern natürlich kaum in den Sinn, wenn ihr Mieter für Ärger im Wohnhaus sorgt. Zu hart umkämpft sind günstige Mietwohnungen. Wie Menschen - vor allem jene mit wenig Deutschkenntnissen - sich als gute Mieter erweisen können, soll eine Broschüre ihnen leicht verständlich zeigen.

Seit drei Jahren gibt es ein Schulungskonzept für Flüchtlinge und andere Interessenten, das erst einmal dabei helfen soll, eine Mietwohnung zu finden. Diese "Mieterqualifizierung", die mittlerweile bundesweit erfolgreich ist, haben vor einigen Jahren die Neusässer Susanne Kern und Uwe Krüger ehrenamtlich entwickelt. Nun haben sie eine Broschüre erstellt, die leicht verständlich die Grundregeln des Zusammenlebens in einem Mehrfamilienhaus erklärt.

Nachbarschaft im Kreis Augsburg: Regeln werden verständlich erklärt

Den Grund erklärt Susanne Kern so: "Wer Fehler macht als Mieter, fühlt sich unsicher." Manchmal bestehe auch die Gefahr, aus der mit großem Aufwand gefundenen Mietwohnung wieder gekündigt zu werden, weil Regeln aus Unkenntnis missachtet werden, erklärt Susanne Kern. Dies betrifft vor allem Migranten aus einem anderen Kulturkreis, die die Sprache schlecht verstehen. Als Hilfe gibt es nun von Susanne Kern und Uwe Krüger eine Infobroschüre für Mieter.

Derzeit finden die meisten Absprachen zwischen Uwe Krüger und Susanne Kern (rechts) per Videokonferenz statt. Die beiden arbeiten seit Jahren ehrenamtlich dafür, dass Benachteiligte bessere Chancen am umkämpften Mietmarkt haben.
Foto: Marcus Merk

Darin werden auf 40 Seiten in einfacher deutscher Sprache, aber auch mit vielen selbsterklärenden Bildern, die Regeln zum Lüften, Heizen, Mülltrennung, Brandschutz und Ruhezeiten erklärt. Durch die leicht verständliche Darstellung ist die Broschüre auch für Behinderte, Senioren oder all jene geeignet, denen das Lesen und Umsetzen komplexer deutscher Hausordnungen und Verhaltensanleitungen schwerfällt.

Für Ausländer kann es zum Beispiel sehr mühsam sein, herauszufinden, welches Putzmittel mit deutscher Bezeichnung man für welchen Zweck benutzen soll oder welches Material in welche Recyclingtonne gehört. Auch Kinderwagen, Fahrräder oder Schuhe im gemeinschaftlichen Treppenhaus können für Unfrieden in der Hausgemeinschaft sorgen.

Die Broschüre zum Zusammenleben im Mehrfamilienhaus.
Foto: Marcus Merk

Bereits 700 Exemplare wurden von vielen Wohnungsbaugesellschaften, Kommunen und Sozialverbänden bestellt. Die Broschüre soll Mieter auf ihre Pflichten hinweisen, damit ein dauerhaftes, harmonisches Mietverhältnis gelingen kann. "Wir haben viele positive Rückmeldungen, etliche Wohnbaugesellschaften händigen das Heft nun gleich zusammen mit dem Mietvertrag aus", berichtet Susanne Kern.

Schulungskonzept zu Mieterqualifizierung ist bundesweit erfolgreich

Diese Regeln sind auch Teil der Schulungen, die die "Mieterqualifizierung" aus Neusäß vor gut drei Jahren entwickelt hat. Damals haben sich Susanne Kern und Uwe Krüger, im Hauptberuf Unternehmensberaterin und Banker, Gedanken gemacht, wie man Geflüchteten helfen kann, auf eigenen Beinen zu stehen und ihre Chancen auf dem umkämpften Mietmarkt zu erhöhen. Immerhin werden Flüchtlinge mit Bleiberecht sonst in ihrer Asylunterkunft unfreiwillig zu "Fehlbelegern". Das heißt, sie bleiben in den Gemeinschaftsunterkünften, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt.

Die Broschüre zur Mieterqualifizierung ist leicht verständlich auch für Mieter mit wenig Deutschkenntnissen.
Foto: Marcus Merk

Kern und Krüger entwickelten 2016 eine Schulung mit einem dicken Arbeitsheft und einem Trainerleitfaden. Die Homepage www.mieterqualifizierung.de entstand. Die Nachfrage entwickelte sich in den Folgejahren explosionsartig und stieß in ganz Bayern und auch bundesweit auf großes Interesse. Helferkreise, Kommunen, Landratsämter, Sozialverbände, Volkshochschulen und freie soziale Träger arbeiten inzwischen mit den Unterlagen und dem Schulungskonzept der beiden Neusässer, das diese gegen eine Schutzgebühr auf USB-Stick verschicken. Inzwischen gibt es die weiterentwickelte, acht Auflage von "Fit für die eigene Wohnung".

Kreis Augsburg: Größere Chancen am Wohnungsmarkt nach Schulung

Wie die Ehrenamtlichen berichten, haben inzwischen rund 20.000 Teilnehmer die Schulung absolviert und 190 weitere Trainer und Multiplikatoren wurden geschult, die dann ihrerseits den Kurs anbieten können. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es mittlerweile durchaus von Vorteil ist, das Zertifikat der Mieterqualifizierung vorweisen zu können", sagten die Ehrenamtlichen nach etlichen Monaten Erfahrung mit den Schulungen. Kursabsolventen hätten vor allem bei Städten und Wohnungsbaugesellschaften bessere Chancen.

Für ihre Initiative wurden Susanne Kern und Uwe Krüger 2017 mit dem Integrationspreis der Regierung von Schwaben ausgezeichnet und sie waren für den Deutschen Engagementpreis 2018 nominiert. Das Projekt wird vom Bayerischen Innenministerium unterstützt.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren