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Oberschönenfeld

18.11.2017

So wird der Umbau selbst zur Ausstellung

Im Volkskundemuseum Oberschönenfeld sind seit 1984 unter anderem Exponate zu sehen, die Aspekte aus dem Leben und der Kultur in Schwaben über die Jahrhunderte hinweg zeigen. Jetzt wird umgebaut.
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Im Volkskundemuseum Oberschönenfeld sind seit 1984 unter anderem Exponate zu sehen, die Aspekte aus dem Leben und der Kultur in Schwaben über die Jahrhunderte hinweg zeigen. Jetzt wird umgebaut.
Bild: Marcus Merk

Es geht voran im Volkskundemuseum Oberschönenfeld. Bis zur Wiedereröffnung gibt es aber noch einiges zu tun. Passend dazu begrüßt ab Sonntag eine neue Sonderausstellung die Besucher.

Bei welchem Ausstellungsstück soll welcher Text stehen? Welche Vitrine soll für Rollstuhlfahrer unterfahrbar werden, und wie sollen überhaupt die Inhalte für die Medien- und Mitmachstationen aussehen? Die Feinplanung im Ochsenstall des Volkskundemuseums in Oberschönenfeld läuft auf Hochtouren. Museumsleiterin Beate Spiegel erklärt: „Jetzt geht es an die Details.“

Seit 1984 nutzt das Schwäbische Volkskundemuseum Gebäude des ehemaligen Klosterguts der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld mitten in den Westlichen Wäldern. Seither waren hier Exponate zu sehen, die Aspekte aus dem Leben und der Kultur in Schwaben über die Jahrhunderte hinweg zeigen.

Auch künftig sollen im Erdgeschoss Sonderausstellungen gezeigt werden. Neu wird allerdings die Dauerausstellung konzipiert. „Wohnen auf dem Land“ ist seit 1991 im Obergeschoss untergebracht, „Bräuche durchs Jahr – Fest im Leben“ ist bereits seit 13 Jahren im Dachgeschoss zu sehen. Nun soll alles neu werden: „Es wird nicht mehr der gesamte Bestand präsentiert, sondern es werden Exponate ausgewählt, die eine oder mehrere Geschichten erzählen“, erklärte Spiegel. Mehrere Leitthemen sollen die Ausstellung prägen.

Das erste Obergeschoss widmet sich dem Leben in überlieferten Ordnungen. Erstmals ist ein Drittel dieser Schau der „Lebenswelt Kloster am Beispiel der gut 800 Jahre alten Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld“ gewidmet. Ein zweiter Bereich im ersten Obergeschoss erläutert den Alltag von Frauen, Männern und Kindern im ländlichen Schwaben zwischen 1900 und dem Strukturwandel in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Noch schlägt einem aus dem größten Gebäude der Anlage gähnende Leere entgegen. Bis der Ochsenstall mit den neuen Dauerausstellungen seine Pforten wieder vor den Sommerferien öffnet, muss noch einiges an Arbeit investiert werden. „Jetzt werden die Gewerke ausgeschrieben und dann warten wir auf Angebote“, sagt Beate Spiegel. Im ehemaligen Pferde- und Ochsenstall werden von 1200 Quadratmetern Fläche etwa 880 Quadratmeter neu gestaltet.

Hauptsächlich wegen des Brandschutzes. Außerdem wird die Beleuchtung im Sonderausstellungsbereich auf LED-Lampen umgestellt. Die Kosten der Neugestaltung beziffert Beate Spiegel insgesamt auf knapp 2,4 Millionen Euro.

Mit Renovierungsarbeiten ist das Museumsteam vertraut. Bereits 2013 wurde der ehemalige Schafstall für rund eine Million Euro umgebaut. Nach drei Jahrzehnten sahen der Bezirk Schwaben und das Museumsteam die Zeit für eine Modernisierung gekommen.

Den Umbau als Chance, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, nutzt die neue Sonderausstellung „Vorsicht Baustelle! Was tut sich im Museum?“. Besucher sollen ab Sonntag im Erdgeschoss der nahen Galerie in die Rolle der Mitarbeiter schlüpfen und erleben, was moderne Museumsarbeit bedeutet. Die Angestellten erklären im persönlichen Gespräch ihren Arbeitsalltag, woher die Objekte stammen, wie sie verwahrt werden und wie schwer es ist, eine Auswahl für die Sammlung zu treffen. Darüber hinaus stellen die Mitarbeiter in der wiederkehrenden Führung „Objekt des Monats“ ihre Lieblingsstücke vor.

Ebenfalls ab Sonntag, 15 Uhr, ist im Obergeschoss des Gebäudes eine weitere Schau zu sehen: Anstelle einer Weihnachtsausstellung wartet auf die Besucher die Ausstellung „Schnee und klirrende Kälte“, welche die vielen Facetten des Winters aufgreift. Während die kalte Jahreszeit für die einen Gefahr und Entbehrung bedeuten, freuen sich die anderen über die romantische Natur.

Gezeigt werden 25 Winterbilder aus den Beständen des Museums. Darunter Gemälde und Aquarelle von 20 Kunstschaffenden aus ganz Schwaben.

An Winterszenen vergangener Zeiten erinnern beispielsweise die Schlittschuhläufer von Otto Schorer oder die Spaziergänger des Augsburger Künstlers Hans Härtel. Mit einem der ältesten Bilder in der Ausstellung, einem Werk von August Hofer aus dem Jahr 1948, wird ebenfalls die Kälte betont: Eine verhärmt wirkende Frau schiebt einen Karren voller Brennholz durch die verschneite Straße. Der ironische Bildtitel ’Der Frühling’ lässt umso mehr an die Härte der scheinbar nicht enden wollenden beschwerlichen Jahreszeit denken. Neben persönlichen Dingen verband der Künstler damit auch die Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Krieg.

Gegenwärtig sind Künstler an anderen Aspekten des Winters interessiert. Wie es sich im Freien bei klirrender Kälte anfühlt zu aquarellieren, dieser Frage geht Wilhelm Eger nach. Welche Strukturen eine Winterlandschaft bildet, interessiert Edith Baumann und Christian Hörl. Schnee in seiner Beschaffenheit, Haptik und Sinnlichkeit wiederzugeben ist eines der zentralen Anliegen von Szilard Huszank. Ein Begleitprogramm mit Sonntagsführungen wird von Bärbel Steinfeld angeboten; Familienführungen gibt Oda S. Bauersachs.

Vernissage für die beiden Ausstellungen ist am morgigen Sonntag, 19. November, um 15 Uhr in der Schwäbischen Galerie. Die Ausstellung dauert bis zum 14. Januar und ist jeweils Dienstag bis Sonntag und an allen Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Heiligabend und Silvester sind die Ausstellungen von 10 bis 14 Uhr zu sehen.

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