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Gersthofen

28.07.2019

Sogar der Tod bringt alle zum Lachen

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„Der Brandner Kaspar und das ewige Leben“ auf dem Rathausplatz ist nach dem Festumzug der zweite Höhepunkt beim Stadtjubiläum in Gersthofen. Eine außergewöhnlich gelungene Premiere unter dem riesigen Zeltdach erlebten nun 500 Zuschauer. 
Bild: Marcus Merk

Beim „Brandner Kaspar und das ewige Leben“ bleibt in Gersthofen auf dem Rathausplatz kaum ein Auge trocken. Sogar das Wetter spielt mit.

Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der ausverkauften Premiere sitzen alle 500 Zuschauer auf ihren Plätzen. Zeit genug, um das riesige Zeltdach zu bewundern, das Wetter kritisch zu beobachten und darüber zu spekulieren, ob wohl beides hält. „Der Brandner Kaspar und das ewige Leben“ auf dem Rathausplatz ist nach dem Festumzug der zweite Höhepunkt beim 50-jährigen Stadtjubiläum in Gersthofen.

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Jeder kennt eigentlich jemanden, der bei dem gigantischen Spektakel in irgendeiner Form involviert ist. Bei diesem Theaterstück wird das mehr als deutlich sichtbar. Insgesamt kommen an allen drei Spielabenden 1500 Zuschauer in den Genuss, diese außergewöhnlich gelungene Aufführung zu sehen. Drei Stunden – abzüglich einer 15-minütigen Pause – beste Unterhaltung von Gersthofern für Gersthofer.

Jetzt gilt‘s

Die Gersthofer Schwob´n Deifi stimmt mit zünftiger Musik auf das bayerische Rundumerlebnis ein. Regisseur Manfred Lamprecht bespricht sich noch kurz mit den Musikanten, checkt hier und da etwas. Es ist ihm anzumerken: Jetzt gilt‘s. Kulturamtsleiter Uwe Wagner geht es nicht viel anders. Auch er hat mit ein Auge darauf, dass von Stadthallenseite aus alles passt. Dann folgt der erste Theatergong. Und bis der zweite ertönt, ist es mucksmäuschenstill.

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Bürgermeister Michael Wörle begrüßt schwungvoll das Publikum, führt die Gäste kurz in das Stück ein und gibt Sicherheitshinweise. Doch viel Zeit für Worte bleiben ihm nicht – die Treibjagd beginnt, Schüsse fallen und Wörle muss von der Bühne eilen. So war der Bürgermeister einen Moment lang mitten im Geschehen. Die Rolle des Bürgermeisters Alois Senftl hat allerdings der erfahrene Lukas Kiermeyr inne und dieser mimt einen authentischen Amtsinhaber mit Herz. Doch nicht nur er kann glänzen.

40 Seiten Text für den Boandlkramer

Vor allem der Boandlkramer Christian Zirngibl bringt das Publikum immer wieder zum Lachen. Und zwar so sehr, dass sogar manche Träne rollte. Aus dem 80-seitigen Rollenbuch gehören allein ihm 40 Seiten Text und von den insgesamt sechs Bühnenbildern ist er in vieren zu sehen. Mit seiner zarten, unschuldigen Fistelstimme eines älteren Herrn gewinnt er als Tod die Herzen des Publikums. Seit Februar hat Zirngibl Hörbücher angehört, Texte gelernt, diese seinem Hund beim Gassi gehen vorgesagt, DVDs geguckt, auch die uralte Fassung des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 1934.

Auch der Brandner Kaspar alias Rainer Lechner, der beim TSV Firnhaberau Regisseur ist und bei der Kol-la Gersthofen seit vielen Jahren mitwirkt, spielt seine Rolle absolut echt und glaubwürdig.

Beide sind fantastisch in ihren Rollen

Herbert Lenz hat während der Aufführung als grantiger Erzengel Michael zwar einen kleinen Texthänger, der Zuschauer ist sich aber nicht sicher, ob das absichtlich so eingebaut ist oder nicht. Lenz hat es mit seinem Barockgewand und den breiten Flügeln aber auch alles andere als leicht. Ständig die Treppen rauf und runter, rein in die Himmelspforte, raus, wieder rein. Bei Regina Winter als Brandner´s Enkelin Marei und Julian Poppe als barfüßiger Petrus merkt man einfach die langjährige Erfahrung im Theaterverein Gersthofen. Beide sind fantastisch in ihren Rollen.

Das Wetter spielt übrigens seine Rolle am ersten Abend perfekt. Es donnert und blitzt zu den passenden Szenen, es stürmt, wenn´s auf der Bühne turbulent und stürmisch wird. Nur einmal patzt das Wetter, als es die Bäume umschmeißt und beinahe den armen Boandlkramer erwischt.

„Die gesamte Produktion wurde von einem Dreamteam gemacht“

Zuschauerin Franziska Harle ist nach der Aufführung begeistert: „Das war wirklich sehr gut gelungen. Eine herausragende Leistung.“ Bürgermeister Wörle ist ebenfalls sehr angetan: „Grandios! Einfach super! Mir hat es unglaublich gut gefallen.“ Manfred Lamprecht fasste es perfekt zusammen: „Die gesamte Produktion wurde von einem Dreamteam gemacht.“ Hier sei der gesamte Kol-la-Spirit zu spüren. Die Stadt habe die Probenräume gestellt, es gebe eine „saugute Zusammenarbeit mit dem Kulturamt“. Ohne Philipp Rogg wäre das Ganze übrigens gar nicht zustande gekommen. Als Kol-la Vorsitzender musste er genau abwägen, ob die Truppe sich das zutraut. Doch die Kol-la ist ein eingespieltes Team, es hat alles bestens geklappt.

Unvorhergesehen war nur, dass Luzi, das Teufelchen verunfallte und nur 24 Stunden bis zum Auftritt ein neues gefunden werden musste. Da lag es nahe, dass Philipp Rogg seinen 13-jährigen Sohn Elias fragte, ob er einspringen würde. Das passte wie die Faust auf´s Auge, denn Elias gab ein Teufelchen, das Feuer unterm Hintern und selbst den Moonwalk im Himmel drauf hat.

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Brandner Kaspar und das ewige Leben
Bild: Marcus Merk

Gute zwölf Monate Planung und Vorbereitung steckten dahinter und seit März wurde zwei Mal wöchentlich geprobt. Der tosende Applaus am Freitag, exakt um Mitternacht, zeigte: Arbeit und jede investierte Minute haben sich gelohnt.

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