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Prozess in Augsburg

09.05.2019

Sohn greift seinen schlafenden Vater mit dem Messer an

Die Polizei überwältigte später den 24-Jährigen im Haus.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Ein Mann aus dem Augsburger Land geht nachts auf seinen Vater los. Er fühlt sich vom israelischen Geheimdienst Mossad bedroht. Nun steht der 24-Jährige vor Gericht.

In seinem Zimmer hatte er einen Hammer und eine Machete aufbewahrt, um sich im Ernstfall wehren zu können: Ein 24-Jähriger aus dem Landkreis fühlte sich vom israelischen Geheimdienst verfolgt.

Als sich im Juli 2018 seine Wahnvorstellungen zuspitzten, ging der junge Mann nachts plötzlich mit einem Gemüsemesser auf seinen Vater los – er dachte, dass er Mitglied beim Mossad ist. Jetzt muss sich der junge Mann wegen versuchten Mordes am Landgericht Augsburg verantworten.

Mit einer Wolldecke wehrte er die Attacke ab

Der Vater trug bei dem Angriff leichte Verletzungen am Unterarm davon. Er war auf der Couch im Wohnzimmer eingeschlafen, als ihn sein Sohn gegen zwei Uhr nachts lautstark weckte. In einer Hand hielt er ein Messer. Er rief: „Gehörst Du dazu?“ Im nächsten Augenblick sei sein Sohn mit dem Messer auf ihn zugegangen. Mit einer Wolldecke wehrte er die Attacke ab. Anschließend sei er barfuß aus dem Haus gerannt. Gestürzt. Aufgestanden. Und auf die Straße gerannt. Sein Sohn folgte ihm. Er schrie: „Ich stech’ Dich ab.“ Nach einigen Metern sei der Sohn stehen geblieben und umgekehrt.

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Mit einem Handy in der einen und dem Messer in der anderen Hand sei er zurückgekehrt. Und bat seinen Vater: „Ruf’ die Polizei.“ Doch als er wieder zu schreien begann, setzte sich der Vater ans Steuer seines Autos und brachte sich in Sicherheit. Die Polizei überwältigte später den 24-Jährigen im Haus.

Die Katholische Kirche, das Judentum und den Protestantismus zerstören

Zum Prozessauftakt berichtete der Angeklagte (Verteidiger: Moritz Bode) eine Stunde lang über seine Familie, sein Weltbild und seine Krankheit. Den Angriff hatte er freilich anders in Erinnerung. Er habe sich in einem psychotischen Zustand befunden. Einige Stunden zuvor sei er im Garten gewesen und habe laut gezählt und gedroht: „Bei Zehn zerstöre ich die Katholische Kirche, das Judentum und den Protestantismus“. Dann habe er sich wieder beruhigt und sei in sein Zimmer gegangen, um am Computer „zu basteln“. Irgendwann habe es ihn wie einen Blitz getroffen: „Ich wollte meinen Vater fragen, ob er zum Mossad gehört.“ Der Geheimdienst und seine Machenschaften hätten ihn interessiert. Und dann nicht mehr losgelassen.

Er habe aber niemals einen Mord begehen wollen. „Mein Vater ist doch alles, was ich noch habe. Ich wollte ihn nur schockieren und mir mit allem, was möglich ist, Gehör verschaffen.“ Er wollte die volle Aufmerksamkeit seines Vaters – nachts um 2 Uhr. „Ich habe theatralisch herumgebrüllt“, erinnerte sich der heute 25-Jährige vor Gericht. Und gab zu: „Ich wäre gerne ein Schauspieler.“ In der Familie sei er nur als der „hoffnungslose Psychokranke“ geduldet worden. „Sie haben mich wie einen Holzklotz behandelt.“

Angeklagter war bereits zweimal in einem Bezirkskrankenhaus

Die Realität sei schrecklich gewesen, die Psychose noch schrecklicher. Er habe sich in dem Dorf gefangen gefühlt. Und: Er sei über seine Gesamtsituation wütend gewesen. Zweimal habe er eine Ausbildung abgebrochen. Einmal, weil es ihm zu laut war. „Ich bin sensibel“, gestand er vor Gericht. Tatsächlich befand sich der junge Mann schon zweimal stationär in einem Bezirkskrankenhaus. Mehrfach sei in der Familie schon zu Zwischenfällen gekommen, berichtete der Vater. Die Prozess wird fortgesetzt.

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