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Landkreis Augsburg

03.12.2019

Streit eskaliert: Nachbar wirft mit Fleischsalat

Weil er Fleischsalat in die Einfahrt seine Nachbarn geworfen hat, ist ein 52-Jähriger nun verurteilt worden. 
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Ein 52-Jähriger schmeißt mehrere Becher mit Fleischsalat in die Einfahrt seines Nachbarn. Jetzt landet der kuriose Streit unter Nachbarn vor Gericht. 

Ein besonders kurioser Fall von Streit unter Nachbarn ist nun vor dem Augsburger Amtsgericht gelandet: Ein 52-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis hat mehrere Becher Fleischsalat in die Einfahrt seiner Nachbarn geworfen. Kein Witz.

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Schnell wurde vor Gericht klar, dass der Tat ein langer Streit zwischen dem Mann und seinen Nachbarn vorausgeht. Immer wieder haben sich die beiden Parteien gegenseitig angezeigt. Ketchup auf der Autoscheibe, Zuckerwasser vor der Wohnungstür, Mayonnaise an der Haustüre. „Es ist ein ewiges hin und her“, sagte der Angeklagte. Und nun: Fleischsalat. Gleich zu Beginn der Verhandlung räumte der Mann ein, mehrmals Becher davon in die Einfahrt seiner Nachbarn geworfen zu haben. Die Taten ereigneten sich im November 2018 und Januar 2019. Gegen den Mann lag ein Strafbefehl mit einer Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro vor. Der Fleischsalat soll sich laut Staatsanwaltschaft in die Granitsteine in der Einfahrt gefressen haben. Eine einfache Reinigung sei nicht möglich gewesen. Neben dem Straftatbestand der Sachbeschädigung ging es außerdem um Beleidigung und Bedrohung.

„Das ist kein Streit mehr, das ist Krieg“

Die beiden Parteien leben Tür an Tür in einem Mehrfamilienhaus. Zu Beleidigungen zwischen ihm und seinen Nachbarn komme es praktisch ständig, erklärte der Angeklagte vor Gericht. Er könne es sich nicht leisten in andere Wohnung zu ziehen. Zur Sprache kam außerdem, dass er seinen Nachbarn mit einem Teppichmesser bedroht haben soll. Allerdings: „Nur zur Verteidigung“, erklärte der Angeklagte. Der Vorwurf der Bedrohung wurde letztlich eingestellt. Wegen der Streiterein gibt es mehrere Verfahren. „Das ist kein Streit mehr, das ist Krieg“, sagte der Angeklagte. Konkret ging es vor Gericht nun um den Angriff mit Fleischsalat. Diese Tat räumte der 52-Jährige schnell ein. Allerdings: „Sachbeschädigung kann das nicht sein“, sagte der Angeklagte. Schließlich sei es „unmöglich“, dass der Fleischsalat den Granitstein beschädige.

Streit eskaliert: Nachbar wirft mit Fleischsalat

Anders sah das eine Nachbarin, die als Zeugin vor Gericht aussagte. Der Geschädigte selbst musste nicht mehr aussagen. Etwa fünf Mal habe ihr Nachbar bereits mit Fleischsalat geworfen. Dieser hinterlasse Fettflecken auf den Granitsteinen. Außerdem hänge Wurst in den Fugen zwischen den Steinen. Eine Reinigungsfirma sei zu dem Schluss gekommen, dass das Entfernen etwa 400 Euro kosten würde. Das Verhältnis zu ihrem Nachbarn sei völlig verhärtet. Seit Jahren komme es immer wieder zu Streit. Das bestätigte auch ein Polizist, der als Zeuge geladen war. Außerdem habe er den Eindruck, dass der Angeklagte psychische Probleme habe. Der Polizist berichtete außerdem von Stacheldraht auf dem Balkon des Angeklagten und Äxten in seiner Wohnung. „Die Örtlichkeit ist der ganzen Polizei gut bekannt“, sagte er.

Geldstrafe von 1800 Euro für den Angeklagten

Letztlich verurteilte Richterin Melanie Koch den Angeklagten wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 1800 Euro (45 Tagessätze à 40 Euro). Zu Gute hielt sie dem 52-Jährigen, dass er die Tat von Anfang an zugegeben habe. Außerdem habe der Mann keine Vorstrafen und auch der Streit, zwischen dem „die Fronten verhärtet“, seien, spreche für den Angeklagten. Allerdings habe er mit „voller Absicht“ gehandelt. Der Mann muss auch die Verfahrenskosten tragen.

Wann Streitereien unter Nachbarn vor Gericht landen

Immer wieder kommt es zu Fällen von Nachbarschaftsstreit, die vor Gericht landen. Doch das sei nur „der Gipfel des Eisbergs“, erklärt Richterin Elke Bethge. Meist komme es nicht zur Verhandlung. „Da hat sich meist viel angestaut“, sagt Bethge. Oft über viele Jahre, in denen sich die Beteiligten immer wieder gegenseitig angezeigt hätten. Viele Streitfälle ließen sich durch einen neutralen Vermittler, einen Mediator, schlichten. Das spare Zeit und Nerven. Ist bereits ein Rechtsstreit beim Familien- oder Zivilgericht anhängig, besteht die Möglichkeit zu einem sogenannten Güterichterverfahren, erklärt die Richterin. Alle Beteiligten sitzen dabei an einem Tisch. Die Atmosphäre sei weniger hierarchisch, wie bei einem normalen Gerichtstermin. Ziel sei es, dass die Konfliktparteien miteinader ins Gespräch kommen, versuchen den anderen zu verstehen und am Ende zu einer Einigung kommen. Möglich sei eine Mediation auch außergerichtlich, erklärt Bethge. Dann werde sie meist von einem Rechtsanwalt durchgeführt. Sollte die Methode nicht erfolgreich sein, können die Parteien anschließend immer noch vor Gericht ziehen.

Im Falle eines weiteren Nachbarschaftsstreits aus dem Landkreis, ist dieser Zeitpunkt wohl schon überschritten. Am morgigen Donnerstag ist eine Frau aus dem Landkreis angeklagt, die mit einem 2,5 Meter langen Kescher auf ihren Nachbarn eingeschlagen haben soll.

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