Sendemast

04.11.2008

Souvenir vom Militär

So ein Souvenir hat nicht jeder. Norbert Brunner nennt eine Acht-Meter-Stahlgitterspitze samt roter Lampen sein Eigen: abmontiert vom Funkturm des ehemaligen US-Militärsenders AFN. Ein Baggerfahrer hat ihm das 1,5 Tonnen schwere Stück gebracht. Für Partybeleuchtung ist damit gesorgt.

Von Markus Schwer

Stadtbergen-Leitershofen - So ein Souvenir hat wirklich nicht jeder: Norbert Brunner nennt jetzt eine acht Meter lange Stahlgitterspitze samt zweier roter Lampen sein Eigen - abmontiert vom Funkturm des ehemaligen US-Militärsenders AFN an der Leitershofer Straße. Ein Baggerfahrer hat ihm das 1,5 Tonnen schwere Stück hinüber gebracht zu seinem Haus im Fryar Circle. Jetzt will er es auf gut drei Meter kürzen und aufstellen. Für die Beleuchtung sommerlicher Gartenpartys ist somit schon mal gesorgt.

"Es wäre doch schade, wenn alles verschwindet"

Und es bleibt noch ein Stück Erinnerung sichtbar an jenes halbe Jahrhundert, in dem die US-Streitkräfte an Lech und Wertach präsent waren. "Das war eine wichtige und prägende Zeit für Augsburg", sagt Brunner, der mit seiner Familie eines der Häuser in der ehemaligen Offizierssiedlung bewohnt - und das 56 Meter hohe Funkgerüst täglich vor Augen hatte. "Es ist ein Stück Zeitgeschichte und ein Stück meiner eigenen Lebensgeschichte", erzählt der 47-Jährige, der beruflich beim Projekt "Mission EineWelt" ausländische Studierende betreut. Denn auch Brunner - aufgewachsen nahe dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr - hatte sein Ohr früher immer ganz nah an den "American Forces Network, sprich "Ae-eF-eN". Er weiß noch ganz genau, dass die Morgensendung "Dream out" hieß, dass es viele Tipps für die GIs in Germany gab: "Don¿t drink and drive." Und Brunner erinnert sich noch an ein Landwirtschaftspraktikum, als er im Traktor die Rocksongs von Bruce Springsteen hörte. "Es war wirklich so!"

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Den Gittermasten hatten die US-Militärs eingerichtet, um rund um die Uhr ein "Truppenbetreuungsprogramm" zu senden, das erst über die Mittelwellenfrequenz 1485 kHz ausgestrahlt wurde, später auch über UKW 100,0 MHz. Und AFN kam nicht nur bei den "Amis" an: Auch viele Deutsche wählten die poppige Unterhaltung: Discjockeys servierten Musik mit flotten Sprüchen und legten die neuesten Hits auf - Beat, Jazz, Country, Hillybilly und was es sonst noch so alles gab. Ergänzt um "News" aus der ganzen Welt. Und so mancher Augsburger nutzte die Gelegenheit, seine Englisch-Kenntnisse zu vertiefen.

Bis 1998 plötzlich ohne Vorankündigung das Aus kam. Die US-Militärs schalteten den Sender ab, bis sie auch den letzten Standort am Lech aufgaben. Seitdem stand der Gittermast ungenutzt da - und jetzt im Weg beim Umbau der B17-Kreuzung. Norbert Brunner nutzte die Chance beim Spatenstich: Er knüpfte die Kontakte zum Tiefbauamt und zu der Metallbaufirma, die den Rest des Mastens zur Verschrottung bringt. "Es wäre doch schade, wenn alles verschwindet."

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