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Landkreis Augsburg

17.06.2019

Statt Hilfe anzunehmen: Sanitäter werden angepöbelt

Immer wieder kommt zu Handgreiflichkeiten. Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter werden bei Einsätzen körperlich angegriffen. Auch im Augsburger Land gab es vor Kurzem erneut einen Vorfall.
Bild: Theo Bick, dpa (Symbolfoto, Archiv)

Plus Die Polizei in Schwaben wünscht sich schnellere Verfahren bei Attacken gegen Rettungskräfte. Der jüngste Vorfall im Augsburger Land liegt nur wenige Tage zurück.

Der jüngste Fall liegt drei Tage zurück: Sanitäter des Roten Kreuzes wollten einem verletzten Mann aus dem Landkreis helfen. Doch der weigerte sich und beschimpfte die Helfer wüst. Am Ende musste die Polizei kommen. „Verbalattacken sind an der Tagesordnung“, sagt Manfred Rupprecht. Er leitet den Rettungsdienst im Kreisverband und begrüßt das Konzept, das nun ab sofort in Oberbayern Täter abschrecken soll.

Wer Einsatzkräfte angreift oder sie bedroht, soll in Zukunft schneller Ärger mit dem Staatsanwalt bekommen. Vorfälle sollen idealerweise bereits am nächsten Werktag mit der Staatsanwaltschaft besprochen werden, um dann zu entscheiden, ob sich der aktuelle Fall für ein beschleunigtes Verfahren eignet.

Der Denkzettel sollte möglichst schnell kommen

Das Ziel: Von diesen schnellen Entscheidungen erwarten sich die Behörden eine erzieherische und präventive Wirkung. Und: Durch eine schnellere Verurteilung sollen andere Täter abgeschreckt werden. So ließen sich dann Einsatzkräfte besser schützen. Manfred Rupprecht vom Roten Kreuz hält es für dringend notwendig, dass Gewalt gegen Retter abschreckender bestraft wird. Er sagt: „Der Denkzettel sollte möglichst schnell kommen, damit es niemand vergisst.“

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Derzeit wird die neue Strategie auch am Polizeipräsidium Schwaben Nord erarbeitet. Unter anderem geht es um die Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft und die Frage, wie sich kürzere Arbeitsabläufe erzielen lassen. Wann das Konzept umgesetzt wird, ist noch unklar. Fest steht aber: Auch in Nordschwaben soll Gewalt gegen Rettungskräfte und Polizisten noch effizienter verfolgt werden.

Die Folgen waren oft gravierend

Im vergangenen Jahr gab es laut dem Sicherheitsbericht der Polizei 743 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte. Das sind 33 Fälle mehr als 2017. Die Folgen waren oft gravierend: 45 Polizeibeamte wurden so schwer verletzt, dass sie zeitweise nicht mehr in den Dienst konnten.

Solche Extremsituationen hat Wolfgang Baumeister von der Feuerwehr Gersthofen noch nicht erlebt. „Zum Glück“, sagt der Kommandant. Ärgern muss er sich aber trotzdem. Denn: „Der Ton ist rauer geworden.“ Sein Eindruck: Die Feuerwehren würden öfters ignoriert. Jüngstes Beispiel: Als der Maibaum in Gersthofen aufgestellt wurde, hatte er ein Feuerwehrfahrzeug in die Bahnhofstraße gestellt, um den Bereich abzusperren. Doch das juckte zwei Autofahrer nicht. Ein Mann herrschte ihn an, dass es nicht ausreiche, nur einen Wagen mit Blaulicht quer über die Straße zu parken.

Heute zollt man Rettungskräften wenig Respekt

Für die Rettungskräfte sei es schwierig, bei solchen Vorfällen aktiv zu werden, meint Markus Furnier von der Feuerwehr in Adelsried. „Man müsste dann ja die Personalien feststellen. Aber eigentlich haben wir bei einem Einsatz eine ganz andere Aufgabe: Wir wollen helfen.“ Der Kommandant begrüßt die beschleunigten Verfahren und hofft, dass sich dadurch auch wieder mehr Fahrer auf Rettungsgasse nach Unfällen besinnen. „Das ist ein echtes Problem. Persönlich schneller vorwärts zu kommen gilt mehr als eine Rettung“, sagte Furnier. Rettungsdienstleiter Rupprecht hat festgestellt: „Die Gesellschaft habe sich gewandelt: Heute zollt man Rettungskräften wenig Respekt. Früher hieß es: Retter langt man nicht an, die helfen ja. Früher seien Ausfälle selten gewesen. Heute sind sie an der Tagesordnung.“

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