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Landkreis Augsburg

17.07.2020

Stadtberger demonstrieren gegen Verlust der Landwirtschaftsschule

Nach mehr als 150 Jahren von der Auflösung bedroht: die am Landwirtschaftsamt angesiedelte Landwirtschaftsschule in der Bismarckstraße von Stadtbergen.
Bild: Marcus Merk

Plus Kommunalpolitiker aus Stadtbergen gehen kommende Woche für den Erhalt der Schule auf die Straße. Der Bauernverband, auch aus dem Wittelsbacher Land, macht Druck in München.

Frühere Stadtberger Kommunalpolitiker und der Bayerische Bauernverband wollen die Landwirtschaftsschule in Stadtbergen retten. Für den Freitag, 24. Juli, rufen ehemalige und Ehren-Stadträte aus Stadtbergen in einer Resolution zu einer Kundgebung vor der Schule in der Bismarckstraße auf. Sie soll um elf Uhr beginnen.

Früherer Bürgermeister Fink an der Spitze des Protests

An der Spitze der protestierenden Politiksenioren steht Stadtbergens früherer Bürgermeister Ludwig Fink ( SPD). Er ist Vorsitzender des in der Stadtpolitik einflussreichen Bund Naturschutz. Doch diesmal geht es um ein landespolitisches Thema: die nach einem Kabinettsbeschluss drohende Auflösung der traditionsreichen Landwirtschaftsschule.

Bauernverband ist "zutiefst enttäuscht"

Gegen diese wenden sich auch die Kreisverbände Aichach-Friedberg und Augsburg des Bayerischen Bauernverbandes. Sie seien von der Entscheidung der Staatsregierung „zutiefst enttäuscht“, heißt es in einem Schreiben von Kreisobmännern und Kreisbäuerinnen an Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Übel stieß den Vertretern der Landwirte auch auf, dass sie erst durch Berichte unserer Zeitung Kenntnis erhielten und vor vollendeten Tatsachen standen. Ein Austausch von Argumenten sei so verhindert worden.

Nach den Plänen der CSU-Politikerin wird in Stadtbergen schon im kommenden Herbst der voraussichtlich letzte Jahrgang beginnen. 17 Schüler sind bislang dafür gemeldet und sollen im März 2022 ihren Abschluss machen. Danach ist Schluss mit der mehr als 150 Jahre währenden Geschichte der Schule. Die Begründung: sinkende Schülerzahlen.

Die Auflösung von Schulen ist Teil einer größeren Neuordnung der Landwirtschaftsverwaltung, in der mehrere Ämter im Freistaat organisatorisch zusammengelegt werden. Das Amt für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft Augsburg, wie es hochoffiziell heißt, mit Sitz in Stadtbergen sei davon ansonsten nicht betroffen, wie Amtsleiter Konrad Hörl schon vergangene Woche sagte.

So geht es mit dem Landwirtschaftsamt weiter

Das Amt mit seinen rund 110 Mitarbeitern bleibt in Stadtbergen, die Außenstellen in Schwabmünchen und Friedberg bleiben erhalten. Das gilt auch für die Hauswirtschaftsschulen in beiden Städten. Ebenso bleiben die „BiLa“-Kurse für Nebenerwerbslandwirte.

Betrieben wird die Landwirtschaftsschule mit vier Lehrkräften und externen Beratern. In so verschiedenen Fächern wie Pflanzenbau, Tierhaltung, Steuer- und Sozialrecht oder Rhetorik sollen die Schüler fit gemacht werden für ein Berufsleben als selbstständige Landwirte.

Ein Fortbestehen der Einrichtung sei von großer Bedeutung sowohl für Stadtbergen als auch die rund 3000 Landwirte im Großraum Augsburg, argumentieren nun die Befürworter. Der Bauernverband verweist auf die kurzen Anfahrtswege für Schüler aus der Region. Künftig seien die nächsten Schulstandorte Wertingen, Pfaffenhofen oder Kaufbeuren. „Das ist nicht zumutbar“, schimpfen die Bauern.

Die Neuausrichtung der Landwirtschaftsverwaltung mit Schließung der Landwirtschaftsschule Augsburg hat auch für den Landkreis Aichach-Friedberg gravierende Auswirkungen. Auch wenn die Schülerzahlen in den vergangenen Jahren Schwankungen unterlegen sind, war für die SchülerInnen eine gute Ausbildung und kurze Wege zur Unterrichtsstätte gesichert.

Schließung hat auch Auswirkungen für den Landkreis Aichach-Friedberg

Zu Wort meldet sich auch die Landtagsabgeordnete Christina Haubrich (Bündnis 90/Die Grünen) aus dem Kreis Aichach-Friedberg. Sie sagt: „Mit Blick in die Zukunft in der der Ökolandbau immer mehr an Bedeutung gewinnt, wäre es eine zukunftsweisende Entscheidung gewesen, den Standort zu erhalten und lieber die Lerninhalte zu überdenken.“ Keine Trennung mehr von „öko“ und „konventionell“, sondern eine neue, innovative Ausrichtung der Schulen wäre eine Chance und würde den Schulstandort attraktiver machen, sagt Haubrich. Auch die Möglichkeiten der Digitalisierung könnten genutzt werden, um Schulstandorte zu erhalten und Lehrinhalte effizient und attraktiv zu machen.

Die Stadtberger Altstadträte erinnern daran, dass die Landwirtschaftsschule im Jahr 2007 ein Argument für die Erhebung Stadtbergens zur Stadt war. Diese habe weder Gymnasium noch Realschule und dürfe nicht endgültig „zum allerletzten Rad am Wagen der Schul- und Bildungspolitik im Raum Augsburg werden“. Sie schlagen zur Rettung der Landwirtschaftsschule einen Schwerpunkt für ökologische Landwirtschaft vor. Umstellungswillige Bauern sollten dort geschult werden.

Die Vertreter des Bauernverbandes fordern das Landwirtschaftsministerium auf, „mit innovativen Ideen einen zukunftsfähigen Schulstandort zu entwickeln“ und bringen dafür eine Reihe von Vorschlägen ins Spiel. So müsse sich die Ausbildung mehr Themen wie Wasserschutz, Klima und Tierwohl stellen, in Stadtbergen könne man hier neue Wege gehen. Denkbar sei zudem ein wechselseitiger Unterricht zwischen den Landwirtschaftsschulen in Wertingen und Stadtbergen.

Ministerin Trautner: "Sehen, was sich machen lässt"

Für ihre Botschaft haben die Bauern eine prominente Überbringerin gewonnen. Die aus Stadtbergen kommende Sozialministerin Carolina Trautner ( CSU) will den Brief des Bauernverbands persönlich an ihre Ministerkollegin Kaniber übergeben und noch einmal für Stadtbergen werben. „Dann werden wir sehen, was sich machen lässt.“ In früheren Gesprächen hatte Trautner ihre Kabinettskollegin nicht überzeugen können.

Berichtigung: In der ursprünglichen Version des Textes war davon die Rede, dass die Demonstration am Freitag 17. Juli stattfinden solle. Das war falsch. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung. (mit bac)

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