1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Stoppen Stromstöße gefährliche Pflanzen an der B2?

Meitingen

14.09.2019

Stoppen Stromstöße gefährliche Pflanzen an der B2?

Mit wissenschaftlicher Unterstützung versucht die bayerische Straßenbauverwaltung an der Bundesstraße 2 bei Erlingen herauszufinden, wie die Ausbreitung der Ambrosia am effektivsten gestoppt werden kann. Dazu werden abschnittsweise verschiedene Bekämpfungsmethoden getestet. 
Bild: Marcus Merk

Ambrosia kann starke Allergien auslösen. An der B2 fühlt sie sich pudelwohl. Behörden versuchen, ihre Ausbreitung zu verhindern. Denn die Gefahr wächst.

Manchem Autofahrer sind sie vielleicht schon aufgefallen an der Bundesstraße zwei etwa in Höhe von Erlingen: Knapp hüfthohe Schilder in leuchtenden Farben, manche tragen die Aufschrift „Zasso“. Auf anderen steht „Variante 4“ oder „Variante 5“ Ein Werbe-Gag? Mitnichten. Vielmehr ein Zeugnis der Versuche, der gefährlichen Allergiepflanze Ambrosia bei zu kommen. Denn gegen die scheint bislang kein Kraut gewachsen.

Die Ambrosie wurde vor etwa 150 Jahren aus Nordamerika eingeschleppt und tritt hierzulande unter anderem an Straßenrändern und in Gärten auf. Eine einzelne Pflanze der beifußblättrigen Ambrosie produziert bis zu einer Milliarde Pollen. Da das allergene Potential der Ambrosiapollen um ein Vielfaches höher ist als bei Gräserpollen und sich durch die späte Blüte die sonst übliche Pollensaison um zwei Monate verlängert, verursacht ein vermehrtes Auftreten von Ambrosia große Probleme für Allergiker. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums in München haben herausgefunden, dass Autoabgase die Aggressivität des Pollen noch verschärfen.

Pflanzen werden bis zu zwei Meter hoch

Betroffen sind auch die Mitarbeiter der Straßenmeistereien, da beim Mähen der Böschungen besonders viele Pollen freigesetzt werden. Im Bereich des Staatlichen Bauamtes Augsburg kommt die Ambrosia an der B2 im Raum Gersthofen / Meitingen und an der B300 im Raum Steppach, Friedberg und Kühbach vor. Bei Erlingen hatten sich die Pflanzen, die bis zu zwei Meter hoch werden können, auf einer Länge von rund einem Kilometer breit gemacht. Tausende Pflanzen wurden entdeckt und seit dem Jahr 2017 wird versucht, sie zu bekämpfen. Dafür hat sich die bayerische Straßenbauverwaltung sogar wissenschaftliche Unterstützung an Bord geholt.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

In Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur in Wien werden verschiedene Möglichkeiten der Ambrosia-Bekämpfung erprobt. 2017 hat die Straßenmeisterei Gersthofen Ambrosia-Vorkommen mit heißem Wasser verbrüht und so erste Erfahrungen gesammelt. 2018 versuchte man es dann mit einer regelmäßigen Mahd.

Die Ambrosia kann gefährliche allergische Reaktionen auslösen.
Bild: Marcus Merk

Schon im Frühjahr waren Bagger angerückt

Dabei wurden die Ambrosia-Bereiche alle vier bis sechs Wochen gemäht, sodass keine Blütenbildung möglich war. Da diese Mahd laut Bauverwaltung sehr aufwendig ist und bei der Heißwasserbekämpfung nicht ausreichend hohe Temperaturen erzielt wurden, versuchte man es Mitte August mit dem Einsatz von Heißschaum. Verbrannte Stellen im Bankettbereich nahm man dabei als notwendiges Übel in Kauf. Schon im Frühjahr waren Bagger angerückt und hatten das Bankett abgetragen. Die Forscher wollten schauen, wie weit die Wurzeln der sich rasant ausbreitenden Pflanze ins Erdreich gehen.

Obwohl die Methoden der Ambrosia-Bekämpfung verbessert worden seien, werden immer wieder neue Vorkommen gefunden, sagt Stefan Scheckinger, der für den Straßenbau zuständige Bereichsleiter beim Bauamt in Augsburg.

Ganze Äcker können nicht mehr bewirtschaftet werden

Betroffen seien vor allem die Bankette am Straßenrand. Dort ist der Boden quasi „offen“ und es gibt keine Konkurrenz. Scheckinger: „Unser Ziel ist es, zu verhindern, dass sich die Ambrosia von dort auf Äcker und Gärten ausbreitet.“ In Ungarn oder Österreich und vor allem den USA seien die Ambrosia-Pflanzen schon so weit verbreitet, dass ganze Äcker nicht mehr bewirtschaftet werden können. Das bayerische Umweltministerium erwäge schon, ein Melde- und Bekämpfungsgesetz zu erlassen, so Scheckinger.

Insgesamt drei Jahre lang soll bei Erlingen untersucht werden, wie Wachstum und Ausbreitung der gefährlichen Allergie-Pflanze gestoppt oder zumindest gebremst werden können. Die eingangs erwähnten bunten Schilder wiederum zeugen von Versuch Nummer vier, den Ambrosiapflanzen den Garaus zu machen: mit Stromstößen. Darauf haben sich mehrere Unternehmen spezialisiert, von denen eines sein Verfahren nun bei Erlingen im Feldversuch vorstellt.

Mehr Arbeit für die Mitarbeiter der Straßenmeisterei

Wie wirksam die einzelnen Verfahren sind, lasse sich derzeit nicht abschätzen, sagt Straßenmeister Martin Bigelmaier von der Straßenmeisterei in Gersthofen. Man sei noch mitten in der Studie. Sicher bedeute das mehr Arbeit für die Mitarbeiter der Straßenmeisterei. Bigelmaier: „Aber wenn es einen Sinn hat, machen wir das gerne.“ In knapp zwei Wochen wollen sie wieder ausrücken zur Ambrosia-Bekämpfung: Auf dem Programm stehen heißes Wachs und Stromströße.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar von Christoph Frey: Der Standort der Ambrosia an der B2 ist problematisch

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren