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Porträt

03.09.2014

Stadtberger Multitalent in schönen Künsten

Multitalent Anna Ottmann vereint spielerisch Malerei und Schauspielkunst.

Anna Ottmann begeistert mit Theater, Malerei und Schauspielkunst. Bilderausstellung im Rathaus

Stadtbergen Die meisten haben sie schon des Öfteren im Fernsehen gesehen. So etwa kürzlich als urige Wurstverkäuferin in einem Werbespot mit Basketballer Dirk Nowitzki („Damit er groß und stark wird!“) Die lebenslustige Dame heißt Anna Ottmann, wohnt in Stadtbergen und ist im echten Leben keine eloquente Metzgerin, sondern ein erfolgreiches Multitalent in sämtlichen Bereichen der schönen Künste. Theater und Schauspielkunst, Malerei und Maskenspiel – mit vielen Dingen hat sie bereits die Herzen der Zuschauer erobert.

Doch Ottmann ist sich selbst immer treu geblieben und hat ihre Ideale nie aufgegeben. Angefangen hat für die gebürtige Augsburgerin alles mit einem Studium der Germanistik: „Damals habe ich mich auch mit Kunstkritik beschäftigt.“ Diese Themenfelder führten sie schließlich bis an die Akademie der Bildenden Künste, und Ottmann erinnert sich noch genau an ihre Zulassungsarbeit: „Ich habe meine Träume aufgeschrieben und daraus eine Geschichte gemacht. Dann hab ich einen Kasten gebaut, in den man reingreifen und all die Dinge aus der Traumgeschichte fühlen konnte.“ Mit dieser ungewöhnlichen Idee hatte Ottmann begonnen, die verschlungenen Pfade der Kunstwelten für sich zu erobern. Nicht zu jedermanns Begeisterung, wie sie nachdenklich erzählt. Den Lehrerkollegen ging ihre Kreativität zu weit und ihre Anpassung nicht weit genug: „ Ich hatte Angst, zwischen Schülern, Eltern und Lehrern zermahlen zu werden!“

Die Künstlerin war damals emotional so aufgeladen, dass sie vieles Geschaffene wieder zerstörte und ihre Gefühle direkt auf die Straße bringen wollte. Durch einen alten Freund war es dann allerdings nur noch ein kleiner Schritt vom Straßentheater zur Schauspielkunst: 1981 begann sie ihre Bühnenausbildung in München und Berlin und eroberte danach in kürzester Zeit die Herzen der Zuschauer, Regisseure und Kritiker.

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Ihre Rollen präsentierten sich als sinnlicher Querschnitt durch alle Stilepochen und Ottmann brillierte mit Charakteren von Molière, Schiller, Brecht und Goethe. Eine Glanzfigur fand sie schließlich im „Puck“ aus Shakespeares Sommernachtstraum: „Es war vielleicht meine erotischste Rolle. Und das auch noch mit Glatze!“ Ein weiterer Meilenstein war die widersprüchliche Figur der „Medea“ von Euripides. „Also, wenn ich Sie nicht kennen würde ...“, war noch der harmloseste Kommentar, den Ottmann anschließend erhielt. Ottmann war glücklich, denn sie hatte ihren großen Traum verwirklichen können: gespielte Emotionen als echt darzustellen und die Leute regelrecht „erwischen“ zu können.

Doch Ottmann verschließt auch nicht die Augen vor den dunklen Seiten einer solchen Bühnenkarriere: „Es war eine tolle Zeit, aber sie frisst einen auch auf.“

Auch aus Liebe zu ihrem Sohn wechselte sie schließlich vom Theater zum Film und verkörperte dort gerne Nebenfiguren mit unverwechselbarem Charakter. In „Aktenzeichen XZ“ war sie eine Bäckerin, in den „Rosenheim-Cops“ die Putzfrau Magdalena Haffner.

Doch ihre wohl größte emotionale Leistung war in einer Dokumentation zu sehen: In nachgestellten Szenen zur Zugkatastrophe von Eschede spielte sie eine verunglückte Frau, deren Ehemann überlebt hatte. Anna Ottmann hat mit ihren unverfälschten Leidenschaften großartige Gefühle erzeugt und zahllose Gemüter bewegt, was auch die Kritiker zu schätzen wussten: Dichterlesungen, Maskenspiele und Bilderausstellungen folgten Schlag auf Schlag. Ottmann erhielt immer wieder Auszeichnungen und bekam Rollen, ohne dass zuvor ein Casting erfolgen musste. Auch die Kinder sind Ottmann schon begegnet, vielmehr ihrer Stimme: Bei der Augsburger Puppenkiste war sie das Sprachrohr für die kleinen Weltstars, die nie den Faden verlieren, wie für die Stiefmutter aus „Hänsel und Gretel“.

Termin Noch bis zum 11. September ist derzeit im Stadtberger Rathaus ihre Bilderausstellung „AKTive chiffren“ zu sehen, wobei am Sonntag, 7. September, von 11.30 Uhr bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür stattfinden wird.

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