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Premiere

20.11.2017

Sture Kramerin nervt den Bürgermeister

Nach zweijähriger Pause wird im Fischacher Pfarrheim in diesen Tagen wieder Theater gespielt. Im Bild (von links) Barbara Fluhr in der Titelrolle der Kramer-Res, Engelbert Lehner und Trixi Schmidt.
Bild: Walter Kleber

Fischacher Kolpingsfamilie meldet sich nach zwei Jahren Pause wieder auf der Bühne zurück. Wie das Comeback gelungen ist

Sie haben es noch nicht verlernt! Nach zweijähriger Pause haben sich die Theaterspieler der Fischacher Kolpingsfamilie bei ihrem Publikum zurückgemeldet. Im Pfarrheim gab es am Premierenabend reichlich Szenenapplaus für die Inszenierung. Unter der bewährten Spielleitung von Martina Graßl hat sich das Ensemble mit der „Kramer-Res“ einen Klassiker aus dem umfangreichen Werk der Augsburger Erfolgsautorin Ulla Kling, der Grande Dame des schwäbischen Laientheaters, vorgenommen.

Der erste Beifall des Publikums galt der bis ins Detail liebevoll eingerichteten Bühne. Der alte Kramerladen mit seiner kunterbunten Auslage aus längst vergangenen Zeiten – vom offenen Gurkenfass bis zu den dicken Bonbongläsern und den historischen Werbeschildern – gereicht jeder volkskundlichen Abteilung eines Heimatmuseums zur Ehre. In diesem nostalgischen Ambiente laufen die Darsteller schon in den ersten Szenen zur Hochform auf. Nach der langen Spielpause genießen sie sichtlich die geschliffenen Dialoge und die pointierten Sticheleien, die ihnen die Autorin ins Textbuch geschrieben hat. Nicht nur ihr kleiner Laden, auch die Kramerin selber ist ein prähistorisches Relikt. Dem Zeitgeist zum Trotz hat sie ihr Geschäft ins 21. Jahrhundert hinüber gerettet. Ist der Laden neben seiner eigentlichen Funktion doch auch Nachrichtenbörse und Klatschzentrale des Dorfes. Barbara Fluhr glänzt in der Hauptrolle der Kramer-Res als resolutes Übrigbleibsel, die mit beiden Beinen fest im Leben steht, das Herz am rechten Fleck hat und sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Weder von der Konkurrenz des nahen Supermarktes, noch von Bürgermeister Albert Dollinger (Adolf Geiger), der schon als Dreikäsehoch mit Rotzglocke in Res‘ Bonbonglas gegriffen hat. Der Rathauschef träumt von einem großen Straßenbauprojekt, dem das kleine, windschiefe Häuschen der Kramer-Res im Weg steht. Zusammen mit dem Beamten Forster vom Straßenbauamt (Willi König als bürokratische Durchschnittsexistenz) setzt er die Res unter Druck. Sie soll kurzerhand in die neue Seniorenresidenz Buschelbergblick umgesiedelt werden. Doch die beiden forschen Zukunftsplaner haben die Rechnung ohne die Stammkundinnen des Tante-Emma-Ladens gemacht. Die Kreitnerin (Sylvia Schißler), Hilde Wamperl (Karin Damro) und nicht zuletzt Thekla, die Mutter des Bürgermeisters (Beatrix Schmidt), organisieren generalstabsmäßig den Widerstand gegen den Straßenbau. Auf Res‘ Seite sind auch der einem Schnäpschen nie abgeneigte Noagerl-Toni (Engelbert Lehner), Nichte Evi (Julia Glockner) und der rasende Rudi (Florian Lehner), den die Kramer-Res schon von Kindesbeinen an ins Herz geschlossen hat.

Als alle Überredungskünste des Bürgermeisters bei Res nicht fruchten, stellt er die Kramerin und ihre sturen Mitstreiterinnen eines Morgens vor vollendete Tatsachen: Vor Res‘ Garten fährt der Abrissbagger auf, es kommt zum unausweichlichen Showdown.

Ob der Kramerladen tatsächlich der Spitzhacke zum Opfer fällt, oder die verzwickte Geschichte in letzter Minute doch noch eine gute Wendung nimmt, klärt sich am Ende des zweieinhalbstündigen Abends, mit dem der Kolpingsfamilie ein eindrucksvolles Comeback gelungen ist.

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