1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Soundfactory: Der Disco-Patriarch steht unter Druck

Gersthofen

17.02.2019

Soundfactory: Der Disco-Patriarch steht unter Druck

Alfons Weigl vergangenen Samstag in der Soundfactory Gersthofen. Die Großdiskothek öffnet erst um 23 Uhr und hat dann bis fünf Uhr morgens auf.
Bild: Christoph Frey

Plus Seit Jahrzehnten betreibt Alfons Weigl im Raum Augsburg Diskotheken. Mit der Soundfactory in Gersthofen ist er verstärkt in das Visier der Behörden geraten.

Nachts um halb eins ist der Laden so, wie er ihn haben will. Auf der Tanzfläche junge gut, gekleidete Menschen, fröhliche Stimmung. Ständig kommen mehr, am Eingang schießt ein eigens engagierter Fotograf Erinnerungsbilder von Paaren. Alfons Weigl breitet, die Arme aus, blickt um sich und ruft: „Das hat doch Niveau hier.“ Weigl, weißes Hemd und dunkler Anzug, muss die Stimme erheben, um verstanden zu werden. Denn in der Nähe der Tanzfläche einer Großdiskothek geht es nun mal laut zu.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weigl, der bald 70 Jahre alt wird, betreibt seit über vier Jahrzehnten Diskotheken im Großraum Augsburg. In Gersthofen ist er seit mehr als 30 Jahren. Seine Soundfactory gehört zu den großen Discos im süddeutschen Raum. Im Untergeschoss von Spiel&Freizeit im Hery-Park finden 1200 Gäste auf einmal Platz, in guten Nächten kommen bis zu 2000 Menschen in die Soundfactory.

Immer wieder Polizeieinsätze in der Soundfactory

Noch nie habe er ins seiner langen Laufbahn als Nachtgastronom großen Ärger mit den Behörden gehabt. Zuletzt aber macht die Gersthofer Disko weniger durch große Veranstaltungen von sich reden, als durch Polizeieinsätze. Bevorzugt auf dem Parkplatz kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Schlägereien und Weigl weiß, wenn sich die Lage nicht beruhigt, geht es um die Existenz. Schon jetzt haftet seinem Laden das Etikett an, die „problematischste Diskothek im gesamten Landkreis“ zu sein. Weigl findet diesen Vorwurf unfair. Er sagt: „Man will uns rausmobben.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der Gastronom verweist auf die Augsburger Innenstadt. Dort gab es 2017 mehr als 250 Übergriffe auf Polizeibeamte, Sorgenkind Nummer eins ist das Nachtleben. In und hauptsächlich vor der Soundfactory, die so viele Gäste aufnehmen könne wie alle Clubs in der Maxstraße zusammen, gab es laut Weigl zwischen Sommer 2015 und Sommer 2017 nur rund 30 Einsätze. Die Gersthofer Disco hat in der Regel nur samstags und vor Feiertagen geöffnet.

Wenn das so stimmt, dann war der Januar 2019 ein schlechter Monat. Denn da war die Polizei gleich achtmal da – vier Mal wegen Schlägereien. Nicht mitgerechnet ist dabei der Messerstich, den ein junger Mann offenbar bei einem Streit auf der Tanzfläche in die Leiste bekam und erst draußen bemerkte. Weigl meldet Zweifel an der Version an. Der Mann könne sich auch an einer Scherbe geschnitten haben. Das Opfer sei betrunken gewesen, mehrere Gläser seien zu Bruch gegangen.

1200 Gäste fasst die vor wenigen jahren umgebaute Soundfactory.
Bild: Christoph Frey

Thomas Klingler ist stellvertretender Chef der Polizei in Gersthofen und hat mit der Soundfactory seit Jahren zu tun. Sein Urteil fällt eindeutig aus: „Es kommt es immer wieder zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, zum Teil mit schwer verletzten Personen. Natürlich gibt es auch bei anderen Diskotheken Körperverletzungen, aber nicht in dieser Häufigkeit und mit solchen Folgen.“

Schlägereien und auf Köpfen zertrümmerte Bierflaschen

Auf Anfrage unserer Redaktion listet Klingler für die vergangenen zwölf Monate neun schwere Vorfälle auf: Schlägereien zwischen Gruppen mit bis zu zehn Menschen, Bierflaschen, die auf Köpfen zertrümmert werden, Gläser, die in Gesichtern landen. Einmal fahndete die Polizei auf dem Parkplatz vergeblich nach einer Schusswaffe. Den Vorwurf, seine Beamten hätten etwas gegen die Diskothek, weist der Gersthofer Polizeichef Markus Schwarz zurück: „Wir beschreiben nur die Fakten und versuchen, die Lage in den Griff zu bekommen.“

Dass die langen Nächte in einer Großdiskothek kein Kindergeburtstag sind, ist allen Beteiligten klar. Oder, wie Weigl es ausdrückt: „Wenn Du tausend herinnen hast, sind bestimmt drei Idioten dabei.“ Doch die Beamten in Gersthofen stellen nach eigenem Bekunden seit etwa zwei Jahren fest, dass die nächtlichen Einsätze für sie selbst immer gefährlicher werden. Sie werden beschimpft und zum Teil tätlich angegriffen. Der Tiefpunkt: Vor zwei Jahren mussten zwei Streifen einmal schlicht die Flucht vor einem Mob von 40 gewaltbereiten Menschen ergreifen. Es folgte ein Großeinsatz.

Dass Polizeibeamte zunehmend selbst Angriffen ausgesetzt sind, ist ein bundesweites Phänomen, bei dem Augsburg einen traurigen Rekord hält. In keiner anderen bayerischen Großstadt werden Beamte häufiger beschimpft und beleidigt. In Gersthofen betont Diskotheken-Betreiber Weigl immer wieder, dass es den meisten Ärger auf dem Parkplatz außerhalb der Disco gebe. Doch nach den Beobachtungen der Polizei gibt es einen Zusammenhang: Die Discoparty beginnt und endet auf dem Parkplatz und wenn es Ärger gibt seien die Beteiligten „teils hochgradig angetrunken“.

Mottos wie "Istanbul" oder "Balkan"

Seit einigen Jahren setzt die Großdisco, in die die Gersthofer früher traditionell nach dem Faschingsumzug gingen, auf so genannte Eventpartys mit Mottos wie „Istanbul“ „Moskau“, „Balkan“ oder „Albanischer Sound“. Externe Veranstalter buchen die DJs und sorgen für die Werbung unter den entsprechenden Nationalitäten – die Disco verkauft die Getränke und sorgt für die Sicherheit. Laut Weigl läuft das meist ohne große Probleme.

Die Polizei sieht das anders. Die geschlossenen Gruppen, die zum Teil von weither anreisten, brächten ihre Konflikte mit ins Lokal, die Türsteher täten sich schwer, Problemgruppen fern zu halten.

Problematische Gäste, sagt dagegen Alfons Weigl, hat es schon immer gegeben. Doch wenn er von seinen Anfängen als Diskothekenbetreiber erzählt, wird deutlich, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. In den 1970er Jahren in Kissing genügten ein paar kräftige Kellner, um Raufbolde an die Luft zu setzen. Heute, in Gersthofen, hat er an ganz normalen Abenden zehn Security-Leute im Einsatz, die Besucher auch nach Waffen abtasten.

Kommentar: Sicherheit muss über allem stehen

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

17.02.2019

Der Laden ist doch schon seit langer langer Zeit nur noch das Allerletzte. Kein normaler Augsburger geht da rein. Alleine die Tatsache, dass ein Hinweisschild am Eingang den Leuten erklären muss, dass der Eintritt mit Jogginghose nicht erlaubt ist, sagt schon alles über den Laden und sein Publikum.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren