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Landkreis Augsburg

26.11.2020

So wollen Wirte und Händler den Dezember-Lockdown überstehen

Der Teil-Lockdown wurde bis 20. Dezember verlängert.
Foto: Frank Hoermann/Sven Simon

Plus Der Corona-Lockdown wird verlängert. Wie Gastronomen und Händler im Landkreis reagieren. Vorsichtiger Optimismus bei den Anbietern von Feuerwerkskörpern.

Der Lockdown geht in die Verlängerung. Restaurants und Bars im Landkreis bleiben geschlossen. Freizeitstätten und Sportstudios sind bis Weihnachten ebenfalls zu. Ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit ist nun auch der Handel von weiteren Einschränkungen betroffen. Die befragten Händler und Gastronomen im Landkreis haben ihre Strategien für diesen Winter aber längst ausgearbeitet. Selbst Pyrotechnik-Händler sehen dem Jahreswechsel derzeit hoffnungsvoll entgegen.

Obwohl die Kommunen die Menschen darum gebeten haben, auf Feuerwerk zum Jahreswechsel zu verzichten. Denn jedes Jahr beginnen einige Menschen das neue Jahr mit einem Krankenhausaufenthalt, weil sie sich mit Böllern oder Raketen verletzt haben. Um die Kliniken in Corona-Zeiten nicht zusätzlich zu belasten, solle auf Feuerwerk lieber verzichtet werden, hieß es. Inwieweit sich die Menschen diesem Appell annehmen, vermag Fritz Sauer von der Kunstfeuerwerk-Fabrik in Gersthofen nicht zu sagen. "Manche werden sich sicher zurückhalten", vermutet er.

Es werde aber auch solche geben, die sagen, dass sie es jetzt erst recht krachen lassen wollen, nachdem sie dieses Jahr hinter sich haben. "Das sind meine Kunden, auf die zähle ich", sagt Fritz Sauer. Drei Tage hat er Zeit, um sie zu bedienen. Das Hygienekonzept für den Feuerwerksverkauf liegt bereits fertig in der Schublade. Um die Abstände einzuhalten, muss ein Zelt aufgebaut werden, in dem zwei Beratungsplätze für Kunden stehen. Die Berater geben die Wunschlisten der Kunden in die Innenräume weiter, wo alles zusammengestellt und an die Kasse gebracht wird. Zwar könne er dadurch nicht mehr so viele Kunden pro Stunde bedienen wie früher, doch Fritz Sauer sagt auch: "Ich bin froh, dass das drohende Verbot der Feuerwerkskörper vom Tisch ist."

"Ein Verbot wäre ein Riesenproblem gewesen"

Das geht Floyd Wurster, Produktmanager bei Raketenmodellbau Klima in Emersacker, genauso: "Ein Verbot wäre ein Riesenproblem gewesen." Die Hersteller würden ihre Pyrotechnik schon im Sommer liefern. Bei einem Böllerverbot wären Händler und Supermärkte auf der Ware sitzen geblieben.

In Emersacker habe es dieses Jahr aber schon mehr Bestellungen gegeben als sonst, berichtet Floyd Wurster weiter. Viele hätten angerufen, weil sie auf Feuerwerk zum Jahreswechsel nicht verzichten wollen. Daher sei er derzeit vorsichtig optimistisch. Der Verkauf findet in einer Lagerhalle statt, um ausreichend Platz für die Kundschaft anbieten zu können.

Lieber gleich morgens einkaufen gehen

Im Dezember müssen Geschäfte mit einer Größe von bis zu 800 Quadratmetern pro Kunde zehn Quadratmeter Verkaufsfläche vorweisen können. Größere Läden müssen für die ersten 800 Quadratmeter ebenfalls zehn Quadratmeter Verkaufsfläche vorhalten, für die weitere Verkaufsfläche gilt die Regel: Pro Kunde 20 Quadratmeter. Der Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbandes Bayern, Andreas Gärtner, erklärt, dass Händler mit kleineren Verkaufsflächen dadurch nicht ganz so stark belastet seien. In Innenstädten wie in Augsburg seien die Umsätze im Textilbereich mitunter um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Auch im Augsburger Land gebe es Umsatzrückgänge, in der Peripherie sei die Lage jedoch oftmals nicht ganz so dramatisch. Viele Kunden würden Menschenansammlungen und öffentliche Verkehrsmittel meiden, um sich nicht mit Corona zu infizieren. "Gehen Sie unter der Woche einkaufen oder gleich in der Früh und vermeiden Sie Stoßzeiten", rät Andreas Gärtner all jenen, die ihre Weihnachtsgeschenke lieber in einem Laden kaufen als am Computer.

Ikea rät Kunden dazu, die Wochentage zu nutzen

Das rät auch der Möbelgigant Ikea seinen Kunden in Gersthofen. Hier werden die Kunden extra darauf hingewiesen, möglichst unter der Woche und nicht am Samstag zu kommen. Schon seit März gebe es Sicherheitspersonal, das Kundenströme lenkt und auf Abstände aufmerksam macht, erklärt eine Sprecherin. Wie viele Kunden sich auf den durchschnittlich 1500 Quadratmetern Ikea-Verkaufsfläche befinden, werde maschinell gezählt. Mit einem Einbruch des Geschäfts rechnet bei Ikea kaum jemand. Wie die Sprecherin des Unternehmens erklärt, habe Ikea das Vorjahresergebnis erreicht, obwohl die stationären Möbelhäuser 2020 sieben Wochen lang geschlossen waren. Viele Kunden hätten online eingekauft.

Bei den Gastronomen bleibt die Lage angespannt. Seit Mittwoch können sie die Novemberhilfen abrufen, wie der Sprecher der jungen Gastronomen in Schwaben, Marc Schumacher, der Wirt der Alten Posthalterei in Zusmarshausen, erklärt. Davon würden aber beispielsweise noch das Kurzarbeitergeld, Waren oder sonstige Förderungen und Überbrückungshilfen aus dem ersten Lockdown abgezogen. Marc Schumacher rechnet nicht damit, dass er das Restaurant Weihnachten öffnen kann. Wann es einen Betrieb ohne Auflagen geben könnte? "Unser Konzept ist eigentlich auf Ostern ausgelegt", sagt er. "Ich bin positiv gestimmt." Im Moment liefern seine Mitarbeiter Essen aus. An Weihnachten soll es Gänse to go geben. Die seien sehr gefragt.

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