Newsticker
EMA gibt grünes Licht für Johnson-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Staudenbahn: Den Rettern bleiben nur noch zwei Wochen

Fischach/Landkreis Augsburg

15.11.2019

Staudenbahn: Den Rettern bleiben nur noch zwei Wochen

Um diese Strecke geht es: Hier biegt die Staudenbahn bei Gessertshausen auf ihre Strecke nach Markt Wald ab
6 Bilder
Um diese Strecke geht es: Hier biegt die Staudenbahn bei Gessertshausen auf ihre Strecke nach Markt Wald ab
Foto: Marcus Merk

Plus Bei den Verhandlungen, die die lange versprochene Wiederinbetriebnahme doch noch aufs Gleis setzen sollen gibt es Fortschritte. Aber noch keinen Durchbruch.

Langsam wird es höchste Eisenbahn, um die Reaktivierung der Staudenbahn wieder aufs Gleis zu setzen. Denn dem seit Jahren versprochenen Nahverkehrsprojekt droht die Endstation. Rund zwei Wochen haben die Politiker im Landkreis und den Gemeinden noch Zeit, um einen Rettungsplan zu schmieden. Dieser läuft darauf hinaus, dass der Kreis und die drei Staudenbahn-Gemeinden eine Projekt- und Betriebsgesellschaft tragen, die für die Ertüchtigung der Strecke sorgt.

Ursprünglich sollten dafür schon vor knapp zwei Wochen die Weichen gestellt werden. Doch der Kreisausschuss des Landkreises vertagte die Entscheidung. Zu viele Fragen hatten die Politiker aller Fraktionen noch zu dem Projekt, für das bis zu 20 Millionen Euro fällig werden könnten.

Termin für Entscheidung: Fehlanzeige

Seit der nicht-öffentlichen Sitzung Anfang November wird hinter den Kulissen hektisch verhandelt und sondiert. Dabei soll es nach Informationen unserer Zeitung durchaus Fortschritte geben – ein Durchbruch sei aber noch nicht erzielt. Wie das Landratsamt gestern auf Anfrage offiziell mitteilte, gibt es noch keinen Termin für eine „finale Gremiensitzung“, in der dann die Entscheidung fallen soll.

Bereits Anfang Dezember allerdings will die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die im Auftrag des Freistaats den regionalen Schienenverkehr bestellt und überwacht, Klarheit haben, ob der stockende Ausbau der Strecke rechtzeitig in Gang kommt. Dabei geht es zunächst einmal darum, das Genehmigungsverfahren aufs Gleis zu setzen.

Wenn von den Plänen für den Wiederbetrieb des Personenverkehrs die Rede ist, dann geht es um den 13 Kilometer langen Abschnitt zwischen Gessertshausen und Langenneufnach. Versprochen wurde der Neustart seit 2014, als ein Gutachten der 1991 stillgelegten Bahn gute Chancen bescheinigte.

Schon öfter Verzögerungen

Doch der Fahrplan geriet schon wiederholt durcheinander. Zunächst war 2019 für den Start vorgesehen, weil es aber Schwierigkeiten mit Anpassungen an den überregionalen Fahrplan gab, verlegte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) den Start um zwei Jahre nach hinten. Vor einem Jahr wurde die Wiederaufnahme erneut verschoben: diesmal auf Dezember 2022. Auch zwischen Ettringen und Türkheim soll die Staudenbahn wieder in Fahrt kommen. 2018 hatte der Unterallgäuer Kreistag einen entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst.

Die Bahn ist für Veranstaltungen beliebt: Hier bei einem Gottesdienst mit der Gruppe ScheinEilig.
Foto: Siegfried P. Rupprecht

Vorsichtig optimistisch für die Staudenbahn im Augsburger Land zeigte sich gestern der SPD-Fraktionschef Harald Güller. In vielen Gesprächen habe es kleine Fortschritte gegeben, zu Jubelarien bestehe allerdings kein Anlass. Mehrheitsfähig ist die Übernahme der Strecke in Güllers Augen nur, „wenn wir eine Lösung hinbekommen, hinter der der ganze Landkreis steht.“ Schließlich soll dieser auch ins finanzelle Risiko gehen. Einer der Hemmschuhe: Bau und Betrieb einer Bahnstrecke gehören nicht zu den Aufgaben eines Kreises, bayernweit gibt es bislang kein Vorbild dafür.

Banken spielten nicht mit

In der Vergangenheit war geplant, dass die Bahnbetriebsgesellschaft (BBG) Stauden die Strecke ertüchtigen und das über die „Gleismiete“ refinanzieren sollte. Da die Banken nicht mitspielen, geht die Rechnung nicht auf. BBG-Chef Hubert Teichmann macht den Freistaat verantwortlich. Dessen BEG weigere sich, zumindest 80 Prozent der zu erwartenden Einnahmen zu garantieren. Nun müsse eine politische Lösung her.

Das war die vorerst letzte Fahrt Staudenbahn der im Nahverkehr. Am 31.05.1991 vom Augsburger Hauptbahnhof nach Markt Wald. Abfahrt auf Gleis 8 um 16:46 Uhr Die Staudenbahn wurde symbolisch zu Grabe getragen.
Foto: Rudi Fischer

Unterdessen haben Schwabens Freie Wähler bei ihrem Bezirksparteitag in Augsburg ein einstimmiges Bekenntnis zur Reaktivierung der Staudenbahn abgelegt. Der Landtagsabgeordnete Fabian Mehring, der die FW-Fraktion im Augsburger Kreistag führt, sagte: „Wir wollen, dass die Züge rollen. Nachdem die BEG bereits das Material bestellt hat darf es jetzt kein Zurück mehr geben. Wer in der Klimadebatte A sagt muss auch B sagen, wenn es um die konkrete Realisierung von Projekten wie der Staudenbahn geht.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

16.11.2019

Die Stadt Augsburg sollte den Denkprozess im Landkreis unterstützen und die Bgm.-Ackermannstraße östlich der Westtangente auf 2 Fahrspuren + 2 Busspuren umgestalten.

Permalink
16.11.2019

Die Staudenbahn wird zu einem Verlustgeschäft und der Steuerzahler wird dann wieder zur Kasse gebeten- Warum geht man nicht her und macht mal 4 Wochen einen Probelauf damit man sehen kann wer eigentlich die Stautenbahn in Anspruch nehmen möchte. Viele Arbeiter arbeiten nicht im Zentrum von Augsburg ,sondern vielmehr in verschiedenen Standorte von Augburg wo er dann mit anderen Vergehrsmiitel weiter fahren muss. Der Zeitaufwand wäre um eines größer und macht keinen Sinn. Viele Arbeiter müssen heute in drei Schichten arbeiten,und für sie käme die Staudenbahn nicht in Frage. Jetzt den Klimaschutz ins Spiel zu bringen ist nur eine Ausrede um die Staudenbahn auf die Schiene zu bringen. In 20 Jahren fahren wir alle ein Elektroautos und dann hat sich das Proplem mit den Abgassen in den Stätden sich auch erledigt. Wir leben heute in einer Zeit wo keiner Lust hat seine Zeit in der Staudenbahn zu verbringen,sondern jeder möchte möglichst bald zu Hause sein, Ich hoffe die verantwortlichen Politiker sehen das auch so,und werfen nicht die Steuergelder zum Fenster hinaus was die Staudenbahn anbelangt.

Permalink
20.11.2019

Zahlreiche Beispiele in anderen Regionen belegen zum Glück das Gegenteil Ihrer Annahme: Es kommen mehr Fahrgäste, als im Gutachten als Basis für die Reaktivierung angenommen. Im übrigen lösen E-Autos auch nicht das Kapazitätsproblem: Auch diese verstopfen die Straßen, brauchen Parkplätze und verursachen Unfälle. Wo Eisenbahn gut funktioniert sowie schnell und häufig unterwegs ist, wird sie auch angenommen - das zeigt die Erfahrung die man hat, wenn man sich mit dem Thema etwas intensiver beschäftigt und die Tatsachen auch erkennen und anerkennen möchte. Die Zukunft muss ein sinnvolles Miteinander der einzelnen Verkehrsträger sowie von öffentlichem und Individualverkehr sein. Das dabei eine bestehende Bahnstrecke im Zulauf auf eine Großstadt eine Rolle spielen muss, darf eigentlich gar keine Frage sein.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren