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Energieversorgung

23.10.2019

Sonnenstrom bewegt echte Schwergewichte

Der 67 Tonnen wiegende Trafo wurde vom Speziallastwagen auf das Fundament im Umspannwerk in Gersthofen gehoben.
Bild: Michael Hochgemuth, LEW

Der Ausbau der Photovoltaik im Landkreis hat wieder an Fahrt gewonnen. Das macht sich an vielen Stellen bemerkbar

Es war ein echtes Trumm, das der Spezialtransporter da anschleppte: 9,5 Meter lang, vier Meter hoch, 67 Tonnen schwer. Der Transformator für das Umspannwerk in Gersthofen geht in diesen Tagen in Betrieb, erst im September war ein ähnliches Teil in Horgau ans Netz der Lechwerke (LEW) gegangen.

Die Installation der Schwergewichte zeigt: Der Ausbau der Sonnenstromerzeugung im Augsburger Land hat wieder an Fahrt gewonnen. Denn die Transformatoren sind dazu gedacht, das örtliche Stromnetz fit zu machen für die wachsende Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien.

Die Zunahme bei der Photovoltaik belegen auch Zahlen des Stromversorgers LEW. Unternehmenssprecher Ingo Butters: „Wir sehen wieder deutlich höhere Zuwachsraten als noch vor einigen Jahren: So ist der jährliche Zuwachs an PV-Anlagen im Landkreis Augsburg innerhalb von vier Jahren um mehr als ein Drittel gestiegen.“

Sonnenstrom bewegt echte Schwergewichte

Privatleute und Unternehmen schrauben sich laut LEW wieder verstärkt Anlagen aufs Dach, zudem legten auch die größeren Freiflächenanlagen zu. Der Stromversorger selbst baut die klimaneutrale Solarstromerzeugung aus eigenen PV-Anlagen weiter aus. Butters: „Bis Jahresende werden wir die Zahl unserer PV-Anlagen im Vergleich zu 2017 mehr als verdreifacht haben, die installierte Leistung steigt auf 7,2 Megawatt.“ Das Potenzial in Bayerisch-Schwaben sei sogar noch wesentlich größer: Würden alle Dächer, bei denen dies technisch möglich ist, mit PV ausgestattet, würde das rechnerisch ein Drittel des Stromverbrauchs in Schwaben decken. Bislang sind es 14 Prozent. Auch im Augsburger Land ist noch Luft nach oben, an der Sonne liegt das aber nicht. Mit einer Globaleinstrahlung von 1140 Kilowattstunden pro Quadratmeter liege die Kraft der Sonne im Landkreis im bundesweiten Vergleich im oberen Bereich, sagt die Landkreisverwaltung. Was in den vergangenen Jahren fehlte, war indes ein ausreichender Zuwachs an Solaranlagen – offensichtlich eine Spätfolge der vom Bund zusammengestrichenen Einspeisungsvergütung.

Unter dem Strich jedenfalls werden im Landkreis die selbst gesteckten Ausbauziele für Photovoltaik bislang klar verfehlt. Im Frühjahr startete der Landkreis deshalb eine Solaroffensive. Mit der Werbe- und Informationskampagne sollten Privatleute und Bauern animiert werden, die Sonne anzuzapfen. Bislang gibt es im Kreis an die 13000 Anlagen. Der Erfolg sei überraschend groß gewesen, sagt Klimaschutzmanagerin Johanna Rügamer. Zu Infoabenden seien mehr als 100 Besucher gekommen, die Beratungstermine seien bis in den Januar hinein ausgebucht. Als Ursache macht Rügamer die Klimaschutz-Diskussion sowie finanzielle Anreize aus. Weil die Preise für die Photovoltaikmodule im Keller sind, rechnet sich für Privatleute nicht zuletzt der Eigenverbrauch des Sonnenstroms.

Doch auch die umstrittenen Solarparks auf landwirtschaftlichen Flächen sind wieder im Kommen – zumindest bayernweit. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) forciert das Thema, zuletzt hat ein Projekt in Aichach-Friedberg als eines von 19 bayerischen die Starterlaubnis bekommen. Gut möglich ist deshalb, dass bald wieder schwergewichtige Transformatoren durch die Landschaft rollen.

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