Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Stadtbergen hilft Fukushima weiterhin

Partnerschaft

08.03.2013

Stadtbergen hilft Fukushima weiterhin

Seit dem Reaktorunglück von Fukushima sammelt Christoph Schmid Geld für die Menschen in der japanischen Partnerprovinz von Stadtbergen.
Bild: Andreas Lode

Das Atomunglück jährt sich zum zweiten Mal. Aus Stadtbergen flossen viele Spenden nach Japan

Christoph Schmid ist der Stolz anzuhören, wenn er die Zahlen erwähnt. Als vor zwei Jahren im Atomkraftwerk im japanischen Fukushima zu Kernschmelzen kam und das Gebiet atomar verstrahlt wurde, organisierte Schmid, der Mitarbeiter des Kulturamtes Stadtbergen ist, die Spendenaktion „Stadtbergen hilft“. Die Partnerstadt wollte damit den Menschen helfen, die vor der Strahlung flohen. Über 107000 Euro kamen so zusammen. Am Montag jährt sich das Unglück zum zweiten Mal – und Schmid sammelt immer noch.

Das Geld verteilt sich auf zwei Projekte: 77 000 Euro flossen bislang an die Stiftung Waisenkinder der Provinz Fukushima, 30 000 Euro an die japanisch-deutsche Gesellschaft, die die Gelder dann weiter verteilt.

„Das ist direkte Hilfe, die wir auch nachvollziehen können“, erklärt Schmid. So seien von den Spenden Spielsachen für Waisen in Fukushima gekauft worden und Rollstühle für Altersheime. Dass ausgerechnet ein Mitarbeiter des Kulturamtes aus Stadtbergen Spenden dieser Größenordnung organisiert, ist kein Zufall: Schmids Mutter ist Japanerin. Und Stadtbergen unterhält seit 1974 eine Freundschaft zu Fukushima. Bis heute kamen über 700 Japaner für einige Nächte als Gäste in Stadtberger Familien unter. „Viele der Bürger haben auch deshalb in großem Stil gespendet, weil sie durch den Gastaustausch einen persönlichen Bezug zur Tragödie hatten“, sagt Schmid.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Als die Japanerin Sachiko Yanai, Flüchtling aus Fukushima, vor einem Jahr mit einer Delegation durch Deutschland zog, machte sie auch in Stadtbergen Station. Damals schaute auch Genpo Döring im Rathaus vorbei. Döring, der den einzigen Zen-Tempel des Landkreises in Dinkelscherben leitet, ist seitdem mit der Familie Yanai befreundet. Er hat nach dem Atomunfall in seinem Tempel Spenden gesammelt. „Das war mir ein persönliches Anliegen“, sagt Döring. Er hat eine japanische Frau und viele Bekannte in dem Land, das er auch oft besucht. Mitglieder und Besucher seines Tempels leisten seitdem häufig einen kleinen Beitrag, wenn sie bei Döring zu Gast sind. „Wir haben so schon über 25 000 Euro zusammenbekommen“, sagt Döring.

Er und Schmid bedauern, dass das öffentliche Interesse an Fukushima abgeklungen ist. Vor zwei Jahren wäre Stadtbergen sogar auf den Fall vorbereitet gewesen, dass japanische Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Mehr als 800 Stadtberger Familien erklärten sich bereit, die Flüchtlinge notfalls aufzunehmen. Die Anteilnahme werde nie wieder die Dimension von 2011 erreichen, glaubt Schmid, der auch den japanischen Kurswechsel in der Atompolitik seit der letzten Wahl kritisiert. Der neue Ministerpräsident Shinzo Abe ist ein Befürworter der Kernenergie.

„Ich hoffe, dass das Thema nicht in Vergessenheit gerät“, sagt Döring. Stadtbergen will seinen Beitrag dazu leisten. Zum Jubiläumsjahr der Städtefreundschaft 2014 werde es Aktionen geben, verspricht Schmid. „Ich glaube aber, dass sich die Leute erst wieder für Fukushima interessieren werden, wenn sich das Unglück zum zehnten Mal jährt.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren